Wenn es um Individualität oder Psyche geht, muß man die Gesellschaft berücksichtigen: Da gibt es wohl keinen, der das bezweifelt. Die Frage ist nur: Wie tut man das? Auf welche Weise berücksichtigt man die Gesellschaft? Dabei gibt es eine sehr verbreitete und gängige Auffassung, in welcher die Gesellschaft lediglich als Umwelt angesehen wird, die auf die Menschen einwirkt.
Psychologie heute: Herr Professor Holzkamp, in Ihrer »Grundlegung der Psychologie« nennen Sie als Ziel menschlichen und psychologischen Strebens die »verallgemeinerte Handlungsfähigkeit«. Damit ist, vereinfacht ausgedrückt, kollektives vernünftiges Handeln zum Wohle aller gemeint. Es scheint, als ob wir von diesem Ziel weiter als je zuvor entfernt sind. Muß ein »Kritischer Psychologe« darüber nicht verzweifeln?
Die ökonomisch-ökologische Krise und die Erstarkung des Konservatismus in der BRD sind an der Schule nicht vorübergegangen. Schüler- und Lehrerdasein sind schwieriger geworden. Wir alle kennen Symptome wie individuelle Rückzugstendenzen, Privatisierung und abnehmendes Interesse an gewerkschaftlicher Arbeit. Die durch die gestiegenen Belastungen des Lehrerberufs entstehenden Probleme werden von den Betroffenen häufig eher in Psychotherapie und Selbsterfahrungsgruppen zu lösen versucht als durch veränderndes politisches Handeln.
Aus dem Vorwort:
Adam und Eva.
Was durch eine Revolution bewirkt wurde,
muß durch eine Revolution aufgehoben werden.
Novalis