Alleinstehende Frauen

Eine alleinstehende Frau! Hat diese Wortverbindung nicht etwas Klagendes an sich?!« Dieser Seufzer einer englischen Journalistin um die Mitte des 19. Jahrhunderts[1] fiel in den Chor der Stimmen ein, die in unzähligen Artikeln und Büchern das Problem der »überzähligen« Frauen, der sogenannten redundant women entdeckten.[2] Die viktorianische Gesellschaft war bestürzt über die »ungeheure und wachsende Zahl alleinstehender Frauen in der Nation, eine Zahl, die in ihrer Disproportion und Anomalie anzeigt, daß die Gesellschaft krank ist.

Die Arbeiterin

Im 19.Jahrhundert erlangte die Arbeiterin ein außergewöhnliches Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit. Selbstverständlich gab es sie bereits lange vor der Entstehung des Industriekapitalismus. In Europa und Amerika verdiente sie ihren Lebensunterhalt in den Städten und auf dem Land als Spinnerin, Schneiderin, Goldschmiedin, Bierbrauerin, Metallschleiferin, Knopfmacherin, Spitzenklöpplerin, Kindermädchen, Melkerin oder Hausmädchen. Doch im 19. Jahrhundert wurde sie mit nie zuvor dagewesener Aufmerksamkeit beobachtet, beschrieben und dokumentiert.

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Paola Di Cori, Rosso e bianco. La devozione alSacro Cuore di Gesü nel primo dopoguerra, in: Memoria 5, Nov. 1982, Sacro eprofano, S. 82-107.

Leib und Seele

Um 1800 hieß das neueste modische Kleinmöbel in Frankreich »Psyche«. In diesem waagerechten Kippspiegel konnte man sich von Kopf bis Fuß betrachten. Psyche aber bedeutet Seele! Eine Chance zu einer neuen Identität unter Einbeziehung des ganzen Körpers? Dazu war es noch zu früh. Den überwiegend gläubigen, wenn nicht gar frommen Frauen des 19. Jahrhunderts war beigebracht worden, der Leib sei der Seele Feind und Haupthindernis auf dem Weg zur Glückseligkeit.

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