Spielzeug: Freud und Leid

Ich habe absichtlich mit diesem Kapitel gewartet bis zu unserem Umzug. Ich wollte wissen, wovon ich spreche, das heißt, ich wollte warten, bis ich knietief in zerbrochenen Plastikbeinen, funktionsuntüchtigen Raumschiffen, zerquetschten Farbstiften, Puppenkühlschränken mit herunterhängenden Türen, halbfertigen Modellwindmühlen, beinlosen Legomännern und losen Puzzleteilen watete. Und das tue ich jetzt. Mir wird dabei, wie den meisten EItern ziemlich übel. Schauen Sie sich einmal die Spielzeugkiste eines Hauhalts mit mittlerem Einkommen an:, all die längst vergessenen Belohnungen, die aufregenden Geschenke, die Wiedergutmachungsangebote, die Überraschungen vom Weihnachtsmann und die vom Taschengeld abgesparten Schätze liegen vor uns - ein Meer von unerwünschtem Plastik. Wir fühlen uns des Umweltvandalismusses schuldig. Wir fürchten, unsere Kinder verzogen zu haben und als klassisches Opfer der Werbung gebrandmarkt zu sein. In diesem Augenblick bin ich von Müllsäcken, Teekisten und Kartons umgeben, während meine beiden Kinder verzückt mit einem Kaufladen spielen, den ich in einem seltenen Kreativitätsanfall vor drei Jahren aus Streichholzschachteln zusammengestöpselt habe. In solchen Augenblicken ist die Versuchung groß zu sagen, daß alles andere sinnlos war.
Aber das stimmt nicht. Die Wahrheit ist komplizierter, und alle Ressentiments trüben nur den Blick auf die wahren Dinge. Das Thema Spielzeug ist sehr schwer von anderen, ebenfalls gefühlsbeladenen Aspekten der Elternschaft zu trennen. Zum einen fürchten wir, unsere Kinder mit Spielsachen zu verziehen, zum anderen spielen da unsere geheimsten Wünsche und unsere Bildungskomplexe eine große Rolle. Wir alle wollen, daß unsere Kinder einen. gewissen intellektuellen und persönlichen Standard erreichen. Sehen Sie sich die Abscheu auf dem Gesicht eines intellektuellen Vaters an, dessen Sohn. aus einem Ghostbuster-Gewehr Plastikgeschosse abschießt. Oder das unglückliche Gesicht einer feministischen Mutter, deren kleines Mädchen einem orangefarbenen Gummipony mit Lurexmähne liebevoll ein berüschtes Hochzeitskleid aus Nylon anzieht. Sie können sich köstlich amüsieren, wenn Sie einmal ein geschmackvolles Weihnachtsfest in einer Familie der oberen Mittelschicht miterleben. Der Weihnachtsbaum ist wunderbar geschmückt mit schwedischem Holzspielzeug von Liberty. Und unter dem Baum schreit den entsetzten Eltern eben jenes orangefarbene Gummlpony mit Lurexmähne entgegen, dem wir gerade schon begegnet sind. Daneben steht eine Sindy-Puppe in brutaler Lederbekleidung und die schauerliche Reproduktion einer Kalaschnikow. Die armen Eltern. Hin- und her gerissen zwischen Ceschmack und dem lobenswerten Wunsch, die Kinder selbst auswählen zu lassen, haben sie resigniert. Kein Wunder, daß sie sich mit Wein volllaufen lassen, um den Anblick zu vegessen.
Die Spielzeugindustrie ist, offen gesagt, eine Zumutung, zumindest auf internationaler Ebene, wenn es um Spielzeug für Kinder ab vier geht. Die Spielsachen für kleinere Kinder sind nicht so schlecht. Das Gesetz schreibt vor, daß sie stabil und sicher sein müssen, und viele sind auch vom Design her ausgezeichnet. Sie überdauern die Kleinkinderzeit mühelos und lassen sich nach einer kräftigen Abreibung mit dem Schwamm noch sehr gut auf dem Flohmarkt weiterverkaufen. Auch macht es Kleinkindern ganz und gar nichts aus, aus welchem Jahr das Modell ihres Spielzeugs stammt. In der Spielzeugwelt der größeren Kinder jedoch herrscht das Gesetz des Dschungels. Besuchen Sie einmal eine Spielzeugmesse, und Sie werden begreifen, worauf es den Herstellern wirklich ankommt. Da hören Sie von 98%iger Marktsättigung und »aggressivem Marketing«. Achten Sie darauf, wie die Hälse länger und die Ohren größer werden, wenn es darum geht, sich an einem Fernsehcomic mit den entsprechenden Produkten zu beteiligen. Oder wie sich alle um eine berühmte Persönlichkeit reißen, die gegen gutes Geld ein paar nichts sagende Büchlein zu einer Spielzeugfigur aus der Retorte schreiben soll. Spielzeughersteller haben ein starkes kommerzielles Interesse daran, unseren Kindern einzuimpfen, sie müßten alle Ghostbusters und alle Kleider und sonstiges Zubehör für Barbie-Puppen haben. Die Spielzeuggeschäfte, auch die berühmten, machen ebenfalls mit, weil es natürlich bequemer ist, bekannte, gut verkaufbare Produkte auf den Regalen zu haben, als alle Kataloge durchsehen zu müssen, mit schrulligen Herstellern zu verhandeln und ein originelles Sortiment anzubieten. Und so kommt es', daß es möglich ist, in einigen der größten Spielzeugläden der westlichen Hemisphäre nicht eine einzige Kindertrommel oder simple Holzbauklötze zu finden. Ein Sprecher der Firma Hamley in London sagte mir einmal: »Wir müssen uns danach richten, was die Leute wollen. Und ich denke, sie wollen vor allem das, was sie in den Fernsehserien oder in der Werbung sehen. Manchmal sind das ganz schauerliche Sachen, aber sie verkaufen sich gut. Wir versuchen handgemachtes Spielzeug zu führen, aber Sie wissen ja ... « Ja, ja, ich weiß.
Aber ich persönlich gebe lieber mehr Geld in ganz individuell geführten Läden aus oder bestelle per Katalog bei Firmen, die sich zum Grundsatz gemacht haben: »Wenn alle es führen, brauchen wir es nicht zu haben.« Sie haben eine riesige Auswahl von Spielzeug aus aller Welt, ohne jedoch auf der snobistisch angehauchten Antiplastikwelle anderer alternativer Spielzeugläden mitzuschwimmen. Eines der lustigsten batteriebetriebenen Spielzeuge, die wir je hatten, ist das raketenabfeuernde, intergalaktische Huhn, das eigentlich ein lebensgroßer Plastikgockel ist, der über den Teppich stolziert, mit den Flügeln schlägt und Plastikgeschosse in alle Richtungen abfeuert. »Wir fanden es auf einer Spielwarenrnesse im Ausland, und es schien uns die einzig mögliche Antwort auf das aggressive Kriegsspielzeug zu sein.« Wie wahr! Ein fettes, gelbes Huhn, das das gesamte Mini-Nato-Arsenal übertrifft und dabei auch noch auf die Schippe nimmt. Köstlich! Alle Eltern, die die graugrünen Plastikpanzer und die Raketenabschußbasen im Kinderzimmer leid sind, brauchen zur Aufmunterung ein raketenabfeuerndes Huhn. Das kommt auf jeden Fall mit in das neue Haus. Hier ist aber Schluß mit der Predigt. Unter dem billigen Schund können sicher Schätze verborgen sein, deren Wert nur der kleine Besitzer kennt. Einige Bestandteile der so massenhaft verkauften Spielsachen sind sogar recht gut gemacht. Und Kinder haben so ihre eigenen Vorstellungen. Sie haben von Natur aus die Fähigkeit, die Spielsachen ganz entgegen den Vorstellungen der Hersteller miteinander zu vermischen und sich ihre eigenen Spiele auszudenken. Als ich einmal nach Hause kam, fand ich einige jener häßlichen, muskelbepackten Plastikfiguren neben einem Teddybär und einer Stoffpuppe in einem rüschenverziehrten Puppenwagen liegen. »Es geht ihnen schlecht«, wurde ich aufgeklärt. »Dagegen müssen wir etwas tun. Und dann fahren alle an den Strand in den Urlaub.« Nachdem die Patienten immer noch ihre Patronengurte und ihren finsterer, Blick zur Schau trugen, hatte ich die Idee eines Sprungs in eine andere Welt, wie sie sich die Hersteller sicher nicht hätten träumen lassen. (Nein, es war kein Mädchen, das so sprach. Auch die jungen spielen mit Puppen.
Warum hätte man wohl sonst den Zinnsoldaten erfunden? Nach dieser Erfahrung gab ich mein ohnehin vergebliches Bemühen, Waffen und Kriegsspielzeug aus dem Kinderzimmer zu verbannen, ganz auf und wurde prompt belohnt durch einen zum Traktor umfunktionierten Panzer, der einen Spielzeugpflug zog, und durch ein generell nachlassendes Interesse an Waffen, mit der Ausnahme von kurzen, bösen Zwischenspielen, wenn besonders kampfesfreudige Besucher zu Gast bei uns waren. Es gibt drei nützliche Prinzipien in punkto Spielsachen. Nehmen Sie, immer wieder mal, Spielsachen einfach weg. Jedes Spielzeug wird irgendwann einmal langweilig. Anstatt ein neues zu kaufen, holen Sie das alte wieder hervor. Kurz vor Geburtstagen und vor Weihnachten sortieren Sie, der Geschäftsführer des Haushalts, alle Einzelteile in verschiedene Kisten oder Schachteln - eine mit Baukastenteilen, eine mit Puppenhauszubehör, eine mit Soldaten und Burgbefestigungsanlagen. Das kreative Wechselspiel kann sehr nützlich sein, aber aus dem hoffnungslosen Chaos kann nur sehr schwer ein sinnvolles Spiel entstehen. Mit etwa sieben Jahren können die Kinder diese Aufgabe selber übernehmen, vorher ist es zu entmutigend. Haben Ihre Kinder, so wie unsere, eindeutig zu viele Spielsachen, dann ist dabei eine gute Gelegenheit, Dinge verschwinden zu lassen oder - noch besser - herzuschenken. Der zweite Grundsatz heißt: Versuchen Sie, Spielsachen nicht zu früh zu kaufen. Nur weil Sie sich immer eine elektrische Eisenbahn gewünscht haben, ist das noch lange kein Grund, einem tolpatschigen Fünfjährigen eine zu schenken, der noch nicht einmal die Waggons ordentlich auf die Schienen setzen kann. Nur weil Sie so viel Spaß mit einem Druckereikasten hatten, sollten Sie nicht ein Kind, das noch nicht einmal HAUS buchstabieren kann, nicht mit fummelig kleinen Gummistempeln plagen. Bekommt Ihr Kind ein Geschenk, für das es noch nicht reif ist, dann nehmen Sie es so schnell wie möglich aus seiner Reich- und Sichtweite. Ansonsten werden die Einzelteile in alle Winde zerstreut, ehe das Kind wirklich etwas damit anfangen kann. Überschütten Sie Ihr Kind nicht mit besonders kostbaren Geschenken.
Das verwirrt das Kind nur. Die Versuchung ist groß, vor allem wenn es Ihnen finanziell gut geht und Sie ein schlechtes Gewissen haben, weil Sie den ganzen Tag nicht zu Hause sind. Die großen, staunenden Kinderaugen sind für uns Erwachsene etwas so Wundervolles, daß wir selbstsüchtigerweise versuchen, das noch zu unserem eigenen Vergnügen zu steigern. Wenn dieser Fünfjährige so entzückt über ein mit Tautropfen verzaubertes Spinnennetz ist, überlegen wir, was wird er dann zu einem maßgetreuen Lamborghini-Modell mit einem Briggs & Stratton Viertaktbenzinmotor und einem eigenen funktionstüchtigen Getriebe sagen? Wenn er seinen Teddybären so heiß und innig liebt, wie wird er reagieren, wenn eine zweieinhalb Meter große Giraffe mit Leuchtaugen in sein Schlafzimmer lugt. Lassen Sie sich nicht auf solchen Wahnsinn ein. Gott sei Dank fehlen den meisten von uns für diese Art von Kindesmißhandlung die finanziellen Mittel. Der letzte und wichtigste Punkt, den Sie bedenken sollten, besonders wenn Sie auf jeden Fall vermeiden wollen, das Kind zu verziehen, ist, daß es zwei Arten von Spielzeug gibt (unabhängig von Qualität oder Langlebigkeit). Einige Spielzeuge sind »Werkzeuge«, andere sind Luxusgüter. Zu den Werkzeugen gehören die Babyrassel und später die Bauklötze des Kleinkindes. Kein Mensch käme je auf die Idee, darauf zu verzichten. Bekäme man sie nicht zu kaufen, würde man sie irgendwie selbst herstellen. Auch größere Kinder brauchen gewisse Spielsachen einfach für ihre geistige und handwerkliche Entwicklung. Ein wirklich guter Baukasten ist immer seinen Preis wert, auch wenn er anfangs nicht so oft benutzt wird. Ebenso ein Puzzle, ein paar Platikfiguren oder Mal- und Zeichenutensilien.
Denken Sie auch daran, daß Kinder auf jeden Fall Spielzeug auf Rädern, Spielzeug, das schwimmt, Spielzeug, das man mosaikartig zusammensetzen kann, braucht. Das muß nichts besonders Aufwendiges oder Teures sein. Aber es sollte ihnen klar sein, daß Sie für Ihr Kind nichts anderes als das grundlegende Handwerkszeug kaufen, mit dem das Kind in seiner geistigen und körperlichen Entwicklung arbeitet. Mit anderen Worten: eine ganz andere Sache, als ein Kind mit allen verfügbaren Ghostbusters zu überladen oder sentimentalen Erinnerungen an die eigene Kindheit mit einem handgearbeiteten Schachtelteufel nachzuhängen - diese Dinge sind Luxus. Den besten Rat in punkto Spielsachen, den ich geben kann, biete ich Ihnen in Form von zwei Listen an. Die Dinge auf der ersten Liste werden Sie nie bereuen, gekauft zu haben, auch wenn Sie sie natürlich nicht alle brauchen. Auf der zweiten Liste finden Sie Dinge, die Sie sehr wohl bereuen, bitter bereuen, vor allem, wenn Sie sie zur Unzeit für Ihr Kind kaufen.

NIEMALS WERDEN SIE BEREUEN:

  • Reichlich Mal- und Zeichenutensilien. Dazu ein paar Malbücher.
  • Einen guten Baukasten. Lego oder Märklin zum Beispiel oder Fischer-Technik oder was sonst noch auf dem Markt ist und immer wieder ergänzt werden kann. Vergleichen Sie die Produkte gut, ehe Sie kaufen und vermeiden Sie, von allen Produkten auf dem Markt wahllos erst einmal eine Grundaustattung zu kaufen.
  • Einige wirklich brauchbare Spielfiguren mit etwas Zubehör, wie beispielsweise von Playmobil angeboten. Wichtig daran ist, daß sie gerade anspruchsvoll genug sind, um einem aufgeweckten Sechsjährigen zu gefallen, aber nicht so »fertig«, daß kein Raum mehr für Phantasie bleibt. Diese Serien gibt es in kleinen Einheiten auf dem Markt, ohne daß man deshalb alle kaufen müßte - jede Schachtel kann als eigenständiges Spielzeug verwendet werden.
  • Bälle. Erstaunlich, daß manche Familien alle Arten von Freiluftsportartikeln besitzen, aber weit und breit kein Fußball in Sicht ist. Vielleicht würde ein Ball aber nur die Tatsache unterstreichen, daß die Eltern ihrem Kind nicht genügend Spielkameraden - Erwachsene oder Kinder bieten.
  • Drachen. Einfache Drachen, vorzugsweise aus Stoff. Die komplizierteren kommen erst später.
  • Gute Brettspiele, die Eltern und Kinder gleichermaßen spielen können.
  • Gute Kinderwerkzeuge: sorgfältig gearbeitete Sägen, Hämmer, Hobel etc. Wenn sie von den anderen Spielsachen gesondert aufbewahrt werden und nur unter diskreter Oberaufsicht verwendet werden dürfen, dann sind sie eine bessere Garantie für Sicherheit als ein hysterisches Nein zu jedem Werkzeug mit scharfem Blatt oder scharfer Klinge.
  • Puzzles, der Altersstufe entsprechend. Ein Thema mit ungeheuer vielen Variationsmöglichkeiten.
  • Ein Puppenhaus, zu dem Möbel und andere Einrichtungsgegenstände nach und nach zugekauft werden können.
  • Eine Burg mit Rittern. Nennen Sie es Geschichte, wenn Sie sich so leichter tun.
  • Ein Marionettentheater. Aber lassen Sie sich um Gottes willen nicht zu furchtbar komplizierten Marionetten hinreißen. Am besten ist das einfachste System mit je einem Faden zu jedem Arm. Aufwendiger sollte es für ein Kind unter zehn keinesfalls sein. Glauben Sie mir.
  • Fingerpuppen.
  • Puppen die Ihr Kind wirklich haben möchte, die es liebt und auch selbst ausgesucht hat (natürlich für Jungen und Mädchen gleichermaßen).
  • Sehr gute Experimentier-»Kästen«, wie Sie sie selber nicht zusammenstellen könnten: einen sicheren Chemieexperimentierkasten, einen Druckereikasten, ein Handarbeitsset, einen Foto-Experimentierkasten.
  • Eigenartige, außergewöhnliche, naturwissenschaftliche Baukästen, die wenig kosten: ein Baukasten, der die Wirkung von Solarzellen zeigt, die Uhr, die ihren Strom aus der Kartoffel bezieht und so weiter. Aber die meisten naturwissenschaftlichen Wunder lassen sich - leider - immer noch am besten durch ein geduldiges Elternhaus und ein gutes, altersgemäßes Buch erklären. Ärgerlich sind aufwendige Kartons mit der vielversprechenden Aufschrift: »So bastelt du dir deine eigene Wetterstation«, in deren Anleitungen das Kind aufgefordert wird, aus einem Marmeladenglas, einem Ballon und einem Strohhalm ein Barometer zu machen, was jeder Pfadfinder ohnehin schon längst weiß.
  • Sehr billige, ziemlich alberne, wahrscheinlich kurzlebige aber lustige und effektvolle Kleinigkeiten für viele Gelegenheiten: Zaubertricks aus China, kleine Holzpüppchen oder -Figuren, Wunderkerzen, alles Dinge, die sich für Geburtstagsfeste und zur Weihnachtszeit als willkommen erweisen.
  • Stoff- und Plüschtiere mit hübschen Gesichtern.
    Gerade noch geschafft in diese Liste hat es:
  • Ein brauchbarer Computer (ab sieben Jahren, würde ich sagen, aber ich bin da altmodisch). Er sollte mit dem Programm" das in der Schule verwendet wird, laufen, sollte textverarbeitungsfähig und auch für doofe Spiele geeignet sein (testen Sie die Spiele. Erscheinen Sie Ihnen zu brutal, nehmen Sie Ihren ganzen Mut zusammen und verbieten Sie sie). In jüngster Zeit kursierten erschreckende Geschichten über Kinder, die zu kommunikationsunfähigen Computersüchtigen wurden. Worauf der Kern des Problems jedoch hinausläuft, sind die Eltern, die in ihrem Urteilsvermögen so unsicher und ängstlich sind, daß sie einem siebenjährigen Kind erlauben, viele, manchmal vierzig Stunden pro Woche, alleine vor dem Bildschirm in seinem Zimmer zu hocken und erst nach Monaten protestieren. Würde ein Kind so viele Stunden lesen und hätte es keine Freunde, hätten sie schon längst etwas unternommen

BITTER BEREUEN WERDEN SIE.

  • Doofe, kleine Malkästen mit Pinseln, deren Haare schon bald ausfallen. Filzstifte (nur selten stecken Kinder die Kappen wieder auf die Stifte, und so trocknen die Dinger ständig aus). Sehr teure, wunderschöne Ölstifte, die das Kind zerdrückt, zerbricht, zerbröselt und verliert. Es gibt auch qualitativ gute Wachsmalstifte, zwar nicht in den schreienden Farben, aber um so haltbarer.
  • Alles aus dünnem Plastik, das leicht bricht und dabei gefährlich scharfe Kanten bekommt.
  • Alle Spielsachen, deren einziger Verdienst eine aggressive Fernsehwerbung ist. Können Sie auch beim besten Willen keine weiteren Vorteile entdecken (ist es vielleicht stabil ? Dann sieht die Sache schon ein wenig anders aus), ist es besser, Sie lassen die Finger davon.
  • Kurzlebige Freizeitsportartikel. Wenn Ihr Kind Skateboard fahren will, dann borgen Sie sich von Freunden eines für ein paar Wochen oder kaufen Sie ein gebrauchtes, bis Sie wirklich wissen, ob der Spaß auch anhält. Das gleiche gilt für Rollschuhe, alles was mit viel Werbeaufwand als der sensationelle neue Freizeitsport angepriesen wird, und sogar für Fahrräder.
  • Komplizierte Drachen, die nur Daddy versteht, und bei denen selbst er schlechte Laune bekommt.
  • Brettspiele, deren Regeln nur Mami versteht, dito. Auch Spiele mit »nachgewiesen hohem pädagogischen Wert«, die keiner jemals anrühren wird.
  • Alles, was Sie gekauft haben, weil die Kinder nicht gut genug in Mathematik, Orthographie oder Lesen sind und der Beipackzettel verspricht, daß sich das umgehend bessern wird. Wird es sicher nicht.
  • Sehr komplizierte Puzzles. Aber die können Sie immer noch selbst machen.
  • Puppenhäuser, die mit allem ausgestattet sind, was das Herz begehrt, und keinen Platz für Phantasie lassen. Es macht Sie wahnsinnig, wenn ein Einzelteil verloren geht, das immerhin zehn Pfund gekostet hat.
  • Riesige Eisenbahnanlagen, die ebenfalls keinen Platz für den Erfindergeist, die Phantasie oder die Wünsche Ihres Kindes lassen.
  • Aufwendige Puppen, die Ihr Kind nicht mag. Auch ganz einfache Puppen - aber in diesem Fall haben Sie wenigstens nicht so viel Geld ausgegeben.
  • Baukästen, deren Inhalt nicht auf dem Karton angegeben ist und die im Laden nicht geöffnet werden dürfen. Meist bestehen diese Mogelpackungen aus langen schriftlichen Anleitungen und viel Plastik. Ehrgeizige, aber im Grunde genommen faule Eltern fallen auf so etwas besonders gerne herein, weil sie nur daran denken, daß der Kasten für den »jungen Elektriker« ihrem Sohn endlich den richtigen Weg weisen wird. Suchen Sie sich lieber einen Laden, in dem Sie sich gut beraten fühlen und einen guten Bastelersatz für ein Viertel des Preises bekommen.
  • Computerisierte Spielsachen, die nur eines können - buchstabieren, zusammenzählen oder nur mit einer unverständlich kratzenden Stimme zurückmaulen.
  • Ferngesteuerte Flugzeuge. Sie fliegen weg und kommen nicht zurück, weil Ihr Kind noch viel zu klein dafür ist. Ferngesteuerte Autos kommen wenigstens nicht so weit, fallen jedoch meist schon nach einer Woche aus der Favoritenrolle.
  • Stoff- oder Plüschtiere mit höhnischem Grinsen auf dem Gesicht

Die erste Liste mag ihnen teuer erscheinen, aber einige Dinge können Sie selber machen, für andere lohnt es sich zu sparen. Und tatsächlich sind die Dinge auf der zweiten Liste fast genauso teuer. Ein paar wenige, klug ausgesuchte Spielsachen sind, ergänzt durch farbige Kieselsteine, eine bessere Grundlage als ein steriles Kinderzimmer voller luxuriöser Nichtigkeiten. Es lohnt sich, sich intensiv mit dem Thema Spielsachen auseinanderzusetzen. Sind sie gut, bringen sie Freude, Faszination und geistige Bereicherung. Sind sie schlecht, bringen sie nur Enttäuschung, zum Fenster hinausgeworfenes Geld und Müll. Ein wichtiges Thema.