Briefe 1930 bis 1939

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Briefe

HEINZ KAHN

26. II 30 Der Sachsenhof Motzstr. 78. Berlin W. paar Häuser vom Nollendorfplatz (Untergrundbahn: Nollendorfplatz) (eine Blume)
Hochverehrter Herr Doktor. [420] 
Bitte, daß Sie nur nicht sagen, Sie sind mein Anwalt. Ich habe gesagt, Sie sind also der Sohn einer indischen Familie aus Kalkutta. Ihr Bruder sei in Elberfeld geboren, aber Sie in Kalkiitta. Sei seien Anwalt, ich hätte Sie im Sprechzimmer meines Anwalts kennen gelernt und es wäre herausgekommen, wir sind aus einer Heimat. Ihr Vater dort in Elberfeld wäre Direktor von Bayers Farbenfabriken gewesen. Ich mußte doch phantasieren. Ich möchte Ihnen nur zwei herrlich, unaussprechlich schöne Mädchen vorstellen: Edda und Erika. (/) die eine die Edda schwärmt für Indien (/) Die Freundin Selma will Sie auch sehen! (Sie müssen wissen nicht weil es meine Verwandten sind, (eine Zeile ausgestrichen, daneben:) Pardon! ich habe kein Gefühl extra für Verwandtschaft. Auch namentlich - was mein Dichten anbetrifft. Ich gehöre - noch nicht mal der Welt, (im W ein Stern) mir selbst nur - auf - Abzahlung - Ich grüße Sie sehr verbunden Herr Doktor Ihre Else Lasker-Schüler 
Ihr Bruder muß später mitmimen. Wir wollen eine nette Loge bilden oder einen (ein Kreis) oder so was. Ich habe extra sonst Niemand eingeladen, Indien leuchten zu lassen (zunächst. 
In Eile!

ADOLF GRIMME

23. VIII 30 Der Sachsenhof Motzstr. 78 Berlin W
Frau Else Lasker-Schüler 
Hochzuverehrender Herr Minister. [421] 
Ich bin - Else Lasker-Schüler - leider. Bitte, kann ich Sie einmal Selbst sprechen, Herr Minister? Ich will nichts für mich, (das habe ich verlernt) aber ich möchte Ihnen sieben Minuten etwa, etwas vortragen; ich weiß genau, Sie sprechen dann das entgültige Wort. Und ich kann dann guten Herzens in die Welt (im W ein Stern) gehen und nicht bedrückt, gewissenlos Haus und Hof (wenn auch fremde Häuser und Höfe) verlassen zu haben. Bitte empfangen Sie mich Selbst und lassen Sie mir die Stunde bitte angeben wo und wann ich Sie aufsuchen darf, Herr Minister? Mich kennt der ehem. Finanzminister Reinhold und die liebe liebreiche Frau Handelsminister Schreiber sehr gut. Der frühere Reichstagsabgeordneter Leopold Sonnemann (Frankf. Zeitung) war mein Onkel. Er würde heute sagen, daß seine »verlorene« Nichte, seine Nichte war. Herr Minister, in aller Hochachtung, Ihre ergebene 
Else Lasker-Schüler

ADOLF GRIMME

1. Sept 30 Der Sachsenhof Motzstr 78 Berlin W (ein Schiff)
Hochzuverehrender Herr Minister. [422] Anbei meine Brochure. Wie (im W ein Stern) gern würde ich Ihnen alle meine Bücher dedizieren, aber es wäre sicher aufdringlich?? Seit vorgestern neuen Verleger: Rowohlt. - Ich erwarte nähere Besprechungen mit ihm. Ich habe auch eben im Reim an den Herrn neuen Intendanten?? an das Stadttheater geschrieben von wegen meiner scheints ausgetrockneten Wupper. - Ich bitte Sie noch einmal wegen der Angelegenheit, die ich Ihnen vortrug, um Entschuldigung. Aber wie soll ich anders handeln. Und ich weiß, Sie haben mich verstanden, Herr Minister, in Ihrer wirklich liebreichen Güte und Liebenswürdigkeit. Und wie es auch wird - ich bin Ihnen dankbar. 
Der Prinz von Theben Hochverehrend! 
(Stern in einer Mondsichel)

ADOLF GRIMME

3. IX 30 Motzstr. 78 Sachsenhof Berlin W (zwei Köpfe) Prinz Jussuf und sein Somali Ossman
Hochzuverehrender Herr Minister [423] 
Hier sind meine zwölf oder dreizehn Bücher. Meine Brochure haben Sie ja, Herr Minister. Ich las Ihre schöne Rede in der Zeitung. Ja wenn Jakob Goldschmidt der gentleman und Gedichteliebhaber nicht wäre, so wäre ich wirklich schon verreckt. Verzeiht. (/) Bitte nur für Sie. (/) Immer schreibe ich ihm das zu meinen vier Bildern, die ich ihm zeichne bunt, da ich ihn selbst nie sehe. Darum kann ich seit zwei Jahren mit - Muse - dichten und ich selbst brauche nicht mehr. Aber ich kann noch gedenken einiger Menschen aus reiner Weltordnung. Wohltaten - mir ein Greuel. zu tun. Und ich danke Ihnen, Herr Minister, daß Sie an den (/) 73jähr. (/) Sänger Franz Lindner dachten und für ihn sprachen und - ich weiß manchmal oder öfters für ihn mit der Staatscasse sprechen werden? Er wohnt Rosenheimerstr. 29 V. Berlin W. 30 Franz Lindner ehem. lyrischer Tenor in Dresdner Oper. etc Meine Briefe sind immer wie Testamente. Vielleicht, da ich immer in Gedanken auf wildschäumender See bin und mächtig betrübt. - Lesen Sie meine Wupper? Herr Minister? 
(Diese Auflage: (Selbstdruck) Warum wurde sie von Max Reinhardt den ich gut leiden mag nur 6x aufgeführt. (/) der sehr entzückt war von meiner Wupper Er will ein neues Stück. (/) Er reiste ab. Herald, (der nun nichts mehr davon weiß) sagte mir damals - Prof. Reinhardt seien falsche Abrechnungen vorgelegt worden. 
da Herald den man nicht mochte die Regie führe. Da Staatstheater 15x Aufführung. da keine Reclame. Bei mir fällt das immer weg. Aber diese Dinge können mich nicht dunkeln. (/) nicht traurig machen. (/) Glauben Sie mir bitte nur immer, auch die Wahrheit meiner Brochure. (/) mir zur Ehre und meiner Dichtung. (/) Die Verleger zeigten mich nicht an; im Gegenteil Herr Flechtheim versuchte sich an meinen Tisch lächelnd zu setzen. Ich fagte nur so hinter meinen Gürtel, als ob ich Browning bei mir hätte. Die wahren Bilder und Buchteufel! Ich habe wirklich die Wahrheit gesagt noch milde. Die rheinischen Dichter luden mich ein zum Bund nach Duisburg am 10-12 Okt. Und darum schon vorher mein Geschenk für Sie, Herr Minister, 
Ihr Prinz Jussuf von Theben 
Mein neues Manuscript liegt nun 9 Jahre, wird aber bald gedruckt. 
(Ich sprach im Brief nicht aus Motiven der Eitelkeit. (ein Blumenstrauß)

ADOLF GRIMME

24. IX 30 Berlin W. Motzstr. 78 Der Sachsenhof (Blumen)
Hochzuverehrender Herr Minister. [424] 
Es ist gewiß sehr taktlos, mich wieder in der Sängerangelegenheit an Sie zu wenden, Herr Minister. ? Aber wie soll ich anders handeln. Ich bin Else Lasker-Schüler hätte ich beinah vergessen. Nun singt er (/) (Franz Lindner) (/) im Chor der Passionsspiele im Sportpalast. Sie glauben ja nicht wie unerhört er einst sang. Meine (eine Blüte) Schwester hatte sich damals im Theater sofort in ihn verliebt. Sie und mein Vater liebten überhaupt so sehr Gesang. Ich schreib Ihnen das nur, Herr Minister, da ich nicht nur so einen üblichen Brief schreiben möchte an Sie - doch ich halte Sie sicher wieder damit auf. Ich hoffe, meine Brochure beweist, die ich mir erlaubte, Ihnen zu senden damals, ich bin kein üblicher Mensch. Nun sollen meine Bücher in einen anderen Verlag kommen - ja ich weiß nicht wie. Und meine nette Wupper? Herr Prof. Reinhard sprach vor einigen Wochen davon wie sie ihm gefallen hat - (/) u. meine Dichtungen. (/) zu einer Freundin in Salzburg. Ihr Mann: Prof. Otto brachte lieben Prof. Reinhardt den Ehrendoktor. - Nun trocknet die nette Wupper aus on die Lüte sinn meck alle verdeck böse. - Aber zum rheinischen Dichtertag haben mich gestern die Dichter im Rheinl. eingeladen nach Duisburg ihr Gast zu sein. 
Und ich geh hin. Und ich möchte Sie, hochverehrtlieber Herr Minister, sehr grüßen und danken - wie es auch werden wird. 
Ihre Else Lasker-Schüler 
Prinz Jussuf von Theben (Stern in einer Mondsichel) 
(zwei Köpfe) und sein Ossman der Somali

ADOLF GRIMME

7. X 30 Der Sachsenhof Motzstr. 78 Berlin W (ein Schiff)
Hochzuverehrender Herr Minister [425] 
Trotz Sturm und Hagel habe ich niemals mein Gefühl für Ehre verloren. Die liegt im Blut wie Herbheit im Wein. Ich habe immer noch an Andere gedacht, ob ich arm war oder mich ernähren konnte. Sehen Sie Sich nur Selbst, Herr Minister fast alle - (nicht alle) die lieben Dichter etc an. Im Grunde wurden Sie schon zur Verbesserung ihrer Lage - große Egoisten. Ich bin nicht stark wie so viele Menschen glauben. Aber ich habe ein Gerüst gebaut, das einigermaßen steht. Ich finde mich oft selbst kaum wieder zwischen seinen Balken. Ich bin keine Bettlerin wenn ich komme für andere Menschen. Ich ging für mich selten früher. Ich brach ein - oder legte Feuer. Aber für andere kann ich nicht Experimente machen. Nicht, daß die Angelegenheit miglang, aber wie schnöde mirs mitgeteilt wurde. Ich glaubte ein wahrer Dichter ist ein Fürst - und so kam ich zu Ihnen, da mir die Armut jenes alten einst großen Künstlers weh tat, wie mir schon ein notleidendes Tier weh tut. Noch wenn es ein Pferd ist. Wie oft kaufe ich Pferden an schwerzuziehenden Karren zum Gelächter der Umstehenden Bürger, Zucker. Ich sandte oder brachte Ihnen mein schönstes Geschenk, das ich schenken kann. Sie haben nicht ein Wort mir davon geschrieben. Ich prahle nie mit Briefen, oder dergleichen. Da mügte ich schon hochgeehrt werden - von wem auch. Ich weifg, ich ziehe mir wieder einen Feind zu. Mir ganz egale, ich fürchte Niemand so, als, daß ich eine Beleidigung einstecke. Ich will von Niemandem Gefallen. Selbst die Nazis fürchte ich nicht. Ich will auch keine Ehrenbezeugungen, noch je was vom Ministerium; ich, die ich immer auf der Wanderung im Seim bin. Meine Bücher habe ich dem Meer verschrieben. Bitte senden Sie mir meine einst an Welt und Menschen glaubend, geschrieb. Bücher zurück, Herr Minister. 
Ihre Ihnen für kürzliche Mühe dankende 
Else Lasker Schüler 
(Der Prinz von Theben)

ADOLF GRIMME

11. X 30 [426] 
(zwei Köpfe) 
Prinz v. Th. mit Somali
Hochzuverehrender Herr Minister. 
Nun gehören die Bücher wirklich Ihnen. (ein Schiff) 
Der blaue Jaguar Der Tierarzt sagte, ich hätte die Grippe und darum verzeihen Sie, Herr Minister, den Bleistift.

ADOLF GRIMME

4. II 31 Berlin W. Der Sachsenhof Motzstr. 78 (ein Schiff) auf dunkler Bahn Hochzuverehrender Herr Cultusminister [427] 
Wollen Sie dem Intendanten des Staatstheaters sagen, er möchte meine Wupper doch (weiter) im Schillertheater aufführen. (/) vom Staatl. Theater Schauspielhaus (/) Wie schön wäre das von Ihnen für mich, wie schön könnte ich auch manch Einem und manch Einer (und mir auch) (/) zur Freude (/) helfen und dabei hätte Herr Intendant doch keinen Schaden; denn die Leute, die ins Schillertheater spazieren, gefällt mein Stück sicher gut. Das Schillertheater (Innenraum) sieht der Wupper so ähnlich. Das Karrassell liegt im Gerümpel der Theaterböden. 
Ist nun meine Taktlosigkeit, Sie zu bitten, eine wirkliche Taktlosigkeit oder nur eine Vertrauenssache. 
Und darf ich Sie um noch etwas bitten, Herr Cultusminister,? Kann ich nicht auch mal wieder vortragen hier im Funkhaus? Immer gefällt mein Vortrag überall, auch kürzlich in Frankfurt Main (Frankfurter Zeitung (Funkstunde) und meine Dichtungen am Frankf. Funkhaus. Ich fragte vergebens vor einiger Zeit hier an - hörte dann Bronnen der Nazileutnant säß dort - und da ist mirs unangenehm zu fragen. Er ist doch Nazi. Er sagt sonst vielleicht, »die Juden drängen sich.« Ich bin noch nicht geheilt von der Nollendorfschlacht. Noch eine Wunde am Oberarm und Unterfußgelenk, so hab ich mich geschlagen mit den Nazis u. der Gesellschaft noch draußen vor den Filmplakaten flogen Fäuste wie Granaten. Ich erlaube mir den lieben Herrn Cultusminister zu grügen vom Zelt aus im Zustand der Grippe (Indianerkopf mit Pfeil und Bogen) Der blaue jaguar Prinz von Theben Else Lasker-Schüler (eine Blume) (am Rand:) Am 28. Febr. spreche ich meine Gedichte im Theater nach der Theatervorstellung um 11 Uhr abends.

WERNER KRAFT

22. IV 31
Hochzuverehrender Herr Doktor. [428] 
Ich habe nichts belehrendes an mir, möchte mich auch von jeder Privatkritik enthalten. Bitte verübeln Sie mir das nicht? Auch ist alles zu verantwortlich, da sich jedem das große Thor der Dichtung durch ein Wunder öffnen kann. 
Mit besten Grüßen ELScH

EDDA UND ERIKA LINDWURM-LINDNER

5. V (=VI) 31. [429]
Liebe Edda, liebe Erika. 
Dank für Euren lieben Brief. Auch bitte Eurem Vati Dank für die lieben Karten. 
Ich freue mich ja, - sagt - ihm, daß er sich erholt und Freude hat nach dem langen Jahrwinter. Ich kann hier die Luft nicht ertragen, ich sage Euch, Berlin momentan schönste deutsche Stadt. Ich liege hier immer. Heute Abend wieder Vortrag - sie baten mich so. Arbeiterverein. Die Reisedecken zahle ich von hier und Ihr holt Euch dann Ecke Eisenacher und Motzstr. 
Ich schreibe noch mal vorher. Alles Liebe und Gute Eure Else

RUTH HORWITZ

(6.7.31) [430]
Meine liebe liebe Ruth. So schön!! wie Dein Bild ist mit den tanzenden Elfen, habe ich mir so lange gewünscht für mein Zimmer. Es ist wie ein Tüchlein aus Sommerfäden gewebt. Ich danke Dir sehr und morgen sende ich Dir ein paar Kettchen aus Perlenblumen und eins aus blauem Glas. Grüge Deine liebe Mama und Deinen lieben Papa von mir. Ich schreibe bald einen Brief. Deine 
Freundin Else Lasker-Schüler.

RUTH HORWITZ

29. XI 31 (ein Medaillon)
Liebes blaues Glockenblümlein [431] 
Nun war ich so krank gewesen und wollte da nicht an Ruth schreiben. Nun bin ich besser und es klappert meine Glasuhr - ich meine die Zeiger, ich soll ja heute noch an Ruth schreiben. Ich danke Dir für Deinen Brief für das herrliche Bildchen und bald schicl<e ich Dir, sowie ich wieder ausgehen kann: Albumbilder, die ich auch so gern habe. So Lilien mit Vergif>meinnichtbouquets und Veilchen und Nelken. Man kann sie ins Album kleben, aber auch in ein Geschichtenbuch legen. Dann werden die Seiten alle schön und man braucht nicht erst lesen, was darauf steht. Ich freue mich so, wenn Ruth kommt! Wir gehen dann in den Zoologischen. Da ist ein Seeelephant mit Rüssell. - So hoch guckt der Seeelephant aus dem Wasser, man glaubt ein Felsen gucl<te. Und wenn der Wärter kommt, steigt er ans Land (er wiegt 65o Pfd.) und der Wärter muß auf eine Leiter steigen, ihn zu füttern - und dann, wenn der Wärter ihm einen ganz großen Fisch gegeben hat, kriegt er einen Kuß vom Seeelephant. Der ist so wuchtig, dag der Wärter Alfons meist von den Stufen fällt - manchmal ins Wasser hinein. Mehr kann ich Dir heute nicht erzählen, denn es wird kalt im Zimmer und ich friere. Aus allen Zimmern, es sind 72. Zimmer, höre ich die Menschen schnattern vor Kälte. Und meine Fenster sind am zufrieren und ich habe Angst, ich kann morgen nicht sehen, ob Du auf einen Brief von mir wartest. 
Also Deine Freundin Else 
Fräulein Ruth Horwitz. Grüße ja Deine lieben Eltern von mir und Dein Fräulein

RUTH HORWITZ

16. 1. 32.
Liebes Ruthchen. [432] 
Ach so bin ich gerannt den ganzen Tag - so viel war zu tun und immer wollte ich Dir schreiben. Zweimal habe ich auch Deinen lieben Papa gesprochen und es geht ihm gut. Wie mußt Du nun von mir denken, zumal Du krank warst. Aber ich hoffe, nun bist Du wenigstens fast wieder besser und heute schicke ich Dir vorerst nur die paar Bilder für in ein Schulbuch zu legen, damit es nicht gar zu langweilig zu lesen ist. Grüße herzlich Deine liebe Mama von mir Ruthchen. Und viele liebe Grüße für Dich! 
Deine Freundin Else 
Ich schicke Dir auch noch Opladen, wo man so durchguckt wie durch Glas. So Bilder hab ich auch so gern fürs Poesiealbum. Du auch?

ERWIN LOEWENSON

22. II 32. [433]
Sabathey. 
Ich sitze hier im Café am Zoo, 
Das ist mal eben so 
Vorher war ich in Rasputin 
Wie ich mal eben bin
Und glaube niemals anders werd' 
Nach all der Arbeit wie ein Pferd. 
Das trinkt auch mal gerne Eiscafé 
Und frißt dazu ein, zwei Baisers. 
Jussuf Wann sind die 2 - fällig?

HULDA PANKOK

1. August 32. [434]
Verehrte liebe Hulda Pankok. 
Wenn Sie Ihre Worte mit den meinen des Konzerts vermählen, so muß ich Sie wohl so anreden mit, - liebe verehrte Hulda Pankok. Enorme fromme Freude machte mir die Wiedergabe des Bildes, (darum) das mein geliebter Junge mit vierzehn Jahren zeichnete von mir. Ich liebe Ihre wunderschöne, verständnißvolle Kritik. 
Ihre Else Lasker-Schüler 
(eine Blume) Liebe Grüße!

HULDA PANKOK

Sonntag 6. XI 32 Berlin W. Motzstr. 78 Der Sachsenhof 
Denken Sie, ich zwei Köpfe im Profil 
zerriß den Brief in der Zerstreuung. 
Der ist der Prinz Jussuf von Theben der blaue Jaguar und sein Somalikaiser 
Verzeiht!
Meine Liebverehrteste [435] 
Ich grüße Sie herzlich! ich bildete mir in dem Wirrwarr hier ein, Sie hatten mir geantwortet. Ich hoffe bald mal nach Düsseldorf zu kommen - von Darmstadt aus - wo um Weihnachten mein Schauspiel gespielt wird: Arthur Aronymus und seine Väter - meines 12jähr. Papas Jugendzeit in seiner westfälischen Heimat: Hexengäsecke. - Ich aber bin sehr niedergeschlagen immerdar und immerzu. 
Ihre Else Lasker-Schüler 
Kommen Sie doch mal nach Berlin?

FRANZ LINDWURM-LINDNER

(20. 11. 1932) [436]
Lieber Franz. Ich bekam gestern einen Riesenkorb für 4 Menschen. Teilte ihn so; - da nun auch eine Ananas in der Schachtel ist, so lasse sofort holen; beim Portier steht sie im Sachsenhof Ich stehe gerade am Potsdamer Platz 
Viele Grüße E.

GUSTAV LINDEMANN

26. XI 32 [437]
Lieber hochverehrter Herr Direktor. 
Ich möcht Sie so gern mal sehen und kennen lernen. Wo? und Wann? 
Ihre Else Lasker-Schüler 
(Text auf der linken Seite, auf der rechten eine große Zeichnung, einen gehenden Indianer darstellend, an den Rändern:) Ich bin der blaue Jaguar, und grüße Euch, auch meine Inkas entbieten Euch ihren Gruß. 
Soll ich Ihnen eine Karte senden für meinen Vortrag: Mittwoch 30 Nov? Ich lese meine Gedichte u. 1. Bild meines Schauspiels: Arthur Aronymus u. seine Väter. Herr Prof. Jessner kennt es und mich. 
(eine gezeichnete Hand weist auf gedruckte Aufklebadresse, darüber:) Pallas oder (B 7) 7061 immer bis 11 Uhr früh da.

GUSTAV LINDEMANN

19. XI 32. Berlin W. Motzstr. 78 Berlin W Der Sachsenhof 
Friedenspfeife, Kriegs Beil und Pfeil und Bogen Euch!
(ein Zelt vor Bäumen, daneben:) (ein Indianerkopf) 
Mein Zelt am Urwald blauer Jaguar (darunter Wellenlinien, dazwischen:) Der River
Lieber verehrter Herr Direktor. [438] 
Mein Häuptling, der schwere Leopard, erhebt Euch zum Häuptling vom Rheinland. Kommt ja morgen - Mittwoch. Herr Alexander Cranach, (/) der prachtvolle Schauspieler (/) zeigt Euch den Pfad zum Saal= Cral (/) (ohne h) (/) Schubertsaal. Ich weiß Louisa (ein Herz im Stern) die herrlichste der Künstlerinnen, die große Herzogin - würde sich freuen; Ich will bei meiner Indianerehre nicht etwa einen ehrgeizigen Gefallen von Ihnen. (/) nichts weder Theater noch Regie oder dergleichen. (/) Ich bin im Grunde müde dem Weißland und den Weißgesichtern - nur manche, die halbe Inkas hier sind, liebe ich etwas. Aber blaue Jaguar drängt sich nicht auf. Kommt Ihr - so eigener Wille! Selbst im Arbeitskittel kann man kommen und willkommen

GUSTAV LINDEMANN

24. I 33 70,61 Pallas Motzstr. 78 Berlin W
Lieber Dichter. [439] 
Nur ein Dichter kann zaubern. Und gestern Abend zauberten Sie die Menschen in einen zauberischen Zustand - fünf Stunden lang - und noch durch die dunklen und hellbeleuchteten Straßen wandelten die Zuschauer und Verträumten wie im Bann. Gerade, da konnte ich auch an Sie, an den Intendanten vom Rhein so ruhig denken. Und es tat mir in der Seele weh, so betrübt ist Ihr Gesicht und vom Schmerz gehemmt um Louisa der Herrlichen. (/) Hätte gern Liebes gesagt, aber ich bin zu dumm und gehemmt (/) Ich würde ja nicht wagen, auch nur den Gedanken zu fassen, Sie trösten zu wollen; es giebt keinen Trost um Louisa; aber ich fühle, ich weiß, sie wird nicht ganz glückseelig sein wenn Sie vom Himmel (über dem H ein Stern) herabblickt und Sie so be1"ümmert einhergehen sieht - denn immer sieht sie auf Sie, auf den liebsten der Menschen und den Freund, den sie auf Erden gehabt hat. Sie soll sich wieder freuen mit Ihnen. Tod und Leben gehen Hand in Hand und das wirkliche Gebet oder der liebe Gedanke - umarmt. Bitte, ich will nicht phrasenhaft schreiben und ich könnt es auch nicht. Darum alles so wie ich fühle. 
Lieber bester verehrtester Herr Direktor, - als der Doktor (/) der ein Caplan (freisinniger) ist (/) und ich wieder draußen im Gange standen, sagten wir beide, wie unendlich lieb Sie sind. Das ist vorerst das Schönste, (stilisierte Blume) was man von einem Menschen sagen kann. Wir beide haben Sie lieb. Und sind uns gegenseitig im Grunde alle drei fast fremd. 
Wir sind also Freunde - und ich bin noch außerdem Indianer. Wir legen einen schönen Blumenstrauß vor Louisas Bildniß. Ich glaube, sie hätte mich - (/) den blauen Jaguar (/) wie ich sie die (/) wahre (/) Herzogin Louisa, sehr gern gehabt. 
Alles Liebe alles Schöne und Gute. An den Rhein komme ich oft - und bitte bitte um Louisas willen - ohne Zagen und Zweifel - sie ist immer bei Euch. 
Ihre Else Lasker-Schüler 
lieber guter Herr Direktordichter Alles Liebe! Wirklich! (ein Blumenstrauß) Lieben Gruß! 
Ich soll Ihnen das sicher schreiben - will Louisa - sicher - (ein Stern) 
(ein Indianerkopf, darunter:) Der blaue Jaguar

HUGO BERGMANN
24. 1. 33. [440]

Verehrter Adon. Ich verstehe den Endsatz nicht. Meinten Sie, ich sei enttäuscht von Palästina? - Meinen Rest Bücher kommt dieser Tage durch München zu Stande. Ich der Prinz von Theben und blauer Jaguar lieg Niemanden zur Last. Ich wohnte nur bei David dem König und Dichter oder bei einem armen Ziegenhirten. Am 12. Febr. führt man hier mein großes Schauspiel auf. Many greetings jour Else Lasker-Schüler 
Motzstr. 78 Berlin W. Der Sachsenhof.

RUTH HORWITZ

7. III 33. [441]
Meine liebe Freundin Ruth. 
Ich hatte so viel zu tun in den letzten Wochen und kam nicht zur Ruhe. Aber eben sah ich den netten Bogen in einem Schaufenster und schrieb im Sinn darauf an Dich, liebe Ruth. Und nun steht es wirklich darauf, daß ich Dich, Deine liebe (ein Herz) Mama Dela, Deinen lieben Papa herzlich grüße. Sage Deinem lieben Papa, heute sei wegen m. Schauspiels was sehr Schönes eingetroffen. Ich glaube manchmal, ich bin in München wieder in Eurem Zimmer am runden Tisch und wir sprechen miteinander. Und wie gefällt Dir die Schule? Ich saß nämlich immer untenan und lauter Tadel bekam ich eingeschrieben. Machs auch so! Aber heute ist ja nicht so streng und langweilig im Unterricht. Dann gehts schon! Schreib bald und Dank für das süße Osterbildchen. Wär ich doch so ein Haase! Ich äß dann nur Chokoladeneier. 
Deine Else Lasker-Schüler.

PAUL LEPPIN

20. III 33. Motzstr. 78 (Berlin W. 30) (Der Sachsenhof) 
(Maiglöckchen) Liebe Grüße!
Liebster Wunderkönig von Böhmen, Stadthalter von Mareia-Ir [442] 
Wie wurde es mit Rowohlt? Ich hoffe meine Karte bekamst Du schon? Könnt ich doch eine Stunde in Prag sein, oben auf dem Berg bei Euch sitzen!! Aber bald! Mir muß was gelingen hier. 
Ihr seid so lieb (ein Herz) zu mir. Frau Greiner und ich, saßen - wie allein - in der Welt, auf der Bahn, wo ich alles in ihr Herz einpackte für Dich, für Liebfraue und für den kleinen Ritter. Wir wollen alle in die kleinen Alchemistenhäuschen ziehen - nach - Gott graben Gold ist uns nicht das letzte. Meine blaue Glasuhr auf dem Tisch tickt immer die ganze Nacht durch, den ganzen Tag: weiter, weiter, weiter, weiter! Mein geliebter (ein Davidstern) Junge besaß eine Uhrensammlung. Er liebte die (/) feinen (/) Uhren der seltenen Gehäuse wegen. - Sie liegen nun alle aufbewahrt in einem Safe. Damit seine Seele sich freut darüber und auch seine tausendeabertausenden Zeichnungen liegen aufbewahrt. Ich will sie mal ausstellen - sowie alles wieder geglättet ist. Einige sind im Kronprinzenmuseum in der Nationalgalerie. Ich habe viel in der (ein Davidstern) Kabala gelesen, indem Paradies zwischen Einbänden. Das tröstete mich etwas in den letzten Zeiten über sie hinweg. 
Wenn es Dir (/) und Euch (/) nur etwas erträglich geht!? - Wollte noch schreiben, habe von Prof. Reinhardt Depesche aus Rom damals über mein Schauspiel bekommen. Prof. Jessner war dabei es aufzuführen. Karlheinz Martin (indianerhaftes Herz wie wir) wollte es auch aufführen - schrieb mir lauter Briefe darüber - soll ich Dir einsenden? - 
Aber ich weiß alles so schwer - aber wie es auch wird, immer Dir Du unglaublich lieber Daniel Jesus Paul, innigen Dank! 
Ob Dir mein Arthur Aronymus auch gefällt? - Denke mal ich hatte paar Wochen nach dem Schreiben - ein Gesicht - Du glaubst es nicht!! Meine eigene Verwandlung - ein asiatisch Gebild. - (/) Vielleicht bin ich Joseph von Egypten? - (/) Ich lief zu Prof. Dessoir. Er prüfte mich 1 1/2 Stunde - und er, der nichts mehr glaubte, sagte, es stimmt. Er war ganz erregt. 20 Min ungefähr dauerte es. Ich erzähle alles!! 
Immer Deine Tino. 
Verzeih der späten Nachricht. 
(Blumen)

PAUL LEPPIN

21. V. 33 [443] (Maiglöckchen, darunter:) Die wachsen hier am See rosa und hellgrün. 
(am Rand:) Hospiz Augustinerhof St. Peterstr. Zürich
Liebster Paul Daniel Jesus 
Ach ich bin nun hier und bin sehr traurig, da mirs immer so ergeht; vielleicht - ergehen muß und - soll nach höherem Lenken. Ich bin wie in einer kühlen großen Zelle immerzu. Was kann mir der See sein nach all den Dingen. Lieber Daniel Jesus Paul, liebreicher König von Böhmen! Wo ist unser buntes Theben, all die Dromedare und Kameele und Silbertauben. Die flattern blind umher - die Korallen ihnen ausgestochen wie mir mein Herz. Aber ich muß wissen wie es Dir geht und Liebfraue (ein Herz) und dem kleinen Ritter? Ich wäre fast nach Prag gekommen statt hierher gereist, aber ich komme - wenn alles wieder besser ist äußerlich. Dann freuen wir uns. Denn wir können uns freuen mit den Dingen, die von den Massen ungesehen zertreten werden. - Ich möchte so gern die Adresse von Otto Pick wissen. Oder hat er etwas gegen mich? Liebster Paul Daniel Jesus, (Mondsichel mit Stern) ich liebe Dich, ich liebe Liebfraue (ein Stern) und Euren Ritter. 
Deine Tino 
Ist liebe Erna Dunja Greiner in Prag? Und ihre herrliche Mama die Burschenherrlichkeit?

HULDA PANKOK

28. Mai 33 Hospiz Augustinerhof St. Peterstr. Zürich
Meine liebste 
verehrteste Hulda Pankok. [444] 
Nur die Verzweiflung wie man überhaupt bestehen kann etc. u. die Zurückgebliebenen, ist schuld, da ich Ihnen, Sie Liebe, nicht schrieb. Und - aber - es beginnt sich zu machen - Und aber wie geht es Ihnen und dem lieben Mann (/) und Maler (/) mit dem Bart? Beinahe wäre ich nur nach Düsseldorf gereist. Kommen Sie doch hierher, wir reisen dann nach Locarno oder Ascona. Bald kann ich es. Dort billiger und unter uns. Herr Intendant Lindemann darf aber nicht allein bleiben, er muß mitkommen. Wir alle sind sehr lieb zu ihm. Wie würde er sich nach Ihnen sehnen und dem Bartmaler! Ich war so unglücklich und so zerfetzt und verhungert innen und außen, aber nun viel besser. Und ich habe nur Sehnsucht - da außerdem hier sehr kühl - in die Sonne zu reisen unter schönen Bäumen zu sitzen und bei den Blumen. Ich habe hier in Zürich beständig großes Leid um meinen geliebten Jungen. Zürich war seine Lieblingsstadt in der Schweiz und alles trägt darum, da mir alles dunkel, einen bangen Schattenschleier. Ich bitte Sie, liebste Hulda Pankok, schreiben Sie mir sehr bald und grüßen Sie den Maler und lieben Intendanten. Die ganze Welt (im W ein Stern) eine Finsterniß. Darum zündete ich den Stern an. Darum sind nun die Propheten gekommen und Jesus von Nazareth und die vielen vielen Menschen weinten und Dichter dichteten Heiligengedichte. Später im Herbst - kommt mit mir nach Palästina!! Es soll wunderbar dort sein; oder soll ich vorher dorthin ziehen und Euch meine Lieben am Rhein schreiben. Wir wollen dort alle Theater spielen, eine wunderbare liebreiche Truppe immer durch das heilige Land ziehen! Und nun alles Liebe; ich weine fast... Und es sprach mal der Maler Gert Wollheim so schön von Ihnen beiden. Ich lernte ihn kennen und fand ihn einen besonderen Peruquay in Berlin. Wissen Sie wie es ihm geht und ob er weiter kann? (folgt viel Gestrichenes) Alles Liebe und Schöne und alles was Treue ist. 
Ihre Else Lasker-Schüler (eine Blume, darunter: von der Wiese).

KURT ITTMANN

11. VI 33 (zwei Köpfe im Profil) Jussuf Prinz von Theben mit dem Somali-Kaiser
Hochverehrt und sehr lieber Herr Doktor Ittmann. [445] 
Den Koffer - mehr schein ich nicht zu brauchen. Ich sitze selbst drauf. Geh ich nach Palästina - schlaf ich am Strand von Jaffa in ihm. Bei Tage sammle ich Muscheln und lege sie hinein. Mehr braucht man nicht! Also meinen großen Dank Ihnen noch einmal und Herrn Brann möchte ich sagen, daß ich nach dem Vertrag den kleinen Rest bezahlen kann - sicher. Ihre Else Lasker-Schüler

HULDA PANKOK

Mittwoch 21 ? VI. 33. Hospiz Augustinerhof St. Peterstr. Zürich
Meine liebste (Maiglöckchen) verehrteste Chefredakteurin. [446] Liebe Grüße! Ich danke Ihnen für den wundervollen Essay. Wirklich, Sie sind eine große Dichterin. Könnten wir uns doch bald wieder begegnen. Kommen Sie doch mit dem Mann im Bart nach dem Tessin: Urlaub. Dort ist Eden und wir sprechen mit den Blumen und - pflücken uns Brot und allerlei von den Bäumen. Wohnen zwar nicht, auf den Beeten, aber - sehr sehr möglich in netten reinen Räumen und das Silber fällt dazu mittags von oben. Ich sage am 27. VI hier aus meinen Dichtungen. Da hab ich dann genug - kommen noch 2 Zeichnungen für Holland dazu, 2 Mon. zu bleiben und - ich schreib sofort aus dem Tessin Näheres. (/) Und Herr Intendant Lindemann kommt auch. Nie vergeß ich seinen Faust. (/) 
Ich hatte beide Hände halb erfroren und voll von Rissen, da ich ja erste Tage am See unter einem Baum versteckt schlief. Konnte gar nicht schreiben, denn immer schlimmer wurd es. lnl. der Brief! Wer ist wohl M. W? Liebste Hulda (/) (Hilda) (/) Pankok, wollen Sie mal anläuten? Und bestellen den Leuten ich schreib auch dem Hauptbahnhof. - Sie sollen mir Paquet senden, wenn möglich. Liebste Hulda Pankok, öffnen Sie das Paquet und wenn nötig senden Sie es mir unfrankiert. Ich nehms sonst nicht an. Und schreiben Sie mir erst, wer es sandte. 
(am Rand:) Paquet, da ich nicht weiß von wem. (/) Immer in Liebe für Sie beide und immer in Treue und immer wir drei in Liebe und Treue für Louisens (über dem u ein Stern) liebsten Intendanten und treusten Begleiter 
Euer sehr sehr trauriger 
Prinz Jussuf (E LSch) 
(Kopf im Profil, weinend) 
Was sind alle Schätze der Welt 
und wäre die Liebe nicht.

ELISABETH WÖHLER

25. VI 33 [447]
Meine Liebe. 
Ich sprach Ludwig H. der erwartet Ihre Freundin Hanna und Sie. Er erwartet Sie beide sicher. Er hat dort Häuschen in Ascona; er sagte Hanna würde sich ganz erholen und Sie würden etwas ausruhen. Wie ist dies Gallenleiden jetzt von Hanna? Und Ihr Herz? Ich hab so durchgemacht! Hanna kann hier vielleicht sprechen durch Grün. Ich werde ihn fragen. Ich vortrage 27. VI übermorgen aufgefordert von großar Buchhändler (?) Ich gehe auch Ascona in 4 Tagen. 
Eure ELSch. 
Tessin. Sonne für Hannas Bronchialcart. ein Mittel.

KLAUS ITTMANN

1. Juli 33. [448]
Lieber Flamingo. 
Ich hoffe Du bist wieder gesund? - Ich war heute in Peru und hab mir im Urwald eine große Cocosnuß geholt - und einen Pavian gesehen, der trug einen langen Bart. Dein blauer Jaguar 
(ein vogelartiges Tier, daneben:) er biß mich so ungefähr in den Finger

CARL SEELIG

30. VII 33 Locarno (Kopf mit Stern auf der Hauptpostlagernd Wange) (ein fliegender Vogel)
Lieber verehrter Carl Seelig. [449] 
(am Rand:) Mein Arm verdreht. Verzeiht Bleistift!(/) 40 Grad gestern, in meinem Zimmer an der Waschschüssel, etwas kühler. Ich pass doch eigentlich nur für die große Stadt - schon des Abenteuerlichem wegen. Auch der wogende Lärm - (hier Geknatter auf den Straßen von Autos) sind meine Adern, darauf ich dichte. Aber alles liegt wohl in meiner herzzerbrechenden Stimmung. Ich bin so zur Besinnung gekommen. Und dazu: Immer grün und immer grün und Verzweiflung. Auch daß man gar nichts tun kann gegen die Plage in - Ich möchte so gern von Ihnen mal ein Buch lesen. Vielleicht Gedichte. Herr Reiff schrieb mir paar Mal wegen der Bücher von mir. Warum giebt Herr Dr. Oprecht keine Antwort? Bevor ich abreiste, saß ich mit liebem Albert Steffen und Frau Fee Stückgold und Felicitas im Veget. Speisehaus. Wir vier sind wirklich Freunde. - Ich habe das ganze Manuscript meines letzten Schauspiels hier. Ich möchte es teuer verkaufen. Soll ich das einrücken lassen: Neue Zürcher Zeitung? 
(am Rand:) Immer Ihnen alles Schöne und Liebe Ihre 
Else Lasker-Schüler

ERNEST RATHENAU

2. VIII 33. [450]
Signore Gentile. Nach meinem Abend am Sonntag wäre es schön, wir wären noch bei mir im Gasthaus beisammen. Wenn ich speise und die Autos draußen im Geleise, - speis ich hier: Excellent, nicht angebrennt und nach Spießerrede das Gericht: »Ein Gedicht« daß am Abend wirkt erfrischend und auch labend. Die Leute müssen es nur sofort wissen! 2 fr: Kalbsbraten, Bratkartoffeln, Sallat, Compote. Hätel de la Garre wohne ich Nähe Bahnhof. Bitte fragt ganz bescheiden, alle Leute die wir leiden?!?! Antwort bitte sofort. 
Ich grüße liebstes Hindumädchen.

ERNEST RATHENAU

8 VIII 33. [451]
Signore. 
Sollen wir morgen um 5 Uhr hier treffen: Café Switzero Vegetarierheim (bringen Sie Gefolge mit) an der Bahn: Herrlichste Kartoffelpuffer essen - später: Kino - - alle? Ich telephoniere morgen früh 10 Uhr: Schweizerhof, da die Frau des Heims, Kartoffel säen muß. Und dann - Sie wollen ein Bild? Sagte Signora Elvira. Ich habe ein ganz neues von gestern: Herrliche Emigranten. Die anderen Emigranten verkauft. Gern bin ich mit den 50 zufrieden, wir lassen sie dann in Berlin für so arme liebe Familie die hungert. Ich zeige Ihnen den Brief von heute. Ihr 
Jussuf.

HULDA PANKOK

10. VIII 33 [452]
Meine Liebe. 
Freue mich so, Sie sind hier mit dem Mann im Bart. Wo sehen wir uns. Ich kann nicht über Lugano fahren. Ich kann des Schmerzes wegen nicht über Lugano. Bitte kommen Sie bald hierher. Haben Sie beide meine »fabelhaften« Gaben bekommen? Ich hatte einen Vortrag im Theater: Marterna und Gert Wollheim war da - Ihr Freund. Er sprach stets (nur von Ihnen beiden) so lieb. Bitte schreibt wann Sie kommen damit ich da bin. Euer armer Prinz Jussuf einer der vielen - 
Adr: Hotel de la Garre Swisse. 
Locarno 
Hauptpostlagemd 
Ich wohne an der Bahn 
Innige Grüße

ERNEST RATHENAU

20. VIII 33 [453]
Verehrtester. Mit Schrecken höre ich, daß Sie so ritterlich mein Vanille und Himbeereis bezahlten. Ich habe immer eine »fixe Idee« nennen es viele Leute - mir nichts bezahlen zu lassen. Also sowie wir uns begegnen - Eis wider Eis. Hoffe die Karte kommt an? Ich grüße die kleine Beduinin. Ihre Else Lasker-Schüler

ELISABETH WÖHLER

16. Okt. 33. [454]
Ich habe wegen Hannas verschlechterste Gesundheit sofort der Else geschrieben, den Brief der Elisa eingesandt. Auch für Elisa gebeten, denn sonst greift die Entzündung weiter um sich. Viele glauben ja von den ersten Doktoren an vollständige Besserung, da£ sich alles verkapselt. Die armen zwei, wie Sie schlecht aussahen als ich fortfuhr. Mein Arm schon besser, alle Ärzte hier empört, daß nicht die neue Salbe angewendet wurde. Dabei male ich fortwährend, denn alles teuer. In Freundschaft 
Ihre ELSch. 
postlagernd Fraumünsterpost

EDDA LINDWURM-LINDNER

27. Okt. 33 [455]
Fraumünsterpost postlagernd 
Liebe Edda. Wie geht es? Mit Dr. S. weiter gegangen? Und esst Ihr noch? Heute dacht ich so recht, wie man so verarmt herumläuft. ich bin wirklich wund. Aber Novemb. sprech ich Gedichte und am 2. sicher wieder. Ich bekomme am 1. - auch, aber noch Niemand sagen, mein Stück wird hier aufgeführt. 
vom Intend. der es schon einübte damals. in D. In 3 Monaten meint der Arzt alles Kranke wieder gesund - bei mir auch dann für Euch Dieser kommende Monat wieder besser 
Nur Mut! Nur stark bleiben!! 
Allen Grüße in Eile E.

HEINZ KAHN

18. Dz. 33 Fraumünsterpost 
postlagernd Zürich 
(ein fliegender Vogel)
Liebreicher hochverehrter Herr Doktor. [456] Da oben bin ich 
Ich danke Ihnen für Ihren lieben Brief. Wenn man in der Fremde ist, tun einem so gute Worte doppelt wohl. Der Gedanke daß die lieben Elberfelder mich nicht vergessen haben, macht mich stolz und froh. Auch, daß Sie es sind, Herr Doktor, der meine Gedichte vorliest, (wie ich schon schrieb.) Vor einem Jahr lud mich Frau Bertha Gebhard ein zu lesen im Frauenverein und liter Verein beide zusammengezogen. Sie kam dann nach Berlin - mußte leider absagen. Ihr tats leid. Lieber, verehrtester Herr Doktor, würden Sie Klaus Gebhard anläuten: Moltkestr 67, Sie, Herr Doktor und er sollen ja zur - Erholung - Weihnachten hierher kommen. Außerdem sehr interessant - der vielen Berge und Seeen wegen. Bitte grüßen Sie alle, die so lieb, (vor allen Dingen) - meiner gedenken. (Ich zieh mal sicher nach Elberfeld - dann sind wir immer zusammen. (Beinahe hätte ich gesagt:) Im Sommer suchen wir wie die Kinder beisammen Waldbeeren oben im Wald der Sadowastraße. (Ich weine fast) 
Gern sende ich 10 Bilder zur Ausstellung. Wann? Nach Weihnachten? - Antwortet bitte mir! Mein neues Schauspiel wird hier großartig aufgeführt: Ein Lichtchen (vielleicht - für mich. (/) falls es sich nicht zerschlägt sollen jetzt Proben beginnen (/) 
Am 14. Dez. war der unendlich traurige Tag für mich. Mein geliebter Paul - 
Wenn Sie mal Ihren Großvater -, lieben hochverehrten Herrn Dr. Auerbach auf dem Friedhof besuchen, bitte legen Sie für mich eine Blume hin 
(zwischen den Zeilen:) Ihre Else Lasker-Schüler

HEINZ SIMON

13. 1 34 [457] 
Fraumünsterpost 
postlagernd 
Zürich
Lieber Dr. Heinz Simon. 
Ich weiß Sie werden es tun! Ich bitte Sie mir 100 RMk zu - leihen! 15. März: Rückgabe! Ich weiß Sie werden es tun. Mein Arm muß sofort operiert werden nachdem sich nun / durch ruheloses Schreiben und Zeichnen, Eiter im Knochen sich bildete. Ich schreibe mit Brett unter dern Arm. - bin durch 8 1/2 Monate, seitdem ich hier bin, nie zur Last gefallen. Die Miete für diesen Monat bekomme ich gezahlt. Ich reise Ostern Egypten, wenn mein Arm gesünder. Sie müssen Knochen öffnen. Sie kriegen wieder! Int. Hartung hier, sprach von der sehr guten Aufführung in Darmstadt Ihres Stücks. 
Ich bin ganz traurig. Soll ich dafür Gedichte oder von Bäumen schreiben oder vom Tessin? Gern! Ihre Dichterin Else Lasker-Schüler 
(am Rand:) vielleicht mit Namen Linda Linde. schreiben Essay oder wieder Briefe?

HEINZ KAHN

13. 1 34 Fraumünsterpost postlagernd 
Zürich
Allerbester verehrungs- 
würdiger Herr Doktor. [458] 
Tatsächlich die Thränen sind mir fortwährend übers Gesicht - ja geströmt - so herrlich so künstlerisch ist Ihre wundervolle Geschichte über mich. Sie sind ja ein Dichter - noch dazu. Sie halten wohl alle liebreich zusammen und man bekommt direkt Sehnsucht. ich bin nun tief gerührt, schon war mein Herz ein Aschenhügel, der noch leise pochte. Ich möchte so viel 
(am Rand:) Aronym. Arthur entscheidigt sich übermorgen. schreibe dann sofort! (/) Eben zeigte ich Ihre Ehrung oder meine einem Juristen, der mir oft mit Wort und That hilft; er trommelt die Menschen für mich aus dem lässigen Schlaf bei Tag und Nachtzeit. Denken Sie vorgestern wollte ich Sie um eine große Gefälligkeit inständig bitten. Sie wissen, (da sind wir gleich stolz -) ich für meine Person würde nie aus Elberfeld etwas nehmen. Aber viele viele viele Frauen namentlich erinnern sich an den Vogelhändler, den mein wunderschöner (direkt Sensation) Schwager: der lyrische Tenor sang im Glanze der hellsten Lerchenpracht. Lindners haben an der Frankfurter Zeitung nun ihr ganzes Vermögen verloren. Es war nichts zu machen. Alle versuchten und dann bekam Dr. Karl Schönberg 4000 Mk heraus vor etlichen Jahren. Ich hätte ja gern geraten, fangt was damit an - aber Verwandte dürfen sich ja nicht einmischen. Nun tut mir das Herz weh - so geht es momentan.; ich - konnte den Monat auch noch nicht helfen. Verehrtestlieber Herr Doktor, da ich nun schwarz auf weiß sehe, daß Sie wirklich mein Dichten so liebreich und wieder so groß schildern, wage ich die Bitte auszusprechen, gar nicht mich zu erwähnen! Sie kennen Franz Lindner, der noch in Philharmonieen singt tatsächlich fast umsonst - daß er der beliebteste lyrische Tenor dazumal in Elberfeld war - nun 75 Jahre alt - und durch die Zeit in Not - wie die ganze, ganze Welt jetzt viel schweres durchzumachen hat. ich bitte Sie! Nehme Ihr Ehrenwort, sprechen Sie aus Sich. Wenn er durch Theaterwohltat oder Musikwohltat 100 Mk. bekäme, hilft momentan über den Damm. Bitte verraten Sie mich nicht! Nein! Meine geliebten Eltern würden weinen. Die Adresse ist: Berlin W 30. Rosenheimerstr. 29 ehem. Hofopernsänger von Dresden Franz Lindner 
Ihre Dichterin Else Lasker-Schüler

CAROLA KAUFMANN

9. III. 34 Fraumünsterpost postlagernd Zürich
Hochzuverehrende Frau Doktor. [459] 
Unter den vier Menschen, die man mir nannte, möchte ich nur an Sie schreiben. Das war im selben Augenblick mein Entschluß, als man Sie nannte. Ich bin die Dichterin Else LaskerSchüler und mein Brief ist nur an Sie gerichtet, gnädige Frau. Vielleicht bestärkt mich Ihr Name: Carola. Er ist selten, aber alle, tatsächlich alle - mit kleinen Ausnahmen - meiner Menschen, die ich lieb gewann, hießen: Carola. - Nachdem ich nun April ein Jahr schon in Zürich lebe, bekam ich eine Einladung nach Egypten, - dem Lande Josephs - zu einer höchst liebreichen wie noblen griechischen Familie zu kommen. Die Frau des Griechen hat viel von mir übersetzt, namentlich viele meiner hebräischen Balladen. Ostern werde ich dann nach Palästina reisen. Ich soll in Egypten in deutschsprechenden vielen liter. Vereinen Vorträge meiner Dichtungen halten und in Palästina hat die liebe Griechin, meine Palas Athene (/) meine Streiterin (/) schon die Ausstellung meiner Bilder und die meines geliebten Jungen angesagt - wie sie schrieb - sein großer wundervoller Nachlaß. 
Am liebsten wäre ich mal zu Ihnen gereist, Frau Doktor, so ganz aus meinem Gefühl heraus. Wenn noch vor einem Jahr, eine oder meine beste Freundin in Berlin zu mir sagte,: »Ich bin so elend« - habe ich mir, da sie das schon gewohnheitsmäßig nebenbei dahinredete, - die Ohren zugehalten. Nun sage ich es so oft, sehr sehr müde zu mir selbst - oft allein im Hospizzimmer - auf der Straße oder wenn ich nun über einen Rasenplatz dahingehe, auf dem die Sonne schien noch am Mittag. Ich habe in Bern einen Vortrag gehalten. Die Zuhörer und ich blieben die halbe Nacht (über dem N ein Stern) zusammen, denn brachten mich alle ins Hôtel zurück. Ich habe hier, im Anfang meines Hierseins 2 Vorträge gehalten. Mehr kann man nicht halten, der Lage und der Schweizer Dichter wegen. Herr Dr. Korrodi ist reizend zu mir, auch seine wundervolle Mama. aber er kann nicht zu viel von mir drucken, der Lage wegen. - 2 x standen im Feuilleton Beiträge von mir in der Neuen Zürcher Zeitung. In der Sammlung Märznummer letzte ein neues Gedicht. 
(am Rand:) Sammlung, Amsterdam Herausgeber: Klaus Mann Querido Verlag. (/) Mühe gab ich mir genug. Nun seit ein paar Wochen übernahm der j. Culturbund meine Miete im Hospiz. Das ist mir ebenso schmerzlich wie erfreut gewesen. Aber, da vielen vielen Emigranten hier geholfen werden müssen, kann und möchte ich auch nicht mehr verlangen. Meinetwegen soll Niemand weinen. Ich konnte in Eile eigentlich gar nichts mitnehmen - ich schlief im April vorrigen Jahres 5 Tage nachts am See - das ist wahr! Dr. Korrodi war nicht da der mir versprochen hatte - allerdings noch in ruhigerer Zeit, mir bei hiesigen und auswärtigen Vorträgen zu helfen. - Ich hatte im November, bevor ich gehetzt hier her kam den Kleistpreis für mein neues Schauspiel erhalten und dennoch vertrieben. Ich kann nicht erwarten - meine Einkehr in Egypten und - Heimkehr nach Jerusalem. Aber, wenn die griechische Familie mir auch das Schiffbilett sandte, es für mich in Genua liegt - es zu meiner Verfügung einen Monat liegen bleibt, ich kann nicht so verkommen kommen äußerlich und an Herz und Leib und Seele so herunter. Gern käme ich zu Ihnen nach Basel, daß wir mündlich sprechen. Eine bestimmte Vorstellung und Ahnung sagt mir, Sie werden und ich nicht verarmen am Gespräch. - Ich sollte noch schreiben an Herrn Dreyfuß-Brotzki, (/) in Basel (/) Herrn Hecht=Benker Basel (Schifffahrtgesellschaft aber wenn Sie, Frau Doktor, irgend für mich Liebreiches tun wollen, so bitte fragen Sie die Herren, ob sie mir leihen wollen, daß ich mich irgend von all den unendlichen Erschöpfungen erholen kann vor der Reise - und den Weg von hier - nach Genua bezahlen kann? Ich werde wieder in Palästina verdienen können und Egypten. Ich bin dort von einer sehr angesehenen Consulfamilie eingeladen, wie Geschwister so schreiben sie mir. 
Frau Doktor, nie im Leben würde ichs Ihnen je vergessen. Und Ihr Kommen nach Palästina würde eine Freude für mich sein. 
(am Rand:) So viel Ehre machte ich stets allen Juden. 
(Bleibt es vor Zürich unter uns? Ihr Else Lasker-Schüler 
(/) 
Ich kann den Brief nicht vorher noch einmal durchlesen, so schwer war mir, ihn zu schreiben 
(Blumen) Die ich auf dem Rasen fand

ELVIRA BACHRACH

18. III 34 [460] 
Fraumünsterpost 
postlagernd Zürich
(ein Schiff mit der Aufschrift:) Egypten Iloyd 
(am Rand:) bitte dem Laden meine Adresse aufschreiben. Sie müßten, wenn da ist, sofort senden, sonst zu spät, liebe Elvira Signora (/) 
Cara Elvira. Signora. 
Leben Sie und liebste Tänzerin Lotte und ihr lieber Doktor - wohl. Ich reise Mittwoch über Tessin nach Egypten. Bin dort eingeladen. vier Wochen von Griechen und dann weiter nach Jerusalem. Ich hoffe Sie kommen bald alle dorthin im Spätfrühjahr: Mai? - Lotte soll dort tanzen. ich war hier voll Traurigkeit wirklich voll Schmerz. Ich sehnte mich direkt nach - Locarno - Ascona. Aber es ging nicht. im Juli vielleicht komme ich. Bitte ladet doch mal die drei Mädchenjungens ein - entzückende Geschöpfe. Immer fuhren sie mich spazieren in ihrem Auto. Sie heißen: Kiki Vander (Holland) Mouschy Christianssen (Skandinavien) Bolby Wertheim (Berlin) 
Porto Ronco, (Ascona) Casa Imhoff. Künstlerinnen 1. Ranges. - Ich bin voll Trauer. Wie schön und unbekümmert wars doch in Elberfeld vor -10001- Jahren dem Märchen entkommen längst. 
Liebe Elvira, der Bernard Pelzmayer ist der Frc. zu Kopf gestiegen. Immer glaubt er man will was von ihm. vor 10 Jahren etwa pumpte ich ihn mal an - ich schwöre, für Jemand für eine arme Familie die mit mir hier war. Die Schwiegertochter famoser Mensch. Ist sie nicht Ihrer Cousine Kind.? - Und wollen Sie mir einen Gefallen tun - aber ich verweigere die Annahme wenn es nicht per Nachnahme kommt. Es oder sie (die 6 Taschentücher kosteten im Sommer 3 Frc. 50 ctm - oder ähnlich etwa Also von Ascona kommend - neben oder 2 Häuser vor Café Swizzera ist ein kleiner feiner Wäscheladen mit reizenden Damen. Sie erinnern sich gewiß meiner Frau E L-Sch der Dichterin, die sich sechs baumwollenbatist große Taschentücher hinlegen ließ, da ich damals auf Geld wartete, noch nicht bekommen hatte. Also die Taschentücher waren mit braunen (ein Quadrat) oder Arabesken mit grünen Arabesken mit roten und gelben glaube ich. Ich möchte wieder 6 Stück per Nachnahme bitte. Aber es muß sofort sein. Da ich abreise, Elvira Signora. 
Würden Sie sich die Mühe machen. Ich war verliebt in die Tücher und aber habe sie alle verschnupft etc. und 2 verschenkt. 
Immer Euer Prinz Jussuf 
von Egypten. 
Grüße an die Pfauen in Eurem Paradiesgarten. Direktor May hier ist der größte u. liebste gentleman in Zürich und sein Freund Dr. Itmann. 
(Blumen) 
(am Rand:) Es war hier so traurig. Nun größte Sache für mich in Egypten. (/) Ich schicke Lotte, Photographien der egypt. Tänzerinnen 
Alle grüßen auch Gemahl

ADRESSAT UNBEKANNT

18. III 34 [461]
Signora 
Das hätte ich nie für möglich gehalten, das Sie, die wir allabendlich durch Locarno wandelten, so ein Spiel (/) den Damen gemeinsam (/) mit mir treiben konnten. Mein Herz war nach einer Stunde erschlagen - damals im Hause von Frau C. oder ich will besser sagen, das letzte Blatt abgerissen von - der Blume - die mir im Herzen für jemand aufgehen kann für P. Sie wissen wen ich meine. Da sah ich selbst ein, daß ich träumend zwischen den Menschen einhergehe oder ging. 
Mittwoch reise ich nach Egypten. 
Alexandrien. Hauptpost 
Prinz Jussuf 
Hauptpostlagernd.

HUGO BERGMANN

Freitag 30. ? III 34 [462]
Lieber verehrter Direktor Hugo Bergmann. 
Ich bin in Alexandrien. Wie kann ich herüber? Bitte sprecht mit Caren Hajessod wo ich umsonst mal vortrug werde mich schon selbst ernähren. Meine Adresse: mons. Pilavachi (die mich einluden, Bilett sandten Jussuf von Theben ganz gebrochen. 
(Egypten) 
Alexandrien 
Rue de la Maternité 3. (Rond Point.)

EDDA LINDWURM-LINDNER

Liebe Edda. [463] Übermorgen Sonntag sage ich meine Gedichte in Tel-Aviv. Ich hoffe dann von Tel Aviv M. senden zu können. Was sagte Therese? Nur ohne Bedenken weiter, da unerhört. Hier war mein Gedichtvortrag rührend direkt mit lauter Kerzen. Ich sprech auch in Haifa. Päulchens Bilderausstellung hier größte Bewunderung. Morgen per Tram 1 1/2 Stunde durch die Wüste über Jaffa nebenan alle Völker der Erde - unaussprechlich. Tel Aviv wie Goldgräberstadt: Mexico und Meer. Die Leute wollen mich hier durchaus nicht fortlassen. Bleibe noch 14 Tage. Trage erst Wien meine Gedichte vor dann wieder nach Zürich. Vielleicht verkauf ich auch - von mir: Bild. Liebe Grüße für Euch Drei E 
Freitag 5. IV 34

ADRESSAT UNBEKANNT

25. IV 34 [464] Jerusalem
Meine sehr Liebe. 
Ich sende Ihnen inl. Gedicht für Dr. Jaretzki?? Er wollte eine Ehrung für Karl Kraus zum 60 und 16jährigen Geburtstag herausgeben. Denken Sie, ich verlor seinen 1 Brief und II. Brief und Adresse. Ich bitte Sie herzlich, meine sehr Liebe, ihm inl. Gedicht mit liebem Gruß zu geben für das Album. Ich mach lieber die Zahl 16 wie 60. Paßt auch besser. Also ich hab mich nicht verschrieben. Das Gedicht ist K. K. Lieblingsgedicht; vielleicht freuts ihn. Mein Paul, mein Junge, sagen Sie K. K. hat mir innerlich gesagt, sofort heute den Tibetteppich abzuschreiben für K. K. den er bewunderte, der ihn wirklich verstand. Sagen Sie Karl Kraus bitte. Nun war ich erst in Alexandrien bei einer Betrügerin, einer reichen Griechenfrau, einer geb. Wiesbadenerin die Frau nun eines Grandseigneurs die mich schon 1 1/2 Jahre hinlockte. Weder waren die 10 Vorträge gemacht noch Raum zu malen. ich kann Ihnen nur und Julia erzählen. Schauer auf Schauer - Sklaven dort die fast gepeitscht wurden. Reiste durch die Wüste von Egypten - schwerster Weg 3x nachts umsteigen etc etc. III. Classe. Nur zu erzählen. Nun hier - Riesige Wildniß von verrosteten Steinhöhen, Thälern, Kameel, Beduine, alle Art Juden. Unerhört - aber schwer. Ich erzähle alles. Wohne mitten in der Stadt. Nicht groß (/) räumlich (/) die Stadt, aber mannigfaltig. War in Bethlehem wie Bibel, war Garten Gethsemane war Weg nach Emaus, war Tel Aviv wo ich Freitag in 8 Tagen vortrage im Habimâhtheater. Hier in einem Kunstsalon. Großartige Malerei hier. Chazidim enorm ursprünglich. 
Nun große Bitte!! Schreibt: Zürich Fraumünsterpost postlagernd wann Sie (/) mit Julia (/) in Locarno sind.? Komme dann sofort hin! Soll ich über Triest heimfahren: Schweiz am 8. Mai ungefähr, nach Wien was kommen? oder (denkt!!) nicht gut jetzt - (nach der Hitze) hier. (Ich meins anders) ihr Brief hocherfreute mich. Dank! 
Immer Ihre Else Lasker-Schüler 
meine sehr Liebe. 
(am Rand:) Julia soll großen entgültigen Anwalt. Ich las es kommt neu Buch von J. Wassermann heraus! (/) 
(eine Federzeichnung, daneben:) Jerusalem 
40 Grad von 7-8 Uhr früh - abends 18 Grad Himmel dunkelbraun gelb lila abends 
Fahre heute Jericho Autoeinladung oder Tram 
In die Sammlung Amsterdam kommt jetzt III. Gedicht von mir. 
Mit den Vorträgen wieder nett hier.

ELISABETH WÖHLER

Liebe Frau Wöhler. [465] Man will Hannchen und Sie kommen lassen; der Herr Narkiss sehr lieb; (vom Museum) Vielleicht sind Sie entzückt. Ferienreise. War Bethlehem schon, Garten Gethsemane - Weg nach Emmaus, den Jesus mit den lieben Jüngern ging. Ich reise 8. Mai ungefähr retour nach Zürich. Kommen Sie eher, wenn möglich dorthin. Ihre Else LSch. Jussuf 
Grüßen Sie Hannchen. Sie kann hier gewiß sehr gut Vorträge halten von ihren Versen.

ARTHUR RUPPIN

22. V 34 Jerusalem Poste-restante für Post. Ich wohne Nordia Visàvis Postamt, Jaffa Road. (Federzeichnung: Gebäude, Berg, Tempel und Stern)
Adoni [466] 
Ich bin die Dichterin - wieder - Else Lasker-Schüler. Ich habe geglaubt in Wahrheit in Palästina geehrt zu werden - nicht allein mit dem Mund. Ich habe ein Viertel Leben, ja ein ganzes nichts getan als allen Juden Ehre gemacht. Habe mich prügeln lassen von Antisem. wie oft - nach Vorträgen meiner Balladen, die alles mehr wie feig sind. - Und nun so?? (/) ergehts mir im Judenland? (/) Ich kam und Sie fragten mich »How much«?? (/) auch war ein Mithörer zugegen! (/) Ich war verlegen, wußte auch nicht, daß ein Pfund fast die Hälfte von ehemals bedeutete. Ich habe vor Arbeit, das heißt, ich die Dichterin ELSch vor Schnorren nichts oder wenig von Palästina gesehen. - Muß nun wieder fort nach Europa. Ich will der armen Wunde des Judentums näher sein! Ich habe 2 x hier vorgetragen. Lasen Sie zufällig den Erfolg? Ich habe mich verpflichtet im Okt. 9 x vorzutragen überall. Ich komme dann mit ein paar Leuten, die mich - tränken? Ich spreche nun als anständiger ehrlicher Indianerhäuptling zu Ihnen, (/) zu Ihnen, (/) der mir derjenige der wirklich starken noblen Geste hier scheint, bescheeren Sie mich noch einmal mit zehn Pfund - zum 2. und letzten Mal parole d'honneur! (/) Ich hole auch gern selbst ab!! (/) Sie können wohl glauben, mir wirds schwer zu kommen! 
(am Rand:) Ich habe natürlich wunderbar für die Neue Zürcher Zeitung Dr. Korrodi geschrieben - schon Davids wegen dem Dichter. Ihre Dichterin Else Lasker-Schüler

HELENE KANN

19. VI 34 [467]
Fraumünsterpost postlagernd Zürich 
(Blüten)
Meine liebe Hochverehrte. Dank für Zeilen! Ich habe große Bitte: Schreiben Sie Herrn Dr. Röder, daß ich ihm Bild wieder abkaufen werde (Doppelbezahlung) da ich enorm erbe vom Onkel (Kalifornien) Million. Dollar und ungef. 250 000. ich bin keine Erbschleicherin, aber ich freu mich. My oncle 84 Jahre. Ich bin stets sein Liebling gewesen. Er liebt Dichtung so. Erste Hälfte sinne Diener die andere Hälfte: kommt! Jussuf 
Was sagt K. K. dazu? 
Falls Adressatin abwesend bitte die Karte nachzusenden.

ARTHUR RUPPIN

4. Juli 34 Zürich (Schweiz) Poste-restante Fraumünsterpost
Hochzuverehrender Adon. [468] 
Ich muß Ihnen noch einmal von hier danken für alles was Sie taten, daß ich in Jerusalem weiter konnte. Ich bin am Dichten über unsere fromme Stadt und sende es Ihnen gedruckt. (Tempel, Palme und Mondsichel.) Sie sind der große gentleman in Jerusalem. Ihre Dichterin 
Else Lasker-Schüler

ELISABETH WÖHLER

26. Sept. 34 Zürich Fraumünsterpost postlagernd
Liebes Fräulein Wöhler [469] 
Ich glaube ganz sicher, daß Hannchen nun, schon ihres Leidens wegen, nach Je reisen kann. Natürlich es muß sie jemand begleiten. Da dachten wir an Sie - zumal Sie sicher sich betätigen können, im Unterrichten, auch würde ich Sie empfehlen, zu tun ist immer dort was. Nun No 1. Haben Sie Erlaubniß? No 2. auch Einreiseerlaubniß? Genau schreiben Sie alles an folgende Adresse, da Hannchen im Übermaße fordern könnte. Ich bat um Reise, die gar nicht teuer wird und einen Monat zu leben dort. Schreiben Sie: Herrn Fritz Gelhar Danzig-Langfuhr. (am Rand:) Steffensweg 11 (/) Er ist ein reicher Student - sein Vater sehr reich etc. die Verwandten. Er hat mir versprochen für Hanchen und für Sie also Mitreisende die Reise zu finanzieren. Er ist am 5. Okt. wieder in Danzig. Also, daß er am 6. Okt. genaue Nachricht hat. Sie brauchen nur von »Hannchen« schreiben, ich habe schon erzählt etc. auch von ihrer großen Begabung und von ihrer Krankheit. Ich bin sehr besorgt, trotzdem Ihr beide so gar nicht lieb zu mir war't. Aber man soll Mohnkuchen für Kruste geben. Ich bin auch krank und muß viel hungern. Aber im Dez. bin ich auch wieder - dort, da zanken wir weiter. Grüßet Sigismund und Aribert herzinnig. 
Gottseidank Julia W. ist hier. 
(am Rand:) Euer Spielgefährte Juss.

ELVIRA BACHRACH

19. Juni 35
Liebe Signora Elvira. [470]
Ich möchte aus Gründen Ihnen schreiben und sprechen Sie mit Niemandem darüber; es wäre unvernünftig. Bitte sagen Sie sofort dem Präsidenten, trotzdem ich schon vor dem ersten komme, aber ich aus Vorsicht ihm sofort aufmerksam mache, nie sich von fremden, noch so vertrauenserweckenden Leuten etwa Auto oder Weinstube einladen zu lassen. Das lässt ihm auch durch mich ein grosser Anwalt hier raten. Vor etwa sechs Tagen wollte ein sich, (mit falschen Namen vorstellender bei einigen Leuten schon) - (/) wegen anderer Horchereinen (/) erfahren wo sich Herr Holitscher aufhalte? Ich merkte sofort die Absicht und sagte, ich wisse es nicht. Wir alle wissen, wer er ist, und darum warnten wir uns alle. Man soll mit diesen Leuten nie irgend Einladungen etc annehmen. Aber wenn Herr Präsident es für Nonsense hält, soll er tun was er will. Ich halte es für mein Gewissen, Leute zu warnen! Ich hab mein Buch fertig und die Bilder. Ich grüsse Sie, Signora Elvira, und auch Signore Bachrach ich kann Sie beide sehr gut leiden. Auch Eure entzückendliebe gute Tänzerin und ihren feinen Doktor. Ihre Else Lasker-Schüler. 
Prinz Jussuf (eine Blume) Lieben Gruß! 
Ich kann (und will auch nicht) mich nicht, wegen Päulchen beruhigen - gerade heute bin ich so traurig um mein Kind

ELVIRA BACHRACH

8. Juli 35 [471]
Verehrte Frau 
Elvira Bachrach. 
Haben Sie schon mit Frau Mayer gesprochen wegen des Bilds und Buch? Ich glaub, ich muß einer Angelegenheit wegen - dieser Tage doch noch mal 1 Tag nach Zürich oder Basel fahren gerichtlich wegen - Stempel wegen. Möchte so gern vorher wissen mit dem Buch.? 
Ich erkläre hier: 
Sie - zunächst erhalten eins gemalt 10 Bilder 10 Gedichte coloriert Luxusbuch. Theben sehr bald und Frau Mayer 2 Stück (für das 1 Buch zurück) Luxusbuch Theben, auch gemalt; falls Sie mir das in ihrem Besitz befind. Buch retourniert. Sie fuhren gestern Abend umgekehrt nach Materna heim. Ich war - oder es befremdete mich, offen gesagt, daß man mich nicht besser kennt. Ich hätte nie eine Einladung in Ihrem Auto angenommen, zumal mir in der Abendluft - noch dazu, ein Spaziergang gut tut. (/) Schon das Abendbrot war mir unangenehm (/) Aber ich dachte an die feine Geste und Gemütvolle, an die wahre fromme, gastliche in meinem Elternhaus und in den Häusern hebräischen und christlichen - wo ich verkehrte. (/) u. verkehre. (/) Ich spreche wie ich denke. Also nichts für ungut. 
(am Rand:) Ihre Else Lasker-Schüler Ascona Postfach 49.

ELVIRA BACHRACH

13. Juli 35 [472]
Daß man wegen »anderer« Dinge streitet wie über - ist mir tatsächlich zur Jetztzeit ein Rätsel. Kaum betrat ich Ascona auf Autoomnibusrädern schon teilte man mir ungefragt mit, daß ich viele Feinde hier habe. Großartige Nachricht! Ich bin so am Kämpfen mit dem neuen Buch - und ich weiß nicht, ob ich den letzten Stein übersteigen kann, daß mir überhaupt keine Zeit übrig bleibt zu Lästerungen hinter den Rücken Anderer. überings habe ich Euch, Sie Elvira, Paul Lotte und Doktor direkt lieb gehabt. - 
Jussuf

ELVIRA BACHRACH

31. Juli 35 [473]
Ich freue mich auf die Visitte 
und habe eine große Bitte: 
bitte, - da ich doch was essen muß 
Chokladenspeise zwar mit Himbeersaft 
auf elberfelder weise ein Genuß; giebt Kraft 
und ungezählte Vitamile 
und namentlich auf Eis gestellt in Eisbärkühle 
Prinz Jussuf

PATER GUARDIAN DIEGO DA MELANO

29. VIII 35 Locarno Poste-restante
Hochzuverehrender Hochwürden 
Märchenprior und Dichter. [474]
Ich hatte vor Jahren das Glück, nach einer Prozession in der Kirche Ihre tiefe Predigt zu hören, Hochwürden, und trotzdem ich kein italienisch verstehe so begriff ich doch den Sinn Ihrer Worte aus deren Blumen immer tönte: Die Menschen seien so böse geworden, als ob Gott tot wäre. Es war noch Krieg in den vielen Ländern! Ich war tief gerührt, Großwürden, da ich selbst eine Dichterin bin. Ich heiße: Else Lasker-Schüler. Am Tag nach der wundervollen Abendandacht war - Sonntag. Ich hielt eine Camelie in der Hand, sie Ihnen, Hochvarden, zu überreichen, aber trotzdem Sie mir nach dem Kirchschluß begegneten, wagte ich es nicht. Nun aber erlaube ich mir Ihnen eine Dichtung zu schenken, mein erstes Buch: Das Peter Hille Buch. Mir ist, Sie kannten ihn, Hochwürden, zumal St. Peter Hille einst einen Pilgergang nach Rom zum Papst (am P ein Stern) machte. Peter Hille war ein großer Dichter und ein Prophet, er hatte die Kraft sich aufzulösen, unsichtbar zu sein und sich wieder zu gestalten. Anders kann ich es nicht beschreiben. Er war katholisch, sein Bruder, Prof. Philipp Hille ein feiner Priester, der an Petrons Grab die Ceremonie hielt. - St. Petron ist vor dem Krieg gestorben, man hatte ihn verwundet aufgefunden. - Ich bin aus Canaan, mein Herz, mein Blut entsprang dort. Italiener hassen die Juden nicht, beteuerte mir in Berlino, professore Chiusano der jetzige ital. Consul in Breslau. und ich weiß zwischen den Hecken unserer hohen Kameradschaft, St. Peter Hilles und mir, versöhnten sich die Religionen. Eine große Engelsstimme sagte eines Morgens zu mir, Peter Hille ist gestorben - und das war so. Ich glaube wenn Sie, Hochwürden, und Peter Hille Sich begegnet wären, ja das wäre für Sie, Hochwürden und für meinen hohen Kamerad ein Wunder (im W ein Stern) gewesen. Sein Geist bejaht mein Vertrauen zu Ihnen großwürdigster Prior, da ich Ihnen etwas anvertrauen möchte, das ebenso rein und weiß wie gewaltig ist und mich erschüttert. In Italien würde man mein Erfülltsein für eine Besessenheit bezeichnen, was nicht der Fall ist. Hochwürdigster (drei Sterne) Großgeistlicher, ich bin so hingerissen von der Gestalt eines Locarnesers, das ich wie im Zauber dahinlebe, ich bin gefangen wenn auch hinter Rosensträuchern, ich kann nicht mehr dichten und zeichnen wie in früheren Jahren, da ich mich damals immer im dichterischen Zustand befand und mein Leben auf säumerischen Wolken dahinschwebte. Sollte ich mich auch nicht alltäglich ausdrücken, so sind es nur überreste meines ehemaligen Reichtums, den ich eintauschte für den Zauber einer Begegnung, Hochwürden (über dem o ein Stern). Hochwürden, halte ich für einen der größten künstlerischen Menschen und ich wage Ihnen, diesen Brief, - (mein Herz glitzert und steht geöffnet) - oben in Ihr Kloster del sasso (darüber ein Heiligenschein) zu senden. Das Kloster hat Schwingen, ausgebreitete Flügel. Ich schrieb einmal, »die Mönche, die braunen lieben guten Mönche klettern den Felsen auf und herab wie Großgemsen und ihr frommes Haus ist aus dem Stein des Berges gewachsen zur Höhe bis ins blaue Gebüsch hinein. Aber meine Beichte ist nicht zu Ende, Hochwürden; vergeben Sie mir den langen Brief und wenn ich Sie bitte, falls ich Ihnen Freude gemacht habe mit dem Buch: Petron,) besuchen zu dürfen, wollen Sie mich empfangen? Ich bin wie ein Astrologe, der allein weiß das ein wertvoller Stern hinter einer Nebelwolke steht und kann ihn aber nicht erblicken mit bloßem Auge. Oder ich bin wie König Salomo in Jerusalem, der von einem ganz großen Lapis weiß, aus dem er einen Tempel meißeln möchte. So liebe ich den Locarneser, ganz ganz ganz unantastbar und kenne ihn stumm vom ersten Augenblick an, Hochwürden, ahne wie wenig er seine Möglichkeiten kennt, wie grausig man ihn hier mißkennt. Geht es so weiter muß dieser Tiger eingeengt von bösen Reden, die rostiger sind wie Gitter verschließen können, eine schlimme That tun anstatt auf seinen Rücken einst sicher und gütig die Stadt zu tragen. Hochwürden, ich weiß Sie verraten mich nicht, da Sie nicht allein ein geweihter großer König sind, da Sie ein Künstler sind. Ich liebe Paolo Pedrazzini. (ein Reihe Sterne) Ihn anzustaunen wie man ein Lieblingsbild mal lange anblickt; so beschenkt fühlen sich nur Kinder zu Weihnachten (im W ein Stern). - Ich liebe ihn mit meiner ganzen Seele, ich liebe ihn wie ein Hirte vom Hügel, ein verwunschener Prinz einen Dogen liebt von ferne bis zum Horizont. Ich werde ein Engel (fast) wenn ich an Paolo Pedrazzini denke. Nie würde ich wagen, hochverehrter, hochwürdigster Großpriester, mich an Sie zu wenden wenn auch nur ein Sonnenstäubchen in meiner Verzauberung zu erkennen wäre. Die Erde, der Himmel will diese Liebe, sie wäre sonst in den langen sieben Märchenbuchjahren vergilbt. Ich wurde gut an Paolo Pedrazzini, er soll gut an mir werden. Ich bin bange um seine Zukunft. Singt doch David im Psalm: Du wirst meine Seele nicht in den Schéol werfen. Seiner Seele sollen Flügel wachsen und sie soll nicht dumpf dahinvegetieren - wenn auch äußerlich, Hochwürden, sich nichts in seinem Leben verändern soll, da ich ihn liebe mit meiner Seele in Ewigkeit mit allem Guten und Bösem das er tun mußte. Hoch (ein Stern) würden, darf ich mir einbilden, das Sie mit mir sprechen werden - vorerst? Meine Zeit ist kurz, ich will nach Palästina (ein Davidstern) ich werde Hochwürden Muscheln, Seesterne und liebe Steine aus dem Meer von Haifa senden, heiliges Wasser aus dem Jordan und Blumen aus dem Garten Gethsemane; läßt mich Hochwürden nur nicht ziehen ohne Trost. Ich küsse Euch die segnende Palmenhand. 
Else Lasker-Schüler.

HUGO BERGMANN

1. Dezember 35. Ascona. (Südschweiz) Haupt-Post.
Liebreicher verehrtester Hugo Bergmann, 
hochgeehrter Herr Rektor. [475] 
Gerade waren die letzten Seiten meines Manuscripts über Palästina abgegangen an den grossen Verlag nach Berlin, als ich in der jüdischen Presse Hugo Bergmann vor einem Tisch als Rektor sehe und so tief ergriffen und gerührt war, ja ich kanns gar nit sagen. Wirklich das kommt Ihnen zu. Und es tut mir nun so leid, dass ich es nicht vorher paar Minuten gelesen, es hätte sonst eindichten können in mein Buch. Aber wenn die Buchcorrektur kommt. Ich sah Sie so wenig in jerusalem ich wollte Sie nicht stören und war auch was vor den Kopf geschlagen. Kam sehr enttäuscht und arm ins Land, die ich doch von Kind an mit Joseph immer in Cana schon spazieren ging und später die hebräischen Balladen dichtete. In Alexandria sollte ich mir die Reise ermöglichen mit 9 mir versprochenen Vorträgen aber sie mussten zu meinem Herzeleid abgesagt werden weil Hess Eltern da wohnen die literarischen Vereine antis. verseucht. So kam ich eine Bettlerin ins Land, ein Herumtreiber oder... aber glaube nur ein Herumtreiber. Ihre Pallas Athene, die meist sehr traurig war und lebensenttäuscht konnte mich nicht verstehen und ich zu müde mich auszusprechen. Nur Krakauers und Förders die beiden Eisbären (Eisdiele) und Brenners waren lieb zu mir. Ich habe dann wieder den Kampf aufgenommen in Zürich bin nun hier. Lernte liebe Menschen kennen die mir monatlich helfen so freundschaftlich. Bin nun hier in Ascona einem Dorf italienisch die Künstler aller Lande hier Uebergewicht, Schwergewicht, viel Makkabäer - Mein neu Buch 200 Seiten. Joschuah und Gewerett Direktorin Margot las ich vor waren sehr entzückt. Ich glaub ich habs gut gemacht und nit langweilig. Nit literarisch oder sozialökonomisch oder so was langweiliges. Ich glaub Sie lieben mein Buch auch Athene, die mich nicht mehr begriff stolzen Prinz Jussuf. Aber sie liebt Sie und glaubte, glaube ich??? Sie liebten sie nicht mehr. Immer sagte sie, gab mir recht, Sie seien der feinste Mensch. Ich hörte denken Sie unter uns bitte .... Die Athene hätte sich die Adern aufgeschnitten fast verblutet. Wollte sofort an Sie schreiben, aber ich wusste nicht ob man sich in Angelegenheiten mischen soll? Nun hab ich gerad in der Nacht von Ihnen und Athene geträumt in der Nacht bevor ich am Morgen Hugo Bergmanns Bild sah. Merkwürdig nicht? Nun schreib ich Ihnen, trotzdem Elsa nicht lieb zu mir war im Grossen... halben... sie liebt Sie Ehrenwort und verehrt Sie als grössten Menschen und also nun hab ich es gesagt. 
Ich las auch im selben Oscar Grün der prachtvolle Mensch ist einen neuen grossen Verlag in Tel-Aviv? Wäre der wat für mich gewesen? Oder soll ich den meinen das Manuscript lassen. Bitte Antwort. Und laden Sie doch mal Intendant Jessner ein er ist grossartiger Intendant. Er liebte meine Schauspiele immer und den Kabalisten nebenan Scholem habe ich auch habe von ihm geschrieben im Buch und von Hugo Bergmann und Pallas Athene gedenken an Prag. Ich bin sehr herunter und kann ich nit mehr kommen und muss ich sterben aber vielleicht nicht, selbst mein Buch das ich dem lieben Gott und meiner teuren Eltern und meinem geliebten Kinde geschrieben, zu bringen nach Jerusalern so erinnert Euch meiner in Liebe auch bin ich sehr traurig und müde. Euer Prinz Jussuf. 
Jussuf (ein Davidstern)

ERNA GREINER

30. XII 35. (28. 12. 1935) [476]
Postfach 49 
Hauptpost 
Ascona
Mich hat getröstet namentlich die - letzte Reihe - Ich ging mit Ihrem Brief dann und las ihn immer wieder durch am Lagosee. Ob ich nicht in jerusalem schon bin und geh im März, ins Herz der Welten übers Meer. 0 bitte kommt jetzt her und später mit mir nach jerusalem! Unbedingt!!! An Ernst und Rutchen innige Grüge. joja darf nichts Gesalzenes essen! nach Lehmann. Salz: Gift für Kinder. Immer was trockene Watte im öhrlein. 
Höret!!!

ELVIRA BACHRACH

17. III. 36 Ascona (Tessin) Postfach 49 Hauptpost
Signora Elvira [477] 
Alle wollen, ich soll noch einen Vortrag halten. Ich kann ihn bei Dr. Witzig Hotel Tamara halten, aber man kann nicht sprechen für drei Salons; man sieht die Leute nicht und die, mich nicht und meine Lippe. Die gehört zum Verständniß dazu. Nun, da Schaden für Sie und mich - ausgeschlossen; (/) (ich kenn alle) (/) frägt Sie meine thebetanische Regierung an, ob ich noch mal vortragen soll in Ihrem unvergleichlichen Teatro? Falls ich Verlängerung bekomme zu bleiben noch April. Ich dachte so - um den 3 - 4 April oder Endtag März? Wie geht es Ihnen, Elvira Signora und unserer großen schönen Tänzerin, der ich das Bild sende; den kleinen Teppich für in ein Buch zu legen. 
Euer Prinz Jussuf - Else Lasker-Schüler

FRANZ LAPPE

4. Sept. 36 Fraumünsterpost postlagernd Zürich
Bitte verzeiht 
alle Unordnung bitte
Hochzuverehrender 
Herr Lappé. [478]
Ich sah Sie noch am Abend vorher in der Conditorei oder an der Conditorei: Signorell Berger. Gern hätte ich mir erlaubt Sie zu stören, ihnen zu sagen mündlich was ich Ihnen hier schreibe. Ich möchte lieber, wenn ich in der Lage wäre, nicht diesen Brief schreiben; es ist schwer und erleichtert nur etwas, da es für eine zweite geschrieben wird, die eben so krank wie verzweifelt in Ascona schon im Winter bettlägerig. Sie wohnte im Winter in einem nicht heizbaren Raum und man betrat direkt einen Eiskeller. Es handelt sich um Frau Ida Bergmann Ascona. Sie wohnt am Lago im kleinen gelbgestrichenen Haus II Etage vor dem Casa in der Kleinen Gasse Eingangsthür 5 wo die Malerin Baronessa Marianne Werefkin wohnt. 
Der Name des Hauses ist mir entfallen. Frau Bergmann oder Fräulein liegt noch im Bett. Ihr prachtvoller Arzt: Herr Doktor Melik. Er kann bezeugen und Frau Alby Platten (Salon Christophora) die ihr seit Wochen nun das Mittagessen kocht und bringt und Freunds die ihr schon paar Mal Obst brachten, wie krank die Arme ist und wie überlassen. 
Herr Lappé, ich fühle Sie sind ein guter lieber Mensch. immer haben wir beide uns so nett und höflich gegrüßt. Der kleine Vorfall damals - ja ich hatte schon recht - Kinder sollen mit Puppen spielen. Die Frau Bödmer meinte es sicher gut - ich nicht. 
Herr Lappé, ich bitte Sie an Frau Ida Bergmann oder besser an (eine kranken armen Frau), die so tief und liebenswert schwer gelitten hat und stolz ist und noch leidet, Gutes zu tun. Die Miete beträgt 25 Frc per Monat. Endlich wohnt sie nett und nicht mehr im kalten, steinemen Raum. Fragen Sie bitte, Herrn Dr. Melik, wie sie wohnte. Die jetzige Wohnung besteht aus einem Zimmer und einem kleinen Raum. Ich bitte Sie, Herr Lappé, (aber daß es unter uns bleibt,) ich bitte Sie, senden Sie Frau Ida Bergmann jeden Monat 1. die Miete von 25 Frc. (/) mal ein Jahr?? (/) Ich weiß Sie tun es daß ein Tropfen Barmherzigkeit leuchtet zwischen all dem Bösen. 
(am Rand:) Ich bin zu erschöpft. So viel Kleckse! Verzeiht bitte!!! Ich schreibe an einem winzigen Tisch. Verzeihen Sie die Unordnung, Herr Lappé und ich - weiss Sie zögern nicht. 
Ihre Else Lasker-Schüler

ABRAHAM STENZEL

26. Sept. 36 [479]
Liebes Stenzelchen. 
Ich habe eben das kleine Heiligenbuch ganz gelesen, das Du mir geschenkt hast. Und so lieb Deine lieben Worte, die Du auf der letzten Seite damals an mich geschrieben hast. Ich will demnächst wiederum versuchen, meinen Wunsch lebendig zu machen, daß Du Dich hier erholen kannst. gelobe es Dir. Wie geht es Dir jetzt? Sage Sigismund, Aribert, Karl, Höxt und Paula Elisa und Arno N. ich faste für Dich, liebes Stenzelchen und für Euch diesen Tag höchster Feier. Gleich gehe ich zur Seelenfeier für meine geliebten Eltern, mein Päulchen und Geschwister. 
Deine Freundin Jussu. 
Wieder in Zürich 
postlagernd 
Fraumünsterpost

ABRAHAM STENZEL

13. Okt. 36. [480]
Lieber großer Dichter Ich traf Dr. Meier, der mir versprach an Dich zu denken. Bis jetzt mir alles ohne Erfolg, aber ich erinnerte gestern Dr. Meier noch einmal schriftlich. Endlich mußt Du doch mit der Leber gesund werden, und Bronchien. Nun schreibe mir doch die Adresse von Dr. Prinz, ich würde ihn mehr wie bitten: Reise wenigstens. Ich war ja solange nicht in Deutschland. Nie kann ich seine Schönheit vergessen, die lieben Wälder alle bei Berlin, um Berlin. 
In 2 - 3 Mon. reise wieder nach Egypten u. weiter. Grüße die vielen lieben, alle sind mir Engel - sie sollen für mich beten. 
Euer weinender Jussuf. 
Grüße Lisa und Paula Höxt Ari, Karl Sigismund und alle Lieben. 
Kommst Du mit mit Sigismund?

EDDA LINDWURM-LINDNER

5. Nov. 36 [481]
Liebe Edda. Durch jahrelang. Anstrengung wurde plötzlich in Mailand krank. 2 Stunden betäubt gelegen. Bin abends zurückgefahren Entsetzliche Bange: bin Zürich wieder gefahren genügte für Formalität. Im Ganzen etwa 20 Stunden 
In Eile E. 
Gerade war der Duce dort gewesen.

CARL SEELIG

10. IV. 37 [482]
Lieber Dichter.
Ist man erst bei - 90 - angelangt 
Vor dem 91. mir bangt, 
Hat man eine große Bange, 
Es kommt öffentlich im Gange. 
Ach, ich war ja so entzückt. 
Kaum gelesen, hingeblickt 
Von der Kritik wie Gesange. 
Doch als ich vom Alter las 
Ward ich - wie man sagte - blaß. 
Versteht Ihr? 
Wo sehen wir uns bald? Ihr Else Lasker-Schüler. 
Zürich 
Fraumünsterpost 
postlagernd

CARL SEELIG

3. Nov. 37 [483]
Lieber lieber Dichter. 
Was soll ich sagen? Wie dichteten Sie über mein Buch. Wie dank ich Ihnen!! Sie sind ein großer und »lieber« Dichter. Ich hoffe wir werden uns bald wieder unterhalten. Ich möchte Ihnen ja so viele Wunder erzählen. Wem soll man sie erzählen als uns, die wir zaubern können. 
Der schöne Bogen noch dazu!! 
Ihr Else Lasker-Schüler

FRANZ LAPPE

18. IV. 38 [484] 
(Kopf im Profil) So ging ich durch Jjerusalemme
Hochzuverehrender Herr Lappé 
Ich weiß noch ganz genau wie Sie aussehen und weiß darum: Sie sind a good man. Wie der Amerikaner zu sagen pflegt in den Filmen. 
Ich habe so Sehnsucht oft nach Ascona, wo Ruhe war. Und gewiß komme ich bald wieder hin, aber heute kann ich Ihnen nur schriftlich alles mitteilen: Ich vermute Sie haben Frau Idel Bergmann, die so krank war und noch ist, stets mit der Miete geholfen. Und ich war Ihnen sehr dankbar darum, Signore. Nun schreib ich ihr öfters und diesmal schrieb sie uns aus dem Sanatorium 
Frau Idel Bergmann 
Sanatorio. (Patientin) 
Ambri-Piotta (Ticino) 
zurück, sie mache sich so Sorge um ihre Wohnung darin ja ihre eigenen Möbel stehn. Es seien, bevor sie ins Sanatorium kam, also vor kurzer Zeit, paar Damen bei ihr gewesen, die ihr versprachen, Sie bekäme die Miete weiter. Sie bleibt ja nicht lange im Sanatorium. 
Signore, Frau Idel B. ist so eine liebe kluge Frau und so fein künstlerisch, vor allem noch sehr krank, daß ich Sie herzlich bitte, die Miete weiter zu zahlen. Ich glaube es waren drei Menschen, die sie zahlten. 
- Der deutsche Markt fällt aus, ich verdiene nichts. Ich grüße den prachtvollen Herrn Dr. Melik und Heinrich Maria Davrin (glaube Maler) und Erich Maria Remarque und Herrn und Frau Linson und liebes Tausendschönchen Frau Diesbecker und alle die mir lieben Menschen in Ascona. 
Artur Holitscher fängt immer mit mir Streit an, aber er ist doch ein geistvoller Mensch und ich hoffe es geht ihm gut im Leben. Ihre Sie sehr verehrende Signore, 
Else Lasker-Schüler.

GEORG LANDAUER

Verzeiht den Heftbogen, Adon. [485] 
Adon, ich hatte sofort noch nach dem Abend das Couvert an Sie geschrieben, aber gehetzt wie ich bin, dauert die Einlage immerhin. 
Sie sprachen geradezu monumental, Adon und wie auf einem Schachfeld, wenn mans so bezeichnen kann. Auch mit großer Ruhe und Gewißheit und eine ganz kleine Pause zwischen Satz und Satz; jeder Zug, jeder Satz - ein Zug, ein Schachspieler der Rede. Ich hab oft die Nächte im Café Kaiserhof zwischen den Schachmeistern gesessen - und hab das Spiel doch nie gelernt. 
Ihr Prinz von Theben 
(Else Lasker-Schüler) 
der elwerfelder Jung. 
An die schöne Lu, liebe Grüße.

OLGA ALEXANDER-NEUSTADT

22. Juli 38 [486] 
Zürich 
Fraumünsterpost 
postlagernd (grün unterstrichen)
Sehr verehrte liebe Frau Olga Alexander. 
Ich bin so erschöpft von allen Dingen im Leben, ich bin so gejagt, konnte Ihnen nicht eher schreiben, wie gut Ihr Gedicht Ihnen gelungen. Ich bin nun total erschöpft zu wenig um mich halten zu können, trotz größter Einschränkung. 
Wissen Sie Jemand, der Interesse für (/) asiat. u. afrikan. (/) Bilder hat. Der mir meine Bilder abkauft? Bitte, sofort bitte Antwort! 
Ich wäre schon in Jerusa (ein Davidstern) lem aber ich muß mir erst die Reise verdienen. Das also ist das Ende meiner 22 Bücher! Gerade jetzt möchte ich hin, schäme (grün unterstrichen) mich, da ich nicht bei den vielen Bauern namentlich. Ein Indianer (/) (Emek) (/) läßt nie im Stich. 
Ich grüße Sie müde, meine Liebe. 
(an den Rändern:) 
Gedicht: Sehr gut! 
Kommen Sie doch was hier her! Ihr Prinz Jussuf

INES ASHER

22. Aug. 38. Montag. [487] 
Poste restante. Zürich 
Fraumünsterpost
Meine liebe Ines verehrteste. 
Wäre ich nicht so gehetzt, hätte schon längst geantwortet. Zumal vielleicht davon so viel Glück abhängt.? Aber ich bin nun 5 Jahre und 1/4 auf Emigration und das ist eine schwere Aufgabe und kaum zu bestehen. Liebe Ines verehrteste, ich habe ein kleistpreisgekröntes Schauspiel, ein Stück des Friedens und im Jahre 32 war es schon vom Intendanten Prof. Leopold Jessner in Berlin einstudiert für das Staatstheater. Außerdem in Darmstadt von Gustav Hartung telegraphisch erworben nach 3 Tagen des Erscheinens im Verlag S. Fischer Bühlowstr. Der berühmte Verlag S. Fischer. Dann kam H. und wir alle auch Jessner mußten über Nacht wie ich fort. Zerschlagen kam ich blutend in Zürich an. Lindners konnte ich das nie schreiben. Ich lag 6 Nächte am See hier versteckt, da Niemand momentan in Zürich, den ich kannte vom Krieg her. Nun kann ich leben, natürlich sehr schmächtig, da so viele Emigranten hier. Die Gemeinde nicht allzu reich. Aber ich kann leider nichts mitgeben all denen die noch in Deutschland schmachten. Liebe Ines, ich hoffe Sie haben, wie ich von Ihnen, guten starken Eindruck von mir gewonnen? Aber auch einen Liebreichen? Mein letztes Stück, das ich schrieb soll großartig (pardon) sein. Ich könnte Depeschen von Reinhardt etc. Briefe: vieler Direktoren, Dichter: Werfel etc. Ihnen senden. Es wurde hier im Schauspielhaus aufgeführt. Da nun vorriges Jahr hier großer Antisem. war - wurde ich verhauen und getreten auf der Post im vorrigen Jahr, der Direktor bedroht. (/) Mußte absetzen da 42 Juden drin vorkommen (/) Ich sende aber gern die größte Schweizer Zeitung: Baseler Nationalzeitung, (/) Dearest Luis kennt sie sicher (/) mit Riesenkritik eines großen Schweizer Dichters, den ich dann kennen lernte. Er riet mir unbedingt Amerika mein Schauspiel anzubieten. Nun dacht ich so: Ein guter gewissenhafter Übersetzer müßte mein Stück übersetzen (15 Bilder) dauert etwa 2 1/4 Stunde zu sprechen. Unerhörte Decorationen liegen hier von Teo Otto gemalt.) Das Spiel selbst war enorm. Alle die Schauspieler - wie man sagt: »Bejeistert!! 
Dr. Erwin Kaiser spielte Oberrabbuni von Paderborn - (meinen Urgroßvater) Kurt Horwitz - spielte Bischof von Westfalen Ernst Ginsberg: Nachtwächter Langhoff der Schriftsteller der Moorsoldaten den Kaplan Bernhard (am Rand:) alle hier Schauspielhaus großes Friedensstück,.. aus der Heimat meiner lieben Toten (/) 
Es ist ebenso hebräisch wie christlich und hier wandten sich schon die Katholiken an mich, aber es muß im Theater und nicht im Saal aufgeführt werden. Es heißt: Arthur Aronymus (westf Vorname) 
und seine Väter. 
Ein Verlag in Basel hat mir den Vertrieb halb abgeschwindelt, aber er muß wieder rückgängig machen. Das erreiche ich schon. 
Kennen Sie großen Kritiker aus Deutschland, der nun in New-Jork: Rolf Nürnberg heißt er. Er schrieb, er will alles tun; er liebte auch mein erstes Stück: Die Wupper so. Geliebte E LSch. schrieb er so gern hat er meine Dichtungen. 
Liebe Ines sollen wir beiden Kinder uns établieren? Wir teilen dann so: 
Ines ein Viertel. 
Lindners Kinder: 1 Viertel 
ELSch 2 Viertel da ich muß meiner nun gedenken. 
Sind 4/4. 
Können Sie es wörtlich übersetzen? Ein Dichter darf nie ein Stück übersetzen, da er hereinphantasiert neues gutes oft schlechtes. Das geht nicht!! Ich käme gern zwischendurch nach Chicago. Wir machen es dann. Und dann trag ich vor - meine schwache Seite. Großer Sturm immer. Fragt Prof. Max Reinhardt, Hollywood. Man kennt ihn. Fragt wie ich vortrage. Bitte Pf. Reinhardt könnte Regie machen, wie bei meiner Wupper damals. Könnten enorm verdienen - sagen Alle. Nur es müßte mal in Schwung kommen!! Ich habe auch prachtvolles Kleid Vortg - Schwarzatlasrock Sammtjacke mit Husarenschnüren etc. Strümpfe Schuhe von Samt 
(am linken Rand:) Das schonte ich in Leinwand umhüllt (darunter Skizze des Kleides mit Teilbezeichnungen) 
(am rechten Rand:) Ich sprech dann in Amerika, Zahl zwischendurch reise zurück Ich bin ehrlich Bitte sofort Antwort sende dann Theaterstück und letztes Buch von 
mir 
Nun Lindners 
Ich weiß nicht wie - aber es wäre gut sie kämen aus der Misére dort. Giebt es Krieg? Nun könnten sie doch nach der Südschweiz Ascona wo alles billiger und lieb ist. Aber sie können doch nur die Sperrmark in Deutschland gebrauchen. Sie könnten sonst in Ascona leben, das ich gut kenne, Ines. Ich kann ja nichts geben! aber wenn wir zusammen den Plan ausführen, enorme Aussicht. Selbst Cinema wäre famos. Wir beide sind doch energisch und können mit dem Kopf durch die Wand. 
(an den Rändern:) Ich schreibe schwarz - blau - der Stifte wegen, die immer abbrechen. i - arm hier - nur ein paar. 
Giebt es Krieg? es wäre schrecklich! 
greeting for jour dear dear mother 
Lindners Kinder danken Euch Dir u. Luis so sehr!! 
Schreiben immer von Euch im Brief. Eure Else. 
Many greeting all the Kinderlein. Wie ist dear mother and Robert child?

EDDA LINDWURM-LINDNER

Liebe Edda. [488] Ich bin, da ich plötzlich mitgenommen über Marseille nach hier gefahren: Schwer krank gewesen in Marseille und Schiff - nun 2 Tage hier. Noch zu erschöpft. Traumhaft anstrengende Fahrt. 6 Personen in Kabine. Chinesenbedienung Ich schreibe mehr, übermorgen genau. Ich mußte fort, für 3 Monate, bleibe paar Monate. Alwine soll Adresse von S. schreiben. Ich grüße Euch herzlich, Erika, Fee. 
Ich bin aufgerieben!!! Diesmal Jerusalem Vienna Briefe werden mir nachgesandt 
Ich schreibe genau

EDDA LINDWURM-LINDNER

(12. 4.1939) [489]
Hôtel Vienna. Jerusalem. 
Liebe Edda. Ich vergaß: Wien. Postamt 101. Friedas Sohn. Nur nichts senden, nur nicht, da er bekommt und wir selbst gesandt haben müßten. Ich bin noch krank durch Erschöpfung denk mal fast blind. Ich habe mich kaput gerannt. Ist Tante besser? oder schlimmer geworden Sie war meine Lieblingstante. Wenigstens ich nannte sie so. Bitte weiter stark und Euch vier Freundinnen alles alles alles Liebe. 
Euer armer Lederstrumpf.

EDDA LINDWURM-LINDNER

27. IV. 39. [490]
Jerusalem. Hôtel Vienna. Liebe Edda. Ich schreibe also jetzt die 3. oder 4. Karte von hier. Ich habe noch so wenig und kann nichts vergebens ausgeben, zumal ich noch zu Tode erschöpft von der Krankheit und Sehstörung. Riesenstrapaze diesmal. Ich kam nicht wegen Caros. Ich kann Dirs nur erzählen. Sage Alwine der lieben Freundin, ich finde auch die Blumenkarte unvergleichlich. Und danke ihm. Habe eben an Siegfried geschrieben. Ich habe auch an L. und Inez geschrieben. Noch mal sehr bittend. Warum schreiben sie nicht mehr? Bekommt doch?? Wer Julius ist, weiß ich ja nicht. Sofort genauer klären, ich schrieb ihm sofort. Ich bin außer mir, daß Tante Hildegard noch krank. Sie war so lieb zu uns. Wie geht es ihr? Und was tut Süßbruch oder wie heißt er? Hier sehr schwer. Ich hoffe ich kann öfter vortragen. Leben sehr einfach - arm hier - nur ein paar. Hätte ich nach Ascona gekonnt, wäre hin. Aber Juli. Was kann ich tun? Antwort!!! Vertrauen. Der Arzt sagte von Tante in Zürich. Trotzdem nichts Böses zu erwarten. 
Euch allen Alwine Fee Erik Dir liebste Grüße.

CARL SEELIG

15. Juli 39 [491]
Jerusalem 
Hotel Vienna 
Lieber hochverehrter Carl Seelig. 
Alles Liebe und Gute aus der Lieben Stadt Jerusalem. Alle Juden haben großen Mut bewiesen, ich hoffe ich war auch nicht feige. Wir könnten doch alle Brüder sein. Die Araber doch unsere Brüder im Herzen (?) Ihre Else Lasker-Schüler 
(Prinz Jussuf)

GEORG LANDAUER

7. X. 39. [492]
Dear Adon. 
Ich danke Ihnen für Ihre feine Art und Weise. Ein paar Tage habe ich schon, durch mir unbegreifl. Ursache, etwas Fieber und erst draußen kam mir doch in den Sinn: ich kenne ja noch die netten Krakauers und Athena (Frau Louisa Mendelsohn. (/) (Mühle) (/) Ich hätte nun eine Bitte, Adon, falls es so sein muß, Frau Mendelsohn zu beauftragen. Ich hab sie besonders gern und ich glaube sie mich auch. 
Ich kenne auch den feinen Rabbiner Dr. Kurt Wilhelm aus Dortmund. 
Athena wäre mir die liebste und angenehmste. Adon, daß ich nun erlöst von täglicher Frage!!! Ja was soll ich Ihnen sagen. Das könnte man nur schalmeien. Ich wünschte mir schon immer, David und Jonathan lebten. Was soll ich Ihnen, Adon, sagen und Adon Dr. Swet? Es ist schrecklich lieb von Ihnen! Unerhört wundervoll! 
Ihre Else Lasker-Schüler
Hôtel Vienna 
Jerusalem 
Jaffa Road 
Hier begegnen einem 
wirkliche Jerusalemiter 
und ganz Asien und 
Kameele und Esel 
Karrawanen immerzu.

HUG0 BERGMANN

5. Nov. 39. [493]
Adon Professore. 
Ich schreibe mit meiner Schreibmaschine zu Ihrer Bequemlichkeit. Es hat sich etwas hingezogen meine Angelegenheit, weil Mithauptperson krank war, aber in diesen Tagen mich einladen wird, mit mir Näheres zu besprechen. Ich bin dann unter Ehrenwort ganz gesichert ein Jahr. Denken Sie! Falls irgend Zweifel, fragen Sie bitte vorsichtig - Frau Louisa Mendelsohn. Aber bitte sagen Sie zu niemand von meiner nun zum zweiten Mal sich wiederholenden Bitte. Ich bitte Sie, Adon, mir noch einmal das halbe Pfund zu leihen? Ich bringe es Dienstag nächste Woche (spätester Termin) wieder mit Luftballon. Haben Sie Vertrauen. Ehrte mich. Ich bin ja dabei das zweite Buch über Jeschurun zu schreiben. Und das spielt auch eine Rolle bei den Dingen, die mich erwarten, schon erledigt längst wären, wenn einer der netten Adons nicht erkrankt. Liegt alles für mich schon. 
Ehrenwort! 
Trauriger Jussuf von Theben. 
(Else Lasker-Schüler.)
Wollen Sie mir durch Oserett oder Oderett Antwort geben lassen? (mir leichter) Essen Sie oder schlafen Sie ruhig weiter!! 
Ha-Aretz kommen 3 neue Sachen wieder von mir, großartig gelungen.