März

1. MÄRZ
Die Galeries Lafayette in Berlin sind, bis jetzt jedenfalls, kein richtigen Erfolg, das Publikum bleibt aus. Doch die Leute sind zufrieden, ja stolz, daß sie ein großes, renommiertes Pariser Warenhaus in ihrer Stadt haben. Aber es steht im Osten..., und die Gewohnheiten halten sich hartnäckig: Im Osten kaufen die Leute aus dem Osten.

Februar

1.  FEBRUAR
Die Kältewelle hat auch Deutschland nicht verschont, und mein Briefpartner mit der Sütterlinschrift versäumt es nicht, mir alle Schreckensmeldungen von Obdachlosen, die auf einer Parkbank an Kälte gestorben sind, oder von jungen Mädchen, die am Neujahrsmorgen in einem Flußbett erfroren aufgefunden wurden, zu übermitteln.
Ebensowenig wie an seine viereinhalb Millionen Arbeitslose gewöhnt sich Deutschland an seine 300 000 Obdachlosen.

Januar

2. JANUAR
Ich habe Weihnachten, wie in Deutschland, langsam ausklingen lassen. Ich habe mich vom goldenen Strom aus Honig, Kerzenschein, Lebkuchen, Weihrauch, Goldbändern und Glanzpapier einfangen lassen.
Ich habe es sehr bedauert, daß wir nach Weihnachten nicht so wie dort noch einen »zweiten Weihnachtstag« als offiziellen Feiertag haben.

Einführung

Texttyp

Wie begegnet man einem Deutschland am Ausgang des zwanzigsten Jahrhunderts? Wie und warum soll man sich auf die Suche nach einer verlorenen Zeit begeben, verschüttet unter einer noch nahen Vergangenheit und mit dem Blut von zwei Ideologien befleckt, die dieses schreckliche zwanzigste Jahrhundert hervorgebracht hat?
Inwiefern verändert die Eingliederung Ostdeutschlands das deutsch-französische Verhältnis? Entgegen einer mitunter gehegten Vorstellung vollzieht sich die Einheit nicht von selbst.

Einleitung

Texttyp

Personen

Wollen wir Franzosen und Deutsche zusammen Europäer werden? Sind wir es noch nicht? Was ist ein Europäer?
Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte Jean Monnet die ersten Impulse gegeben. Frankreich und Deutschland sollten den Weg nach Europa vorangehen. Die Montanunion entstand. Mit Kohle und Stahl erfolgte der erste Schritt zur Vereinigung auf ökonomischem Gebiet. Später kam der Binnenmarkt. Und nun haben wir die gemeinsame Währung. Sind wir also Wirtschaftseuropäer?

Autor(en)

Retour à Berlin

Titel und Bild
Ein deutsches Tagebuch
Retour à Berlin - Journale d'Armagne

die Autorin hält uns Deutschen den Spiegel vor: Ihre Aufzeichnungen geben auf überraschende Weise Aufschluß darüber, wie sich die deutschen Zustände unter dem Blickwinkel einer fremd-vertrauten, neugierigen und Anteil nehmenden Beobachterin darstellen.
»Kluge Beobachtungen deutscher Zustände« FAZ
»Wenn Brigitte Sauzay über Europa schreibt, bekommen die Deutschen Lust, Europäer zu sein«
Richard von Weizsäcker

Texttyp

Kategorie

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Morell Renate

Studium der Politikwissenschaft, Soziologie und deutschen Literaturwissenschaft in Marburg/L.; verschiedene Tätigkeiten, verschiedene Forschungsprojekte, verschiedene Veröffentlichungen; ; im Oktober 1989 gemeinsam mit Aylä Neusel Organisation der 4. Offenen Frauenhochschule an der Gesamthochschule Kassel: "nichts Halbes ... nichts Ganzes ...: Weibliche Identität", aus der dieser Sammelband hervorging.

Nachname

Morell

Vorname

Renate

Schwimmen durch Schwimmen lernen

Wenn wir schwimmen lernen, lernen wir
nicht zuerst schwimmen und gehen dann
ins Wasser. Wir lernen schwimmen
durch Schwimmen ... Wenn wir die Revolution
durchführen, dann wird das
auch nicht zuerst gelernt und dann getan,
sondern man lernt, während man etwas
tut oder vielmehr, man tut etwas und
dann lernt man. Etwas tun ist lernen.
Leitartikel der »Volkszeitung«
(17. August 1966)

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