Das Weib als Dame

Wo man auch die Probleme, die mit dem Weibe in Zusammenhang stehen, anfassen mag: immer wird man auf etwas unlösbar Widerspruchvolles stoßen. Nirgends liegen die äußersten Gegensätze so unmittelbar nebeneinander wie hier. Durch die ganze Geschichte menschlicher Entwicklung erscheint das Weib in einem seltsamen Zwielicht: bald als ein übermenschliches, bald als ein untermenschliches Wesen, halb göttlich oder halb teuflisch, als Prophetin und Sibylle mit wundertätigen Eigenschaften ausgestattet oder als Hexe und Zauberin von dämonischen Kräften besessen.

Die Frau und der Krieg

Ich komme mit diesen Ausführungen einer Anregung der geschätzten Redaktion nach, die mir als Thema »Die Frau und der Krieg« vorgeschlagen hat. Wenn man in dieser generalisierenden Fassung von der Stellung des weiblichen Geschlechtes gegenüber einem so ungeheuren Lebensproblem, wie es der Krieg ist, sprechen will, begegnet man vor allem der Schwierigkeit, welche die Generalisation immer bereitet: der Vergewaltigung der Minorität durch ein Mehrheitsschema.

Anhang über die Erziehung

Man ist gegenwärtig geneigt, die Erziehung als eine spezielle Leistung der Mutter anzusehen; der Anteil des Vaters tritt daneben stark in den Hintergrund — so stark, daß es fast den Anschein hat, als wollten die Frauen kraft ihrer physischen und ethischen Leistungen nach dieser Richtung die Nachkommenschaft wieder ganz in matriarchalische Gewalt bekommen.

Mutterschaft und doppelte Moral

Nach zwei Richtungen hat die Frauenbewegung die Kultur der Gegenwart entscheidend beeinflußt. Es ist ihr Werk, daß der sogenannte natürliche Beruf des Weibes, die Mutterschaft, nicht mehr als der alleinseligmachende angesehen und das Recht der freien Selbstbestimmung nach Individualität auch dem weiblichen Geschlecht zuerkannt wird; aber es ist auch ihr Werk, daß jener natürliche Beruf erst in Wahrheit und uneingeschränkt die Ehre und Auszeichnung des Weibes bedeuten kann.

Grundzüge

I
Das Problem der Geschlechtspsychologie, in deren Vordergrund die Weiblichkeit steht, bewegt sich der Hauptsache nach um die Frage: Ist das Weib als Persönlichkeit durch das Geschlecht an eine bestimmt umschriebene Geistigkeit gebunden, oder liegt in der weiblichen Psyche die gleiche Möglichkeit einer unbeschränkten Differenzierung nach Individualität wie in der männlichen?

Vorbemerkung

Texttyp

Zeit

Rosa Mayreders kulturphilosophische Essays sind in jüngster Zeit zu einem Geheimtip geworden. Die Bände »Zur Kritik der Weiblichkeit« (1905) und »Geschlecht und Kultur« (1923), beide bei Diederichs in Jena erschienen und natürlich längst vergriffen, sind nur selten in Antiquariaten aufzutreiben und außerdem sehr teuer.

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