Briefe 1920 bis 1929

Texttyp

Briefe

Wo ist unser buntes Theben LUDWIG HARDT

(7. 1. 1920)[362]
Mein geliebter Prinz von Juda edeler Vetter. 
Vielleicht, daß Sie eine Prosageschichte lesen aus dem Prinz von Theben oder Nächte von Bagdad? oder etwa Jakob u. Esau und Saul und Moses, Jakob - das sind so Gedichte für dunkeles Organ. Ihr Sie sehr bewundernder (ein Kopf) 
Prinz von Tiba 
Haben Sie schon meine Essays mit sich drin?

LUDWIG HARDT

(23. 1. 1920)[363]
Lieber Ludwig Hardt, wenn ich gestern so unhöflich war, bitte seien Sie nicht böse, auch Ihre Frau nicht. Ich sagte von Harm. nur Spinat, (nicht aus Bösen) weil ich es zu Kraus sagte als ich vor Jahren ihn am Tisch kennen lernte. Betreffender Spinat war auch immer nach Spinatart sehr wohlwollend und hochmütig und belehrend mir gegenüber. 
Ihr Prinz Jussuf

LUDWIG HARDT

(20. 2. 1920)[364]
Wie leid mirs tut, lieber Ludwig Hardt, ich hätte längst wenn mein Herz nicht überwuchert wäre auch auf Paul Graetz, Hannes Schweickart, Aribert Wäscher Gedichte gemacht, aber ich kann nicht - ob je wieder? Aber vielleicht senden Sie mein Gedicht aus Berliner Tageblatt, das ich auf Sie dichtete. Es erscheint im Gedichtbuch gesammelt. Werke 7 sind schon raus kommen aber noch 3: - mein Herz und Gedichte II Bände 
Ihr Prinz Jussuf

GEORG KOCH

Lieber, guter Georg Koch.[365] 
Danke Ihnen noch tausendmal für Ihre liebe Begleitung. Daß ich furchtbar gern mal mit Herrn Graetz spreche, wissen Sie. Sofort wenn ich komme. Ich werde mir extra Glac~handschuh kaufen und will direkt imponieren damit er meinen Wunsch Ihnen gegenüber erfüllt. Nie konnte ich für Sie etwas tun, wie oft aber brachten Sie mich schon an die langweilige Bahn oder halfen mir traurige Dämmerungen beleuchten; wir unterhielten uns doch immer so nett. Otto Schoff hat mir unerhörten Brief geschrieben; in sein Interesse schweig ich darüber. 
Als ob er unzurechnungsfähig ist. Ich kenne ihn kaum, freute mich nur immer so sehr mit seinen Kinderchen, wunderschönen Bildern u. Worten und dachte daran ihm gutes zu tun; aber Unnoblessen vertrag ich nicht. Auf Wiedersehn in 6 Tagen! 
Ihr Jussuf Prinz 
Adr: Pension Romana Akademiestr 7. München 
Lasen Sie gestern Sonnabend Münchner Neuste Nachrichten?

LUDWIG UND RUDOLF BERGER,

(aus gedrucktem Text in aufklappbarer Rose:) Ich liebe Vergissmeinnicht (der Satz gebildet:) Lieber Ludwig lieber Ich liebe Euch Vergisst mein nicht im (ein Stern über drei Herzen) Verein.[366] 
Ihr beiden entzückenden Brüder (ein Komet) Ich sitz so oft zwischen Euch am Tisch und wer eigentlich bei Euch ist, das wisst Ihr gar nicht. Ein (ein fliegender Vogel) von einer Küste - immer unterwegs, wie oft gestorben und einsam wieder aufgewacht. Und dann kann ich manchmal nicht sofort mich mit Euch niedersetzen, ich find meine Füße und Hände nicht und nicht den Mut. Vielleicht wie ganz müde Menschen, die dann Angst haben, sie stehen niemehr auf. Auch habe ich immer das Gefühl, ich müsse alles umwerfen und dann wäret Ihr beide mir böse. Ich kann nun nicht mehr schreiben nur Euch noch zum Abschied etwas schenken, daß ich mir von dem ersten Jahr der Schule aufgehoben, (drei Sterne als Klammer) ich bin verliebt gerade des Bildchen (drei Sterne als Klammer) denn wir drei müssen immer ganz klein sein. 
Bedenkt das ist mein ernstester Brief fast. 
Euer Jussuf 
(es folgen acht aufgeklebte, von Pfefferkuchen abgelöste Rotkäppchen-Bilder) (am oberen Rand des zweiten Briefbogens:) er erste Bogen war noch fein 
in den zweiten biß ein Dachs hinein

LUDWIG BERGER

Lieber Signore 
Bitte helfen Sie H. A. v. M.[367] Dramaturg werden an Ihrem Theater; einer mehr oder weniger was macht es? - Selbst Vogt betonte er sei sehr tüchtig und verstände was - ubd fleißig (Manschette mit Hand, erhobener Zeiger mit rotem Fingernagel und goldenem Ring mit ein Stein, daneben:) eid! 
So ein armer Junge, heute zum ersten Mal erzählte er mir alles - bedenken Sie, geliebter Signore, ein Kind mit einer Stein harten Mutter dann seit Student immer in Armut. Das wußte ich ja. Die Eltern geben nichts. Sie dürfen nichts pumpen aber helfen Sie ihm als Dramaturg. Er hat Respekt von Ihnen, liebt Sie, verehrt Sie den ersten Regisseur 
Prinz Jussuf 
Für Koch entre nous war ich mit Erfolg beim Grätzinapfel Kommerzienrat (Grätz) seinem Schwager. 
(eine Maske im halbierten Apfel, neben der Maske drei Kreuze, am unteren Rand des halben Apfels Fransen)

LUDWIG BERGER

Lieber, (ein Stern) Ludwig Berger, [368] 
aufbrausender Goldflamingo, 
Ich käm so gern nachmittags, da ich so ermattet bin, die Brutalität der Luft fürchte, nachdem man sich in Ihren Zimmern gewärmt hat. Ich bin ein sehr müder Indianer. Ihr und Bruder, (/) »tröstender Hermelin« (/) immerzu blauer Jaguar Hôtel Koschel Motzstr 78 Berlin W. 17, 09 Lützow 
(am Rand:) Mittwoch unmöglich. Portier muß genau aufschreiben, falls ich nicht da.

LUDWIG UND RUDOLF BERGER

Liebe zwei Brüder[369] 
Jussuf liest 6. Februar Matine Kammerspiele: Den Wunderrabbiner (im W ein Stern) von Barcelona. Damit Ihr zeitig aufsteht am Sonntag. In Wien und Prag las ich ihn und denket ich war in der (ein Davidstern, mit Tinte gezeichnetes, mit Buntstift gefärbtes Gebäude, von Bäumen umrahmt, auf dem Dach die Zahl 1000) jährigen (ein Davidstern) Synagoge in Prag So sieht sie aus aber rissig. oben unterm Dach liegt der Golem versteckt. 
Euer (Kopf im Profil mit Rose auf der Wange, gelb gefärbt) 
Jussuf (Tisch mit Saftkaraffe, Aufschrift:) Himbeer (Löffel, gefüllter Teller, daneben:) Reis (alles farbig) 
Liebe Brüder! (als Punkt des Ausrufezeichens ein Stern)

ADRESSAT UNBEKANNT

Sehr geehrter Herr.[370] 
Ich habe schon ähn. erste Angebote bekommen. In der Tribüne mich zu filmen, wäre mir recht. Der Mit und Nachwelt gedenke ich weniger zu geben wie mir und da müssen Sie mich schon bis 11 Uhr morgen Mittwoch vormittag benachrichtigen über Näheres. 1709 Lützow: Hôtel Koschel wie Sie Sich das denken, mein Herr? Ich reise nämlich abends (/) 14 Tage (/) nach München (morgen) zum Vortrag und zur Ausstellung meiner Bilder im Salon Tannenbg. Ich erwarte also Ihren Anruf bis 11 Uhr morgen Mittwoch; sonst Näheres (/) Frau Else Lasker-Schüler (/) Postamt 50 postlagernd Berlin W ich bekomme von dort alles nachgesandt. - Ich habe mit Herrn Oberregisseur Berger gestern gesprochen über etw. Film, der für die Gesellschaft und für mich von Nuzen wäre. 
Mit großer Hochachtung - Else Lasker-Schüler

CARL SEELIG

Hôtel Leinfelder Lenbachplatz, Else Lasker-Schüler
Lieber Carl Seelig[371] 
Ich bin in Konstanz Frau Dr. Caro nach München holen. Ich habe eine so große Bitte an Sie. lnl. Pfänder sind mir immer, da Andenken teuer gewesen, aber ich mußte alles versetzen damals. Einlösen unmöglich bei der Valuta. Und da Dinge doch eigentlich nur äußerlich sind, bitte ich Sie, - ich möchte auch noch manches liebes hier tun, - zu sehen, ob die Sachen sclion verkauft sind? Die Pfandleihe: Beatenstr 6 versprach Sept. 2o noch die Dinge zu halten, vielleicht ist alles noch da? Die Dame, der man die Sachen überreicht zur Prüfung, hatte mich, glaube ich, sehr gern - Sie war immer lieb zu mir. Nun ist es sehr unverschämt von mir? wenn ich Sie bitte, Sich die Dinge zeigen zu lassen. Wenn Sie glauben, daß man die teurer verkauft wie zu bezahlen ist und Einlösung dann bitte ich Sie, Carl Seelig, schon der vielen Freunde (meist Kinder von Freunden, denen es fehlt, für mich die Sache zu übernehmen. Ein herrlicher Brillantring (großer Stein) dann herrliche goldene Uhr 2 Deckel, goldener Ring Opal Diamanten und kleine Uhrkette gold. Der Ring kostete mal 3 000 Mk. Sind Sie mir böse? Ich fragte Paul Cassirer wegen Gedichtbuch für Sie, keine Antwort noch. Ich weiß aber, er ist sehr sehr betrübt (/) wenn nicht alles bei ihm ist. (/) (nicht geschäftlich er ist sehr lieb u. fein zu mir; auch der Bilder nimmt er sich grandios an! 84. hat Nationalgalerie nach der Ausstellung bei Cassirer gekauft. Aber ich werde sehn. Ein sehr gutes Gedicht machte ich kürzlich. Ich grüße Sie herzlich auch Frau Dr. Caro die unerhört entzückt von Ihnen ist. Sie liegt augenblicklich zu Bett da sie sich mit einer Nähnadel 1 000 00000 Milligramm geritzt hat, vielleicht ja nur den Handschuh. Ich grüße auch meinen lieben Max Picard den unendlich lieben und seiner lieben schönen guten Frau 
Ihr Prinz von Theben 
Jussuf 
Ich muß nach Holland, Spanien, aber ich reise auch zu Dr. Picards nach Rom: vielleicht können Sie auch mit hin, ja? wenn sie dort sind

CARL SEELIG

(26. 10. 1920)[372]
Lieber Carl Seelig. 
Ich kann und mag nicht hinter dem Rücken von Paul Cassirer handeln, das wäre direkt unnoble von mir, zumal Paul Cassirer ebenso gut wie noble zu mir ist. Auch giebt es keinen Cassenschrank zwischen uns und ich gebrauche viel. Nun gab ich Paul Cassirer die Manuscripte und Ihre Adresse, er wird für mich an Sie schreiben etc. denn ich möchte auch nicht das geringste hinterrücks unternehmen. Schreiben Sie ihm sofort wieder denn alles ist fertig und gut gelungen. Die 87 Mk 30 Pfg erhielt ich - gewiß Rest Pfänderverkauf. Danke Ihnen tausendmal für die Mühe. Auf baldiges Wiedersehn, Carl Seelig, schreiben Sie mir bald. 
Ihr Prinz von Theben 
(am Rand:) Elfriede Caro findet Sie reizend. Sie ist in München, kommt bald hierher.

CARL SEELIG

(28. 10. 1920)[373]
Lieber Carl Seelig. Alles längst fertig 5 Gedichte und erstklassige Erzählung 9 Schreibmaschinenseiten. Nun will Paul Cassirer selbst alles haben, aber er will mich ja auch nicht schädigen. Nun möchte er genau wissen, wie Sie mir dreitausend Ausgaben honorieren in Frank. 
Abs: Else Lasker-Schüler Prinz 
Berlin W 
Hôtel Koschel, Motzstr. 78 
Bitte schreiben Sie sofort mir und ihm.

HANS FEIST-WOLLHEIM

(31. 10. 1920)[374]
dottore lieber, 
mit ach und Krach Gedicht - kann nur schwer Feder halten, aber besser. Wir wollen nicht davon sprechen. Ich sitze viel im Café, dort sehr nett gehe aber früh zu Bett denn ich kann nicht lange auf sein, weil ich bin noch so klein. (drei Kreuze) Bitte kommen Sie nach Prag wenn ich dort bin, gewiß am 10. Nov. fahren dann Wien. Meine Wunderrabbiner Geschichte soll ich illustrieren, Cassirer erlaubt nicht Zürich. Bitte senden Sie mir Ihre Gedichte alle; ich geb sie selbst. So lieb waren Sie zu mir. Jussuf 
(Gekritzel: Blume?) 
Mein Compass und Ossman sitzen vor mir auf dem Tisch. Ossman trägt einen Stein vom blauen Reiter gegen den bösen Blick um den Hals.

HANS FEIST-WOLLHEIM

(29. 11. 1920)[375]
Dottore lieber 
Ich habe schon alle Dinge für Ostreichslovakische Reise von Camill Hoffmann: Karte vom Consul östreichische Gesandtschaft Brief auch das Billet bis Wien das 6o Tage gültig ist. Nun im letzten Moment sagt mir hier deutsches Polizeipräsidium Beamter, ich kann nur von Bayern aus (/) deutschen (/) Pass erlangen, da ich (/) die letzten (/) drei Monate in München war. Ich könnte also schon Sonntag 5 Dezember sprechen oder 8 Tage später reise dann von dort Wien - dann Prag, die doch meinen Vortrag nicht aufgeben möchten - die Unruhen werden dann vorbei sein, meint die Concertdirektion. Ich käme sehr gern nach München 8--14 Tage, telegraphierte schon Hbtel Marienbad. Wollen Sie sofort Bescheid sagen, reise dann sonst vielleicht Düsseldorf, verlege Düsseldorf vor Wien etc. Aber ich käme gern nach München. Ihr rosa Buch wird bewundert es ist sanft und warm und ich trage es unter den Stoppeln meines rauhen Mantels um den Hals. Nun sitze ich in einer Conditorei am Lützowplatz warte auf den Galiläer (über dem a ein Stern) Jussuf Abbo, wir wollen zu einer Familie gehen, für eine andere Familie bitten, denn viel Armut ist hier und wir beabsichtigen einen großen Ball zu geben: In Vampur mit dem Stichwort - Literatur verboten. Alles für unsere lieben Spielgefährten, denen es schlecht geht. Abbo ist schwarz und temperamentvoll und trägt ein weißes (ein Herz) in der Brust und blieb unverclorben in diesem Lande in dieser Stadt der Hast und Zertretens. In Fetzen erreicht man Hof und Gut jeden Tag einige Male, Menschenmassen rennen, fahren stoßen und treten sich über und unter der Erde. Gestern Abend war ich eingeladen vom Direktor und Dr. Berger (sehr lieb) im Staatstheater Richard III. sollte gespielt werden, Kortner erkrankte und Natan wurde gegeben sehr altmodisch, aber von den Ältesten doch nicht 1000jährigen. Was dichten Sie? Sie müssen mir vorlesen. Auch Gottfried Benn und ich trafen uns gestern im Café Nürnberg und hinzu kamen Dr. Faitelowiez und Naumburg ein Dichter im Jargon. Café d. Westens ist sehr interessant, aber ich komme höchstens mal eine Stunde am Tag hin, da ich sehr viel zu tun. 
Immer Ihr lieber Spielgefährte und wilder Jude Prinz 
Jussuf 
lieber pinguinischer Herzog 
(ein Komet)

REINHOLD VON WALTER

Zar, [376] 
was ist passiert? Ich reise sehr bald: Holland vorher Rhein. Bitte volle Wahrheit, da ungeduldvoll wie ein Lamm (schwarzes) Was habe ich Sigismund getan? 
Prinz

JOHN SCHIKOWSKY

1. Dez. 20[377]Vom 7. Dz. an wieder in Berlin
Hochzuverehrender Herr Doktor. 
Ich komm weit her - zuerst war ich in Holland dann in Belgien dann in Frankreich nun in Deutschland wieder, in Köln, Düsseldorf Elberfeld nun in Thrier, in Frankfurt wo ich, so gebildet es klingen mag, im Goethemuseum meine Dichtungen sprach. Nun noch Darmstadt, Ludwigshafen Wohl tut es mir die Frage des Uhus zu beantworten, ich hab so gern Vögel, ich hab ganz ernst geantwortet. So nett sich mal aussprechen zu dürfen, zumal mich nie ein Mensch fragt. Eine gute Idee von Ihnen den Uhu zu beeinflussen. (Dr. Michels/Voss) kennt den Inkas gut, er war auch am Lago zur Zeit. Ich grüße Sie hochachtend, dankbar für Correktur. Ich bin am 7. Dez. wieder in Berlin: wie immer: Sachsenhof. Motzstr. 78 Berlin W 
Meine Grüße an Frau Vicki Baum, an Herren Doktoren Monti-Jacobs Dr. Michels aus meiner Heimat. 
(zwei Köpfe im Profil, daneben:) 
Prinz Jussuf mit seinem Somali Ossman.

HANS FEIST-WOLLHEIM

(14. 12. 1920)[378]
Dottore sehr guter. Ich glaube Direktor F. muß selbst jetzt anbieten. Weihnachten schon vorher bin ich in München; über Nacht ist Jussuf da. Erzählen kann ich Ihnen 14 Tage - totgehetzt, unglaubliche Raserei, Auto sprengt Auto - Häuser verdrängen Häuser Menschen: Maschinen. Und manchmal erwach ich. Müde bin ich. Sie sind furchtbar lieb. 
Jussuf 
(Palast mit Stern)

HANS FEIST-WOLLHEIM

(16. 12. 1920)[379]
Gelber Pinguin sehrlieber 
ich komme sehr bald denn hier soll ich erst 6 Februar Kammerspiele sprechen, eben fest zugesa-t. War krank wieder gesund, gebrannte Mandeln gehabt; trug immer Ihr Tuch noch heut - wie schön warm und zart die Seidenraupe, die ihr Leben dafür gab. Ich komme und wir machen wieder Spag; gehen auch mal Ball - entre nous ich nehme schwarzen Anzug mit. Habe herrliche Sachen. Ich sitz schon in der Bahn, ich hab einen goldenen Zahn, in die Weser fließt die Lahn so fett wie Lebertran. 
Ich komme bald - hier unerhörte Kälte mit Glatteis; ich schliddere immerzu und friere an den Händen und (zwei Ohren mit Ohrringen). 
Jussuf 
Grüße an Alle!

REINHOLD VON WALTER

(25. 8. 1921)[380]
Lieber Zar. Herrlich Meer (fliegender Vogel) berauschend. Bade herrlich Freibad in der Maikühle, Sonne herrlich Wie Borneo (...) und Java. Jussuf Kommen! Kommen! Mit Sigismund von Radecki kommen! Kommen! herrlich! Warm! Billig prachtvoll. 
Kolberg, Ostsee Hauptpostlagernd 
Kommen mit Sigismund!

ALFRED KERR

10. III. 22[381]
Hochzuverehrender Herr Doktor Kerr. 
Vielleicht tue ich etwas unglaublich Taktloses, da ich Ihnen aus meinem plötzlichen Impuls diesen Brief schreibe. Wenn es denn so ist, so trifft mich allein die Schuld denn kein Mensch weiß davon; namentlich Karl Hannemann darf nie von dem Brief erfahren. Ich bin seit halben Leben gewöhnt, immer alles ohne Beratung mit dem zweiten zu tun; hätte mich manchmal gern beraten denn ich bin wie Wasser. Nun sind wir uns ja eigentlich böse, ich hab Ihnen sofort die Zunge herausgestreckt. Nach dem Leben wo auf einem abstrakten Gefielde hätten wir uns sicherlich doch die Hand gegeben, da wir Dichter sind. Einmal passierte mich Ihre nette kleine Frau, sie pfiff wie ich das so oft zu tun pflege. Ich fragte im Theater meine Begleiterin, »wer ist das«? Meine gehorsamsten Grüße (eine Blume) 
Herr Dr. Kerr, morgen Sonnabend spielen meine entzückenden Freunde: Karl Hannemann und (ich glaube) auch Aribert Wäscher. Ich liebe direkt beide; sie sind unerhört gut zu mir, da ich immer so traurig bin, ich muß immer bei ihnen sein, mit ihnen essen und ich kann gar nichts sagen mehr. 
Karl Hannemanns Vater war Theaterdirektor seine Mutter: Sängerin. Er spielte II. Besetzung: Den der die Maulschellen kriegt, so herrlich, so ruhig und fürstlich, daß Frau Andrejew ihm einen außergewöhnlichen Brief schrieb von selbst. Den St. Petrus von Aribert Wäscher haben Sie gewiß auch nicht gesehn. Nun ist Viertel Regisseur, der lobt beide sehr und Karl Hannemann spielt morgen in der Judith den Stummen. Wie er heißt, weiß ich nicht. Es fällt auf wenn ich so viel frage. Nun hab ich selbst mal ein Gedicht machen müssen auf jemand, die ich direkt hasse, aber ich habe wegen Paul nicht anders können, aber meine Schmach war furchtbar. Also ich weiß man darf nur so man kann nur so schreiben wie man empfindet, aber ich fürchte ja nur die beiden könnten übersehen werden. 
Mit der Wupper war es so; ich hoffte, da Sie mir so oft schön von ihr sprachen und ich in der Schweiz damals schwierige Dinge wir alle bestehen mußten etc. Aber man kann ja in der Aufführung ein anderes Bild bekommen. Ich klatschte am meisten. Der Brief bleibt doch unter uns? - 
Freundlichste Grüße und Pardon. 
Prinz Jussuf von Theben 
(Else Lasker-Schüler)

ERNST STERN

Hochverehrter Herr Stern.[382] 
Mein Junge Paul Lasker-Schüler möchte ich Ihnen so gern vorstellen, ob Sie ihn beschäftigen können in einem Ihrer Ateliers vom Theater? Er hat mit 15 Jahren schon bei Prof. Gröber Akt und in Zürich bei Reingold gezeichnet; Paul Cassirer sagt, er sei sehr geschickt. - Und, lieber, verehrter Herr Maler, ob Sie einen Cowboyanzug für diesen Abend Sylvesterball für meinen Paul hätten in der Theatergarderobe. Ihre Sie hochverehrende 
Else Lasker-Schüler

ERNST STERN

8. April 22.[383]
Hochzuverehrender lieber 
Herr Ernst Stern. 
Zuerst vielen vielen Dank für Ihre Fürsprache Ihnen und Rudolf Kurtz, der einst so eine einschlagende feine Dichtung über meine Wupper geschrieben hatte. Mein junge wird nun Montag anfangen im Atelier des Herrn Richter, der ungemein liebenswürdig war. Da nun das Leben bis ins finanzielle Marc gedrungen ist und mein Paul vom vierzehnten Jahr an studiert hat, Jahre bei Prof. Gröber Akte zeichnete, fleißig war, und dann in Zürich täglich arbeitete, auch sehr geschickt ist, bitte ich Sie meinen Jungen nicht unter 300 Mk. monatl. honorieren (um mich fein auszudrücken) zu lassen. Herr Direktor Kurtz, der Paul kennt und meine Strenge, will es unterschreiben. Ich meine gerade das wird meinen Jungen anspornen daß er mich dann fast ganz entlasten wird (für den täglichen Gebrauch) 
Ich grüße Sie viele Male, Herr Ernst Stern und bald erlaube ich mir in Ihr Atelier zu kommen. Ich bin seit vorgestern Ehrenmitglied (einstimmig gewählt) in Düsseldorf inter. Ausstellung. Ich möchte Sie könnten mir in einigen Dingen raten. 
Ihr Prinz von Theben (Stern in einer Mondsichel) 
Else Lasker-Schüler

HUGO BERGMANN

(3. 7. 1922 (?)[384]
Lieber Hugo Bergmann bald bin ich wieder in Prag vortragen, in Brünn, in Karlsbad. Ja wie ist (ein Stern) Jerusalem!? Soll ich denn nicht mal kommen. Alle übersetzen von mir und senden nach dem Dollarlande und Hebräerstaat, nehmen ein, ich hab nichts davon. Wohin soll ich in Jerusalem Gedichte oder arabische Judengeschichten senden, welche Zeitung bezahlt? Wo ist unser lieber Chamisso Pinsky und Beate? 
Viele viele viele viele viele viele viele liebe Grüße von 
Jussuf. Soll ich in Jerusalem sprechen? 
Else Lasker-Schüler 
(eine Blume) Viele liebe Grüße Ihnen und Athena Frau Else Lasker-Schüler 
Berlin W, Postamt 50 
postlagernd

LOUIS ASHER

22. Juni 23[385]
verry cold here am 
Kolberg Wende (ein Kreis) des Eisbären 
in Pommern. Hauptpostlagernd
Hochverehrter dear Mr. Asher. 
I send jour children (über dem c ein Heiligenschein) the photographie from my boy Paul. He is exakt so like the picture. He is beautiful - is not so? All three Edda, Erika and Paul three beautys. Martha (ein Stern) little soll stellen (/) (put) (/) my Paul auf her (ein Tisch) Have jou got the picture from my Paul painted the little Martha? Have jou got? Will jou answer me: Kolberg in Pommern Hauptpostlagernd I am eingeladen there: Ostsee. (ein fliegender Vogel) Are jou in Kalifornien? Ich I have a new verry large Luxusbook painted and poems 10 pictures 10 poems. Please say a bookhandlung, shall bestellen a book, verry verry beautiful a Schmuck. jou must look it. The english man Mr. Vogt take a book with himself to London he is the man here for the greatest journal in London. Jou must look it, Mr. Asher. Mr. Albert Professor Einstein had telled me verry interessant America, he likes my Paul verry much. thing house 5 Minutes from me. Please please Mr. Asher come here with the children some weeks. I think often verry often to jour little Alice my Lieblingsnichte she was and to my sister Martha. Allways jour 
Else Lasker-Schüler 
(am Rand:) My new book: Theben: Querschnitt=Verlag. 
in Frankfurt/Main Schillerstr. 75

ROBERT BINSWANGER

(26. 7. 1923)[386]
(Sandburg mit Stern, daneben:) Meeresgrüße Lieber Robert Binswanger. 
Als Ihr Spielgefährte und Streichverbündeter erinnere ich Sie bei den schlimmen Zeiten an eine Schuld, die Sie sicher vergaßen. Sie hatten einmal kein Geld bei sich, ich lieh Ihnen 100 Frank. Natürlich würde ich Sie nie erinnern, aber heute - Wollen Sie sie mir eingeschrieben senden Kolberg in Pommern Hauptpostlagernd Wann geben Sie es wieder? Ich hoffe sofort ja? 
Else Lasker-Schüler

ADOLF LOOS

(29. 10. 1923)[387]
Lieber verehrter Adolf Loos. 
Mein Päulchen schreibt begeistert. Ich danke ihnen, daß Sie ihm einen Freund vorgestellt haben. Was Frau Dr. Schwarzwald tut für ihn, kann ich, will ich nie vergessen. Viele Tanzgrüße an Ihre liebe Frau, Ihr Jussuf von Theben lieber guter Adolf Loos (ein Komet) 
Else Lasker-Schüler Hôtel Koschel Motzstr. 78 
Berlin W 
(aufgeklebter Briefmarkenrand mit Zeichnung: ein Schiff, mit Buntstift koloriert, daneben:) Liebe Grüße von der Spree Prinz Jussuf von Theben.

LOUIS ASHER

28. Dez. 23. Berlin W Postamt 50. postlagernd Berlin W
Dearest and verehrter Mr. Asher dear husband from Golden Alice.[388] (darüber ein Stern) Zuerst - send soon a photograph me or Edda and Erika Lindner from jou and the dear children little. So often we think and speak from jou and the children. Dear Mr. Asher, I was in Böhmen and I have spoken in Prag, Teplitz and Karlsbad, (where the People drink (ein Henkelglas mit Strohhalm) for their bigg Leiber: Brunnen) my poems and arabi Judengeschichten and I have spoken in societé Zion-Logen. I would like to speak in America: New-Jork, Chicago, etc etc. in Zionlogen, da ich verdienen kann and verdienen will. All things enorm teuer and all the neight I eat yesterday a pound Zucker, which I bekam present Weihnachten. I send Edda Lindner my manager for the voyage, we both are going to love will come to America. The Bilets we became from direktore from Hamburg-America Linie. Can I in Chicago vortragen Zionlogen? Do jou know Vereine or Logen, Mr. Asher? Was raten Sie mir, da ich great Vertrauen have to jou. In Böhmen great Erfolg. I am eingeladen again to Prag, Januar. In NewJork übernimmt meine Vorträge vielleicht a paper, which has written a friend here a paper from Juden. Direktore Reinhardt he would take me with himself to America. He lobt me allways verry much; he has aufgeführt my Wupper a Theaterstück im Deutschen Theater hier. Dear Mr. Asher please do write me direktly please and write Lindners too. My Paul is a beauty, like Martha my sister als sie was a girl. All little girls love my boy and we, my son and I, we are best friends - we are both two boys in this dificult world. 
(an den Rändern:) jour Else Lasker-Schüler Marthas sister, dear Mr. Asher. My son is painter (Zeichner) he would love to be two jears in America to pain for papers but later. (ein Komet)

HUGO BERGMANN

11. Jan. 24[389]
Lieber verehrter Sitti. Wie (im W ein Stern) gern würde ich dem gelobten Stern folgen. Ich glaube Mr. Israel Zangwill, der meine Bücher liebet, kann es machen, daß ich eingeladen werde von englischer Seite. Vielleicht könnte ich mit einigen Vorträgen Unterhalt erwerben. Cimo würde mir auch hier event. Schiffsfahrt besorgen. Und grüßen Sie ja Kurt Blumenfeld, ich suchte ihn in der Welt. Cassirer kam, bitte sagen Sie ihm nach 3 Tagen Amerika heim. Kurt Blumenfeld soll mir doch sofort schreiben: seine Adresse. und die in Holland, die ich verlor sofort. 
Ihr Prinz Jussuf 
Hôtel Koschel, Motzstr. 78 Berlin W Else Lasker-Schüler 
Liebe Grüße (ein Schiff)

ADRESSAT UNBEKANNT

2. XII 24 Motzstr. 78 Hotel Koschel Berlin W
Sehr verehrter lieber Herr Doktor.[390] 
Ich habe meinem Paul geschrieben, daß er Ihnen Zeichnungen sendet. Wie unendlich hätte es mich gefreut, wenn mein Junge (wenn er auch nur das geringste vorerst zu tun gehabt hätte,) in Ihrer Redaktion angestellt worden wäre. Ich hätte meine Sorge verloren, die mich Tag und Nacht in Anspruch nimmt. Natürlich wenn es nicht geht, wie mir meine beste Freundin die Kete Otto die Frau Prof. Otto schreibt, so bin ich glücklich wenn Sie sich für seine Bilder interessieren, Herr Doktor. Immer Ihre Sie verehrende gutleidenmögende 
Else Lasker-Schüler

BENNO BURSTEIN

24. 1. 25[391]
monsieur. 
Ich bitte Sie, monsieur, um sofortige Einsendung von 1,50 eine Mark 50 Pfg im Interesse der Sache an meinem Selbstvertrieb (im Buch verzeichnet.) Die gesammelten Bücher 10 Bücher von mir geschrieben ebenfalls illustriert, Preis 100 Mk Die zwei danachfolgenden: Der Wunderrabbiner von Barcelona und die Briefe Peter Hilles an mich je 3 Mk. Preis. Das Luxusbuch Theben: 10 Bilder,: 10 handgeschriebene Gedichte sehr großes Buch herrlich: 40 Mk; colloriert 80 Mk. Ihre ergebene 
Else Lasker-Schüler

ALBERT EHRENSTEIN

(5. 2. 1925)[392]
Tubutsch 
Vielen Dank! (ein Schiff) 
vorgestrige Entgegnung Cassirers entsetzlichste Lüge. Ich habe schon Antwort gesandt Berliner Tageblatt und heute Abend nüchtern mein Anwalt. 
Viele viele Grüße! (ein Kopf) 
Prinz Jussuf

ERWIN LOEWENSON

7. VIII 25[393]
Lieber guter verehrter Erwin von Jaffa. Also wie weit sind Sie gekommen? Sollen wir doch mit dem Peer Gynt (ein Schiff) fahren denn eine Seereise wäre doch herrlich 3 Wochen. Und ich könnte sicher fertig bekommen, daß Sie auch sans moneten mitfahren. Das Aussteigen im Meer ist sicher übertrieben und die Reisenden des Peer Gynt liegen sich keine Katastrophen gefallen, Erwin, das wäre bald herum in Berlin. Bitte überlegen Sie, bitte gehen Sie nochmal zu Herrn Kraft, dessen Mutter ich auch kennen lernte: Er wohnt: Bleibtreustr. oder Leibnizstr. oder Schlüterstr. Sehen Sie nach. Oder fragen Sie bitte sofort: Reederei Schuppe, der nette Herr weiß seine Adresse. Herr Kraft sagt vollständig die Wahrheit, giebt Ihnen auch Rat wie Sie es machen. Er ist doch selbst Zionist. Bitte tuen Sie es sofort sonst ist alles wieder verspätet. Bitte Erwin, machen Sie sich auf!!!! 
Antwort! Von Wassermann bekomme ich sofort nach seiner Ankunft, Brief. Er wird sicher für mich in Jerusalem (darüber ein Davidstern) sorgen lassen. - Antwort genau. Bitte folgen Sie mir mit den Plärien. Oder wir reisen in 3 Tagen. Die Fahrt durch die Wüste soll so schrecklich langweilig sein in der Bahn sitzend - Antwort! 
NO 2. Eine zweite Angelegenheit, die Herr Adalbert von Maltzahn betrifft. Er handelt täglich, stündlich enorm für Juden, auch schriftlich. Am 13. VIII geht sein Schiff nach Buenos - von Genua aus. Also bis 15. VIII 
(/) August (/) ist er noch hier in Locarno (/) (Südschweiz) (/) Hauptpostlagernd Er besitzt gerade noch für die Hinfahrt. Die Eltern geben ihm 1000 Mk - er wäre nach Plön zu Ihnen so lange gereist, aber rein aus Freundschaft, da ich ja total kaput war, begleitete er mich erst nach Zürich zu Paul dann nach hier wo sich mein Arm erholt in der staublosesten filtriertesten Sonne. Ich muß ja selbst immer jeden Pfennig rauben oder verdienen, ich würde sonst alles ersetzen. Wirklich, H. A. v. M. benimmt sich großartig, hat mir die Eisenbahn bezahlt (Revanche) nach Zürich. Konnte nicht ein reicher Zionist oder durch Dr. Turnowsky: Kereri (darüber ein Davidstern) Hajessod ihm ein Ehrengeschenk gesandt werden 200-300 Mk. Er hat nicht einen Pfennig auf dem Schiff. Schrecklich nicht? Ich hab ihn nun doch kennen gelernt als enormen Freund. Liebster Erwin, sehen Sie sofort mit Keren zu sprechen, sonst reist er ohne Pfennig Ehrenwort. Und Sie glauben nicht wie man seine Richtung in Berliner Sozialwissenschaftlichen Verein ehrt. Haben Sie gelesen in den Abwehrblättern: der Verein zur Abwehr des Antisemitismus den Aufsatz von H. A. v. M. in der Julinummer. Lesen Sie. Vielleicht kennen Sie Organisationen oder einige Leute die Interesse hätten und je 50 Mk geben? Er würde doch einmal auch ein Engegenkommen von Juden sehen. Später großartig ist er für Jerusalem (wie wir sprechen.) Liebster Erwin, natürlich ich nehme natürlich Eid bei Jerusalem, keinen Pfennig davon. Ich habe geraubt Moneten (?) 
Bitte viele Grüße an Ihre Alice (eine Blume) 
Wir sitzen hier und unsere Körper und Seelen sieden im Bergkessel. 
Immer Ihr Prinz 
Locarno. (Südschweiz) Hauptpostlagernd

ELVIRA BACHRACH

(13. 9. 1925)[394]Hospiz 
Sonntag Glockenhof Zürich
Liebe gute verehrte Elvira Bacherach 
Vielen lieben Dank Ihnen und Ihrem prachtvollen Gemahl für alles Liebe und Gute im Haus und Garten, für das warme Tuch und die Leckerei; die mir die Nacht zaubert zur besseren Hälfte des Tages. (Ähnlich in Herrmann und Dorothea.) stehts. Ich bin in Zürich und muß wieder denken und sinnen. An Tänzerin Lotte meinen lieben Gruß. Ich traf einen Salzburger von Reinhardt, der mir zu meiner großen Freude sagte, Lotte Bara habe sehr gefallen, aber es hätte sich zur Zeit in der Pantomime nicht um gothische Tänze aber um andere? gehandelt. Es sei schrecklich gewesen die ganze Aufführung eine Blamage! Entre nous (aus Gründen.) Sehen Sie den Major Hans Adalbert oft? Ich bin einsam im Glockenhof und schreibe oben in meinem netten Zimmer Essays aus Spagettis. 
Ihre Else Lasker-Schüler 
Da mein Paul hier durchaus nicht arbeiten darf, will er nach München. Ich werde das den Herren sagen (resp. den Leitern) der Briefe, die Herr Bacherach in aller Liebenswürdigkeit für mich schrieb. Vielleicht wissen die noch Münchner Firmen? Paul soll dort noch andere Dinge lernen. Es wäre herrlich wenn mein Kind endlich beschäftigt würde. Von der Nichtmethode ist er dünn und müde. Herrliche Bilder gezeichnet!! 
(am Rand:) Er soll später Lotte zeichnen. (Direkt - unerhörte Köpfe.) (/) 
Grüße an Frau Meyer an die Bulgarin an Ehrhard und Ihrem Fräulein bitte, liebes Schulmädchen Elvira.

MAX RYCHNER

(22. 9.1925)[395]
Lieber verehrter Herr Doktor. Ich gebe am 28. Sept: Montag abend 8 Uhr einen Abend im Schwurgerichts-Saal und lese nur meine Gedichte, auch die aus Wissen und Leben. Wenn ich sie aus dem Wissen und Leben lesen soll mit hocherhobenen Händen, Journal in der Hand, gern! Wollen Sie es allen sagen, die Ihnen begegnen? Wollen Sie Zeitungen sagen sollen Abend anzeigen. Dank! Ist mir gelungen wenn auch schmerzlich. 
Else Lasker-Schüler Augustinerhof Peterstr.

ELVIRA BACHRACH

25. Okt. 25[396]Zürich Hauptpostlagernd
 
Meine liebe verehrte Donna Elvira von Ponte Maggia
Sie vergaßen mir Ihre genaue, überhaupt Ihre Adresse in Neuen-Ahr zu schreiben; lasse nun den Brief über Ascona gehen zu Ihnen. Ich habe Ihre liebe gute Lotte gebeten. Ich möchte wissen wann Sie in Zürich sind. Hier im Augustinerhospiz: (/) hof (/) Peter Str. 10. können Sie nett, zwischen reinlichen vier Wänden wohnen. Morgens nur Frühstück - essen Vegetarisches Speisehaus 5 Min von hier am Syhl. Liebe Elvira, ich schreibe Ihnen jetzt etwas, nur Ihnen, Sie sind vor allen Dingen ein internationaler Mensch der das verstehen wird. Es ist nämlich für Baron Maltzahn seit Wochen ein Jammer so zu leben. Sie haben das sicher gemerkt. Die Eltern (Vater General gewesen - Commandeur) beide: Mutter und Vater mit Offizierprinzipien. Ich weiß wie unendlich schwer es B. v. M. gewesen wäre, wieder Europa zu verlassen und ich als - Freundin riet nicht ab und zu. Täglich glaubte er von Freunden, denen er so oft in Berlin, Leipzig geholfen, verholfen zu Ämtern hatte, Geld zu empfangen. Sein Entzücken wäre ja gewesen, eine Zeitung in Lugano zu gründen, aber ich bin es, die an den Geber einer größeren Summe nicht glaubt. Ich bin ja nicht fähig, zumal ich ja nicht einmal nur für mich allein mein Geld verdienen brauch, V. M. zu helfen. Er ist in schrecklicher Schwierigkeit, er ist ein Kind in Dingen, die man täglich erledigen sollte namentlich bei kleinen Leuten. Elvira, ist es nicht Möglich, da v. M. wirklich ein kluger anständig gesinnter Mensch ist, jemand zu finden, der ihm mal 2000 Mk giebt auf paar Jahre? Da ist doch Herr Katz, der so viel Geld haben soll. Die Geschichte mit Bernard Mayer möchte ich Ihnen erzählen. Ich mußte 300 Mk haben nicht für mich - Prof. Steinthal hatte 3 Bücher Theben bestellt, die hat mir Bern. Mayer geliehen. Ich habe von dem Geld keineswegs für mich (auf Ehrenwort) noch für meinen Sohn gebraucht, (/) auch v. M. nicht. (/) trotzdem gerügt wurde, daß ELSch. die erste Dichterin der Jetztzeit Pardon der Unbescheidenheit für das Geld? nach Locarno reist zur Conferenz, wohin mich in Wirklichkeit die Zeitung in Berlin, sandte. Bitte, liebe Elvira, nichts davon verlauten lassen, bis wir darüber gesprochen haben. Ich warte auf Sie. Ich bitte Sie herzlich wegen v. M. mit Herrn Katz, der momentan in Köln weilt, zu sprechen oder zu correspondieren, falls er sich nicht bereit erklärt, die Zeitschrift zu finanzieren, V. M. 2000 Mk zu leihen! Wir müssen doch denken, daß v. M. unerhört Freund der Juden ist, sich von Knabe an direkt geprügelt hat täglich mit den Abschaum für uns. Und er der herrlich beste Offizier war im Krieg - keiner seiner Schwadron gefallen ist. Sein Bursche hat zu ihm vor mir gesagt; »Herr Leutnant, ich heirate nicht, wenn ich Ihnen später dienen kann.«
Elvira, er schwärmt für Sie, Sie wären die charmanteste Frau und klügste, die er kennt, ich bitte Sie, sehen Sie Katz zu bestimmen. Soll collllossssalll reich sein. Mein Arm noch sehr krank. Kann nicht mehr. Immer Ihre Sieliebende Else Lasker-Schüler -
Hauptpostlagernd mir bitte schreiben.
Ich gebe v. M. Brief an Lotte mit.
Er weiß den Inhalt nicht.

MAX RYCHNER

13 1 26 (eine Blume) Für Ihre Frau
Sie lieber verehrter Herr Doktor.[397]Tatsächlich Ihr Brief ist ein warmer Brief eines Freundes, der Sie mir sind und ich und meine Stadt Theben erwiedern ihre groge Indianerfreundschaft! Doktor Walther Maier liebt Sie auch so sehr; Sie müßten ihn sprechen hören. Lieber Doktor Rychner, bitte lassen Sie einmal (durch eine Karte genügt) Frau Lavater Urenkelin von Lavater in die Redaktion kommen. Berta Lavater: Zürich 20 Sihlfeld postlagernd. Sie ist direkt ebenso lieb wie interessant, war mir gute Kameradin in Zürich. Vielleicht kann sie mal etwas für Ihr Journal loswerden, da arm. 
Bald mehr!! 
Innige liebe verehrende Grüge 
Ihr Jussuf von Theben 
Else Lasker-Schüler Berlin W. Hôtel Koschel Motzstr. 78

ERWIN LOEWENSON

12.II 26.[398]
Lieber lieber verehrter Sabathey vielen vielen vielen vielen Dank: für die herrlichen Jerusalemperlen und für die lieben Wünsche (im W ein Stern) von Ihnen und Alice der ich diese Rose sende. (eine Rose) Seid Ihr gute Kinder. Wir gehen selbstredend zunächst zu zweit ich sagte im lähmenden Blumenduft des Zimmers nur so, (et lief meck van die Schnauze so -) hebr. übersetzt - nach Jerusalem. Schiff schon gesattelt. Viele viele viele liebe liebe liebe Grüße Ihr Prinz Jussuf

MAX RYCHNER

5. III 26 München Elisenstr. 5. (stilisierte Blume) Hotel/Pension: Feldhütter
Lieber guter verehrter Herr Doktor.[399] 
Mein Paulchen hier schon 4 Wochen an der Lunge krank im Krankenhaus. Mein Schmerz übergroß. Das können Sie sicher und Dr. Walter Maier nachfühlen. Ich bitte Sie mir einen großen Gefallen zu tun. ja? Vorher Ihre liebe verehrte Frau Gemahlin zu grüßen, die ich nur im Wirrwarr auf der Straße nach einem Vortrag kennen lernte in aller Unruhe. (eine Rose) In der Plattenstr. soll ein Dr. med. Schmidt wohnen, der enorme Methode (Ölpinselung) gegen Lungenl<rankheiten gefunden haben soll. Ich weiß 2 Leute in Berlin von dritter Person her, die tatsächlich ganz gesund geworden sind.? Herr Doktor, wenn Sie Dr. Schmidt mal anrufen würden, Sich erkundigen, ob er Tuberkulose heilt beginnende. (Auf der Röntgenplatte günstigeren Befund wie man fürchtete) kleines Loch und mehrere Fleckenheerde nur. Also Anfänge.) Nun leuchtet mir ja ein, die ich enorm von Dr. Lehmann Dr. Lasker lernte, (zumal sich Öl bewegt, also von der Rachenhöhle sich weiter begiebt,) solche Ölcur Großes erreichen könnte. Wenn ich (durchgestrichen, darunter:) (Pardon) (/) Es muß einem ja klar werden, daß der Kehlkopf sich errötet, ja wund wird von dem vielen Husten und die Lunge immer mehr erkrankt. Ich habe das Gefühl, der Dr. Schmidt ist ein genialer (/) künstlerischer (/) Arzt, die Idee großartig, er faßt die Krankheit an der Wurzel an. Wollen Sie ihm mein bescheidenste Ansicht über seine Methode sagen, dann wird er wohl verstehen, warum ich Sie bitte mit ihm zu sprechen. »Ob Lugano oder Davos günstiger ist? Gestern war Geheimr. Dr. Sauerbruch (/) (aus meiner Heimat) (/) bei Paul; er ist für Lugano: Heilstätten. Wir kämen ja über Zürich und ich würde Dr. Schmidt gerne consultieren. Ich kanne nicht mehr ordentlich schreiben. 
Ihr trauriger Prinz Jussuf

THEODOR DÄUBLER

12. III 26[400]
Else Lasker-Schüler München Hotel-Pension Feldhütter Elisenstr. 5
Lieber guter verehrter Mordeschei (ein Stern) Teodorio ist es wirklich wahr? Sie sind in Berlin? Antwort bitte! Mein Paul schwer krank im Krankenhaus hier. Liebe 
innige Grüße Ihr Prinz Jussuf

ELVIRA BACHRACH

22. Mai 26 Motzstr. 78 (eine Rose) Berlin W
Liebste verehrte Elvira.[401] 
Sie wissen gewiß schon, daß mein Paulchen in Agra (/) Sanatorium (/) bei Lugano wegen Lungenerkrankung ist? Liebste Elvira, ich komme sehr bald!! 2 1/2 Mon. lag mein Junge in München im Krankenhaus und dann brachte ihn sein Freund, der Arzt ist, nach Lugano Agra. Ich sollte nicht mit, aber ich komme bald!! Geliebte Elvira, ich bitte (ein Herz) Sie herzinnigst meinen Paul zu besuchen! Nie würde ich es Ihnen vergessen!! (als Punkte der Ausrufezeichen Sterne) Bitte zeigen Sie ihm die Karte, die noch mit dem Brief ankommt, sonst glaubt er, ich bin beunruhigt. Ich bin natürlich als seine Mutter, auch wenn er Halsweh hätte, beunruhigt. Nun liegt er noch fremd (28. April dort angekommen. Geliebte Elvira, bitte schreiben Sie mir unter Ehrenwort sein Befinden, seine Stimmung, viel darf er sicher nicht sprechen. Ich komme bald! Hier enormes zu erledigen! (/) Ich spreche jetzt in der Katholischen akad. Lesehalle aufgefordert (/) Bitte machen Sie ihm noch Tänzerin Lotte keine Angst!! (/) War für Lotte! Wie! (/) Die Doktoren sagen, er sei in einem Jahr bis iY2 Jahr hergestellt, wenn er sich geduldet in Vernunft. Bitte erzählen Sie und Lotte nur von gesundgesprochenen Fällen. Heut zu Tage werden alle gesund wenn bald erkannt und große Ruhe, Sorgfalt. Sie müssen mein Herz verstehen und Ihnen und Herrn Bachrach (von ihm wäre Paul entzückt, ich weiß es) auch von Ihnen Elvira und Lotte. Bitte, bitte schreiben Sie ihm Karte vorher: (/) da er so ein gentleman ist, wegen Rasieren. (/) Tänzerin Lotte Bara, später zeichnet er Lotte, da er es einzig versteht wie Glas zu zeichnen. Ich schreibe dazu, so wahr ich Prinz Jussuf bin. Ist Emmy da? Ihre Else Lasker-Schüler Bitte fragen Sie, liebste Elvira, ob er ißt und Milch, Sahne trinkt? Als ob es aus Ihnen kommt! Bitte bitte! Dank! Sind die Pfauen noch auf dem Baum? Nachricht nur für Sie und Lotte, bitte keinem sonst sagen.

FRANZ WERFEL

30. Mai 26 Motzstr. 78 (Sachsenhof) Berlin W 
Else Lasker Schüler (leider) (eine Blume)
Lieber Franz Werfel.[402] 
Waren Sie wieder in Berlin? Ich fasse Sie ja nicht! Denken Sie mein Paul in den Heilstätten (Südschweiz) Denken Sie der arme Junge lag 2 1/2 Monate im Krankenhaus: MüncHen. III. Classe mein Junge. Aber geliebt von jedem Arzt von jeder Schwester. Lungenabteilung. So ein Schmerz für mich. Geh. Sauerbruch und Dr. Epstein (gewaltiger, russischer Arzt) glauben er wird wieder gesund in ein bis zwei Jahren. Lieber Franz Werfel, ich bitte Sie mir mit den Verlags-Sachen zu helfen, da Sie Zsolnay kennen etc. Meine 12 Bücher den Rest haben mir unter Leitung von dem lieben Hugo Simon, geschenkt das heißt: überlassen. Unentgeltlich. Nun muß ich einmal klug sein, schon damit mein Päulchen immer eine Rente hat. - (Kann nur erzählen) Wollen Sie sofort mit Zsolnay verhandeln. Ich habe auch neues Manuscript. Dieses neue Manuscript hatte ich einmal hingesandt vor einem Jahr etwa. Wiederbekommen, da zwei Parteien - schrieben so. Das Manuscript schon verkauft sehr karg, und ich bekäme es auch wieder denn ich bin Privatbolschewist mit Truppen. Nun ist doch ein Kaufmann: Kaufmann: Sie müßten kaufmännisch mich loben, bin sehr fleißig und Bücher stehen im Curs und erste (drei Kreuze) Dichterin - weißen Kappes - schon weiße Haare etc. und vom »Grube fahren« da denken Sie: »halt das ist wieder Reclame«! Franz Werfel sofort Antwort! Sind Sie Paris? 
Zsolnay soll viel Geld haben!! Und ich fresse schon meine Fingerspitzen wie Spargelköpfe. Und nun enorm zu zahlen. Will mal sehen, ob Sie wirklich religiös sind. Nur an einem einzigen zeigt sich die Freundschaft. Denken Sie wie ich nach Rußland fuhr um den himinlischen (darüber ein Stern) Königsohn Senna Hoy um einen einzigen. Franz Werfel die Welt fällt wenn Sie es verdrödeln. 
Ihr Prinz Jussuf 
Alle Länder schrieben (...) Schreiben!

JULIUS HART

17. Juli 26 Lugano: Hauptpostlagernd Südschweiz
Geliebter nie vergeßener Julius Hart[403]hochverehrter Olympier. 
Denken Sie mein Paul schon 5 1/4 Monate in Agra in den Heilstätten an der Lunge krank. Ich bin untröstlich. Ich bekam Ihren Brief wie einen lieben Sonnenstrahl hoch vom Himmel. Was soll ich Ihnen senden? Und - bitte nur nicht bezahlen, falls Sie es bezahlen müssen. Ich finde solch einen Handel nicht indianerhaft. Wir Dichter bezahlen nur mit dem starken lieben Wort. (im W ein Stern) Ich bin voll Trauer, nur strenges Arbeiten für die Zeitungen immer wieder, die Essays zerstreuen mich oder vielmehr halten mich, daß ich nicht ertrinke im eigenen Blut. 
Immer in Dankbarkeit für alles Schöne - und der liebe liebe Pitter Baum. St. Petrus Hille 
Euer Jussuf oder Tino Else Lasker-Schüler 
(an den Rändern:) An lieben verehrten Richard Alfred Meyer viele viele Grüße. Gestern war ich in Ascona paar Stunden seine entzückend schöne Margarete zu besuchen.

EDDA LINDWURM-LINDNER

18. ? (= 17.) Juli 26[404]
Liebe Edda Ich bin in Lugano - unten im Thal am See 
Ich fühlte Doktors war es lieber und für Paulchen besser. Ich, die nie seit Kindheit gern einsam in fremder noch in fremdsprachiger Stadt war, kann gar nicht mehr anders; denn so gelitten habe ich doch an Dauer noch nie im Leben gestern Abend fragte ich nach oben Assistenz-Arzt an: Zum 1. Mal 37/5 abends Ich atmete auf. Ich reise bald wieder nach Zürich 4 Stunden von hier. viele liebe Grüße und Gratulation wegen Selma. 
Deine Else.

BERTHA SCHIRATZKY

(17. 9. 1926)[405]
(eine Reihe von Profilköpfen) Liebstes gnädiges Fräulein. 
Kommt der Kopf meines Jungen nicht in den Oktoberquerschnitt? Sehr wichtig. Er hat herrliche tiefste Köpfe (Blinde) gezeichnet. Denken Sie, er liegt noch immer. Der arme liebe Junge. Er ist zu ernst geworden. Danke für lieben Brief. Verehrende Grüße: Baron Hans v. W. Herrn J. Kaufmann und Grete Fischer. 
Lugano Hauptpostlagernd (Südschweiz) 
Ihr Prinz Jussuf 
An Dr. Benn liebe Grüße. Der Herrliche!

ERWIN LOEWENSON

II. Dez. 26 Lugano 
Hauptpostlagernd (Südschweiz) Else Lasker-Schüler
Lieber guter verehrter Sabathey[406]wie schön wenn ich vom Keren (ein Davidstern) Hajessod ein Lebenszeichen bekomme mit unserer Harfenschrift. Ich bin ja schon 14 Tage wieder in Lugano. Mein armer Junge nicht viel besser, er muß nach Davos. - Ich höre das Concert wo Ihre Alice spielte leise im Ohr. Ich bin so wahnsinnig traurig. Ihr Prinz Jussuf 
Von Davos erwarten die Ärzte alles weitere.

ADRESSAT UNBEKANNT

mit Blei, da ich Feder habe Post liegen lassen, verzeiht. (stilisierte Blume)
Liebe gute verehrte Frau Doktor.[407]
Ich bin in Schwerster Verzweiflung. Ich hätte Ihnen sofort geschrieben von Lugano (meine Gratulation empfingen Sie doch?) wenn ich nicht Ihre liebe Anzeige zu Hause gelassen hätte. Paulchen liegt nun schon 10 Monate, der arme Junge im Bett - (gar nicht artig sagen manche Ärzte.) Zuerst schien Agra Klima besser für ihn, nun (/) bedeutet es (/) gar nicht für seine Besserung, im Gegenteil, er fiebert wieder mehr und wenig Appetit. Der Doktor oben sagt er muß Luftwechsel haben. Mit Davos sind alle einverstanden, aber ich möchte ihn gerade mit Ihnen hinbringen, da Sie oben waren und Ihr körperlich und seelisches Urteil mir viel wert. Sie kennen Menschen, die wie Paul sind. Nun will ich Sie nicht lange aufhalten: Darf ich Ihnen zunächst die Reise anbieten hierher dann Davos, dann zurück Wien und Verpflegung. Meine Wupper wird im Februar 30% contraktlich zunächst Staatl. Schillertheater dann Staatl. Schaupielhaus aufgeführt, und dann werde ich mich thebetanisch revanchieren was üblich ist für eine so große tiefe Ärztin. Ich bin gebrochen. Kommen Sie! Wir sind ja keine Spießer. Telegraphieren Sie nur »ja« wenn Sie sofort kommen können denn Paul muß jetzt fort. Ich erzähle Ihnen ungeheuerliches. 
Lasker-Schüler Lugano Hauptpostlagernd Südschweiz 
Ja. Ich sende dann telegraphisch Reisegeld II. bis hierher. Ich wohne nettes Hotel (am Quai) (Lago) Hôtel Felix 
Kommen Sie, daß (Bean site) mein Paul gesund wird und ich nicht noch schwerer verzweifle (am Rand:) Grüße an Ihre Schwester 
Ihre Else Lasker-Schüler. 
Paul soll ins Krieg Curheim: Dr. Burckardt 
Ist der gut und nicht zu militärische Disciplin auch eine jüdische Heilstätte Atania sei gut? Und Paul darf seelisch nicht mehr einsam liegen grausig vereinsamt ist Agra. (Verzeiht Blei, Sie Liebe!

WALTER ZADEK

9. Jan. 27 Zürich (Schweiz) Hauptpostlagernd
Liebwertester Herr Walter Zadek.[408] 
Inl. sofortige Antwort. Ich war total von den Sorgen um meinen Jungen in Anspruch genommen. Nun weiß ich nicht, hab ich so einen ungenauen Bericht gegeben oder ists der fehlerhafte Nachdruck. jedenfalls habe ich, wie Sie sehen, mir enorme Mühe gegeben, noch einmal den kleinen II. Abschnitt genau deutlich zu schreiben. Und ich bitte Sie um genaue Wiedergabe! Bitte machen Sie selbst ausnahmsweise hier für mich die Correktur. ja? Falls sie mir nicht mehr gesandt werden kann? Ich wäre Ihnen dankbar, Herr Doktor, wenn genau so ohne irgend Fehler abgedruckt wird. Man stößt sich dann immer das Herz oder den Gedanken ein. I. kleinste Abschnitt ist so gut. 
Mein armer Junge ist nun in Davos. Von dort hoffen wir alles Gute. Er liegt noch im Bett nun schon 11 Monate. Ich bin ungeheuer betrübt. 
Bitte falls Ihnen Bildchen gefällt, darf ich es ihnen dedizieren? Mein Junge hatte gerade ein Bild im Simplicissimus und ich war so froh darüber für ihn. Viele viele GrÜße wie aus einer anderen Schneewelt, Herr Doktor. 
Ihre Else Lasker-Schüler 
Bekomme ich Exemplare?

LEO UND MARGARETE KESTENBERG

21. 11. 27 Davos-Platz Hauptpostlagernd
Liebster Professor Leo Kestenberg[409] 
Klavierspieler und guter und liebste Gärtnerin.
0 Gott wie ich durchmache - mein Paulchen noch fiebernd im Bett. Ich mußte ihn von Agra hierher nach Davos bringen ins Privatsanatorium. Enorme Aufsicht. Er weinte, das arme Kind, als ich nun von Zürich wieder kam. Ich schreibe so wie ich so denke und hinschreibe, da ich jede erdachte Redeweise oder übliche nicht mehr schreiben kann nach dem Schmerz. Es geht, es scheint, besser zu gehen da große Kunst und Aufsicht hier. Nun bat ich Intendant jessner (/) und Dr. Heinz Lipmann (/) er möchte mir doch 1000 Mk voraus senden zur Wupperaufführung. Sie hätten es weiter gegeben, aber glaubten leider nicht an Bewilligung. Was soll ich weiter dafür tun. Soll Dr. Richter oder Schnitzler um einen neuen Preis bitten. Ich arbeite bis spät denn ich muß einige Stunden bei meinem ärmsten Kinde sein, der unerhört zum Erstaunen der Doktoren zeichnet wenn er nicht zu schwach ist. Künstlich wird nun das Fieber heruntergedrückt, da er essen soll. Zum Gerippe das ärmste Kind, abgemagert. Ich habe zu meinen teuren Eltern wie oft, zu St. Petron Hille, zum blauen Reiter zu meinen gefallenen Freunden, zu (ein Stern) Sascha, (Senna Hoy) zu all den Erzvätern zu den Propheten zu Jesus gebeten, Gott zu bitten, auf jeden Stein, auf jeden Schneestern Blut geweint. Ich hoffe es wird denn manchmal sieht es doch so aus und die Ärzte glauben es sicher. Ich habe Organisation von meinen Zeichnungen gebildet. Habe auch schon Boas: Hugo Simon Zeichnung herrliche gesandt. 100 Mk. Bat ihn, er möchte 1 Jahr eine Zeichn. nehmen per Monat. Wert gegen Wert sogar von Cassirer gewertet kostet ein Bild schon vor dem Krieg 200 Mk. Haben Sie reiche Leute die ein Bild à 100 nehmen: Nicht aus Mitleid, aber aus Gewinn. Vielleicht eine Mappe sich anlegen 12 Bilder im Jahr? Bitte Gärtnerin fraget: Hess an. Die haben 5 teure Bilder vor 10 Jahren etwa gekauft. Ich zeichne jetzt weit herrlicher. Ich sende Kritiken. Fragt Prof. Slevogt? Euch schenke ich nur Bild wenn ihr wollt. jussuf auf Elephant! 
Bitte fragt also bitte:

  1. Ob ich wieder Preis erhalte vom Cultusministerium
  2. Ob Hess mit Bildern monatlich herabgedrückten Wert gegen Wert 100 Mk per Bild einverstanden? Kritiken zur Verfügung. Slevogt fragen. 84 meiner Zeichnungen sind im Kronprinzenmuseum, saget ihm!
  3. Ob ich Theater (Wupper) 1000 Mk Vorschuß erhalte?
  4. An die Dichterakademie sollen französische Kritiker enorm für mich geschrieben haben! wegen Geld. Bekomme ich nicht von dort 2000 Mk? Ich arbeite mich ja zu Schanden! Hat denn damals nicht Leo Kestenberg mich auch gewählt. Ich, die die Brochure schrieb.

Euer Jussuf

STEFFANIE HESS

16. III 27.[410] 
Davos-Platz Hauptpostlagernd (Schweiz) Else Lasker-Schüler (eine Blume)
Hochverehrte gnädige Frau, 
Matrosin - ja das sind Sie Matrosin im Salon. 
Die liebe gute feine Gärtnerin Grete (ein Herz) Kestenberg wird Ihnen erzählt haben, warum ich hier bin und vorher in Agra war (Tessin) 8 Mon.. Mein geliebter Junge lag nun 13 1/2 Monate im Fieber im Bett. Seit 8 Tagen darf er auf stehn - ; oder - vielmehr - denken Sie, auf einmal war er aus dem Zimmer verschwunden wie ein Vogel aus dem Nest und ging in Davos spazieren. Der Doktor war direkt von dieser Sehnsucht nach freier Luft - erschüttert. Es ging meinem Jungen gut danach und er ißt wieder und nun darf er täglich 2 Stunden aufstehn und auch spazieren gehen. Der Doktor ist nicht nur der Arzt des Körpers. Nur ein Privatsanatorium vermochte mein Kind noch zu heilen, sagte mir selbst der Oberarzt der Heilstätten in Agra. Nun arbeite ich bis abends dann gehe ich erst zu meinem jungen nach oben ins Sanat. Ich muß enorm verdienen. Hatte Vortrag unter and. in Zürich mit rasend guten Kritiken und auch meine Bilder enorm erwähnt in Zeitungen Berlins. Frau Dr. Ettlinger geb. Rathenau Fasanenstr. 86 oder 68 (/) und Professor Slevogt (/) wird genau sagen können was ich kann, sie kaufte damals sofort 5 Bilder. Die waren nachher in Ausstellung, eins abgedruckt (ein (... 1 im Berliner Tageblatt und besprochen glänzend. Liebe Matrosin, wollen Sie mir helfen verkaufen? Wollen Sie von mir die Zeitungen - welche darüber schrieben etc. gesandt haben - Sie kennen doch sicher viele Leute? Ich habe Grete Ring der größten Kennerin Bilder übergeben - sie liebt meine Bilder: Salon Paul Cassirer, der immer ausstellte, damals schon 2oo Mk für eine Zeichnung nahm. Ich würde die bunte Zeichnung ungefähr diesen Bogen groß - für -ioo Mk geben - falls mehrere bestellt würden oder mal ein Jahr monatlich - eine. Wissen Sie Menschen, die Bilder lieben? und sich in dieser Art eine Mappe anschaffen würden? Wert gegen Wert. Die Bilder steigen ja von mir. Wir sind ja Menschen - mehr kann ich nicht sagen - ich habe ja so vielen geholfen noch in meiner jetzigen Situation. Und Sie hatte ich sofort gern, als ich Sie sah. 
Ihre Else Lasker-Schüler 
(Prinz Jussuf von Theben (Stern in einer Mondsichel) Bitte (unter uns) die event. Käufer sollen sich an mich wenden da Salon genug kennen wird. Ich darf das. 
(am Rand:) Verzeiht die schlechte Aufmachung der Schrift - ich habe noch eine Sehnenscheibenentzündung.

HUGO BERGMANN

1. II. 28[411]
Else Lasker-Schüler 
Hotel Sachsenhof-Koschel Motzstr. 78, Berlin W
Dearest Mr. Bergmann
I send jou my children Photographie, when I was 11 years old and das Bild meines herrlich schönen Jungen. Denken Sie mein geliebter Junge, (ein Davidstern) mein Paul ist am 14. Dez. gestorben. Ich kann es kaum niederschreiben. Ich fühle ich muß bald nach Jerusalem. Ich komme bald. Ist Siegfried von Vriesland noch dort? 
Euer Prinz Jussuf von Theben (eine Blume) für Athene 
Grüßet Uri Zwi Grünberg aus Lemberg.

THEODOR DÄUBLER

28. III 28[412]
Dank Jupiter, auch (ein Komet) fürs Buch. Ich hätte so gern gehabt Sie hätten gestern bei uns gesessen. Ich saß zwischen Menschen und konnte so leicht nicht hervor, aber als ich zu Ihnen wollte, waren Sie verschwunden. Viele viele liebe Grüße. Freude (eine stilisierte Blume) für Ostern. 
Ihr Prinz Jussuf.

STEFANIE HESS

24. IV 28[413]
Sachsenhof Motzstr. 78 Berlin W 
Frau Else Lasker-Schüler (eine Blume) Liebe Grüße
Sehr hochverehrte 
Goldmatrosin. 
Sie schrieben mir nie wieder.? Ich fürchte, daß die Schuld unbefugte Frauen trifft, die etwa sich in meine Angelegenheiten mischten? Ich hatte vor einem Monat solche Unangenehmlichkeiten. Es täte mir leid. Ich beauftragte nie eine zweite. (/) wenn auch Sie überfallen worden sind ohne mein Wissen - (/) Ich bin Ihnen so viele Bilder schuldig - ich weiß! Ich habe schon Freude, daß ich wieder schreiben kann. Also bald! Aber ich bitte Sie herzlich, liebwerte Frau Hess, wenn Sie einen oder zwei Anzüge Ihres Mannes frei haben, ihn mir oder die mir zu senden? Zwei ganz große Künstler haben tatsächlich nur Lumpen an. Der eine kann bei Tag nicht über die Straße. Er spielt, das heißt, er ist momentan im Chor im Theater (/) Piscator (/) beschäftigt; kann sich nicht Barnowsky vorstellen. Der andere ein ostjüdischer großartiger Mensch und Dichter. Er ist momentan auf dem Friedhof beschäftigt - pflanzt, gräbt Gräber. Er tut mir so leid. Bitte sagt es Fritz Hess. Ich gebe alles sofort ab und wir tun wirklich das aller - aller beste (ein Stern)! Sie glauben nicht, wie ich gern helfen möchte, 
aber ich kann noch nicht so viel arbeiten. Diese beiden, der eine der Sohn eines gefallenen Anwalts im Krieg, seine Mutter meine Freundin, der Dichter, der unerhört feinste Mensch. Bitte helft ihnen mit mir. 
Prinz Jussuf

ABRAHAM STENZEL

27. Aug. 28[414]
Lieber Hamid. 
Wenn Du mir nicht Ärger machst wie stets, so komme. Ich sende Dir in diesen Tagen -ioo Mk. wenn Du nicht von anderer Seite vorher kriegst. daß endlich Frl. Wöhler allein die (ein gezeichnetes Gedeck) Erbsensuppe essen kann. Gelernt hast Du nichts in den letzten Jahren, im Gegenteil Du bist häßlicher geworden, die Zähne: schwarz, die Hände figuririeren in allen Tönen und vorstehendes Kinn hast Du gekriegt und (...) Haar und abschreckend im Lächeln der Selbstentzückung. be or not be that is the question. (zwei Hände mit Gesichtern, dazwischen:) Was söll ichchch? (/) Trotzdem kommen 100 Mk. an Frl. Wöhler für Dich. Pension kostet Mai 4,5o bis 5 Mk. Ich bleibe noch 14 Tage höchstens, ich mag keine Pension, ich kann Spieler, namentlich redende, schmausende, gemütvolle - und aufgequollene nicht sehen. Ich will bald nach dem Rheinland - und dann Frankreich per (ein Schiff) Wie wie heißt es? Ich weiß nicht. 
(am Rand:) Es fuhr doch noch jemand mal nach Frankreich 
Jussuf

ERWIN LOEWENSON

5. Okt. 28 (eine Blume)
Lieber Erwin Sabathei[415]
Habe mich mit Ihrem Brief wie ich schon bei Arno Nadels Festessen sagte, sehr gefreut. Den Tag vorher dachte ich viel an Sie und jerusalem. Hätte ich nur weniger zu tun. Immer zu viel. Ich hab rnich bei Tisch schlecht benommen, hätte so gerne 2 x Kartoffel genommen 
Wann kommen Sie? 
Alice viele liebe Grüße!

ERWIN LOEWENSON

29. Nov. 28
Lieber guter Sabat Erwin.[416]
Ich reise schon um mich an unsere lange Reise zu gewöhnen. Wie (im W ein Stern) geht es Ihnen und Alice? Ich war in Amsterdam, (...) Den Haag drei Nordmeere mit Muscheln und Paris, wo ich sofort abreiste, da verkitscht gewesen. 
Jussuf.

ERWIN LOEWENSON

12. 1 29[417]
Lieber Erwin Sabathey, 
Ja nie höre ich von Ihnen, nun werden schon die Kameele geboren die Amm und Repp heißen werden, die uns durch Jerusalem Erez-Israel (über dem e ein Davidstern) tragen sollen. Alles schon in Vorbereitung! Viele liebe Grüße an Alice, Edda und Erika Lindner fanden Sie so reizend. Ihr Prinz Jussuf. 
Ich fahre in diesen Tagen nach Hamburg und spreche mit einem Freund der Chef ist vom Asienkom. (?)

ABRAHAM STENZEL

19. 1 29[418]
Lieber Hamid 
Keinem Menschen kann man direkt ins Herz sehen, immer gehts durch die eigenen Augen, die entweder verschönen oder entstellen. Etwas schuldig wirst Du Dich doch gefühlt haben indem Du Deinen Freund den Prinzen Jussuf und noch dazu die Dichterin ELSch das Geständnig machtest, wenn Du Deine Gedichte ihr (/) also mir (/) gewidmet fortsendest, Du eher eine Annahme zu erwarten habest. Warum also das Drehen und Wenden. Du meintetest es damals absolut nicht ironisch, da überzeugen mich selbst die Variationen Deiner Gesichtszüge und Zitter Cithermusik Deine Kniee nicht. Ich schwärme für die Wahrheit und ich hätte es wohl als naive Frechheit angesehen. Daß Du aber nun den Märtyrer spielst, liebes Hamidchen, so dumm ist der Regent Thebens nicht, säß dann sicher nicht mehr auf Thron. Wenn Dirs nicht von Herzen kommt, so bleib daheim, ich ruf Dich nicht, da sei versichert, ich habe doch schon empfunden, daß ich nur dem eine Leiter, dem eine Sensation, dem eine Warte, dem ein Ereigniß: Sauerkohl mit Rippchen usw. Ich habe nicht an A. Zweig geschrieben, aber sollte er Dich rufen, so gehe hin, ich habe nicht geschrieben und Du kannst hingehen ruhig. Unsere freundschaftlichen Beziehungen sowie unsere Kartoffelpufferserenaden wären also aufgehoben.
Schlau Zirpe weiter in die Vorderzähne 
schläuer Mir geht der Ton durch jede Vehne 
am schläusten Wie Hobelspäne. 
Treu Wie Äppelkähne. 
Treuer Und trockene die Krokrodillenträne 
am Treusten Und laß das Zittern sein, Charlottenburg am Knie, 
Leb wohl Abramid, grüße Sie!

ERWIN LOEWENSON

6. II 29[418]
An Erwin Loewenson Sabathey 
Verzeihen Sie, habe ich mich in Ihrem Namen geirrt oder in Ihrer Seele. 
der Prinz von Theben