212-9-4

römischer Staatsmann, Schriftsteller und Redner (106-43 v.Chr.); im folgenden bezieht Christine sich wahrscheinlich auf Ciceros Schrift De officiis (Über die Pflichten)

212-9-3

die Abhandlung Die Geheimnisse der Frauen, ein im späteren Mittelalter beliebtes Handbuch der Schwangerschaft und Geburt, wurde lange Zeit fälschlicherweise dem Theologen Albertus Magnus (um 1193-1280) zugeordnet

212-9-2

eigentlich Francesco Stabili, geboren um 1290 in Ancarano bei Ascoli Piceno, gestorben 1327 in Florenz; italienischer Dichter, Arzt und Astrologe, der in Bologna lehrte, jedoch 1324 des Ketzertums angeklagt, seines Amtes enthoben und am 16.9.1327 wegen Häresie verbrannt wurde. Im IV Buch seines Hauptwerks L'Acerba, einem Lehrgedicht, findet sich eine lange frauenfeindliche Passage, auf die Christine im folgenden anspielt

212-9-1

der römische Dichter Ovid (43 v.Chr. — 17 n.Chr.), einer der beliebtesten antiken Dichter im Mittelalter, ist der Verfasser eines dreibändigen Lehrgedichtes mit Ratschlägen für das Verhalten in Liebesdingen, der Liebeskunst (Ars Amatoria), deren beiden ersten Bände Ratschläge für die Männer enthalten; später fügte Ovid einen dritten Band mit Ratschlägen für die Frauen hinzu. Das im folgenden erwähnte Buch Heilmittel gegen die Liebe (Remedia amoris) bildet eine Art Fortsetzung und ist dem Problem der Beendigung von Liebesverhältnissen gewidmet

212-7-1

Christine spielt hier auf den Apostel Thomas und eine Legende an, der zufolge er in Parthien und Indien gepredigt und dort das sogenannte Thomaschristentum begründet haben soll

212-5-1

Christine bedient sich hier und im folgenden einer sehr verbreiteten Form mittelalterlichen Denkens, der Allegorie, zu deren Verbreitung der Rosenroman wesentlich beigetragen hatte. Die Allegorie stellt abstrakte Begriffe oder Eigenschaften als Personen dar, die handeln und sprechen; besonders beliebt ist die Darstellung von Tugenden und Lastern als Allegorien

212-3-1

es handelt sich um eins der berühmtesten Werke der französischen Literatur des Mittelalters, das aus zwei Teilen besteht. Teil I wurde um 1220/30 von Guillaume de Lorris verfaßt, von diesem jedoch nicht vollendet; es ist der Entwurf einer höfischen Szenerie, in die sich das vergebliche Werben der männlichen Hauptfigur um eine als Rose symbolisierte Frau einfügt. Um 1280 nimmt Jean de Meun diesen Handlungsstrang wieder auf und bringt den Rosenroman zum Abschluß, wobei er sich allerdings von den Intentionen Guillaumes weit entfernt.

212-2-2

Christine faßt hier ihre leidvollen Erfahrungen mit der starken Strömung misogyner Literatur zusammen, die sich — trotz Marienverehrung und Verklärung der Frau in einem Teil der höfischen Dichtung im gesamten Mittelalter beobachten läßt; dabei liefern antike Autoren wie etwa Ovid oder Juvenal für Schriftsteller des Mittelalters wichtige Impulse.

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